2. Juli 2018

Schmetterlinge – geniale Verwandlungskünstler

Der Cairns-Vogelfalter lebt in den Regenwäldern Australiens und Neuguineas und gehört mit 28 cm Flügelspannweite zu den größten Schmetterlingen der Erde Der Cairns-Vogelfalter lebt in den Regenwäldern Australiens und Neuguineas und gehört mit 28 cm Flügelspannweite zu den größten Schmetterlingen der Erde (Bild: Konrad Wothe/www.konrad-wothe.de)

Einige haben Flügel wie aus Samt, andere sind durchsichtig wie Glas. Manche tarnen sich als welkes Blatt, andere fallen auf durch wirre Muster und wilde Farben. Die Vielfalt und die Schönheit dieser Insekten haben Menschen immer begeistert. Und die Verwandlung vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum Schmetterling gehört zu den größten Wundern der Natur.

Lebensräume: je wärmer, je lieber

Schmetterlinge sind auf allen Erdteilen zuhause, nur nicht in der Antarktis. Sie leben in Wäldern und Wiesen, an Flüssen und Mooren, in Parks und Gärten und auch hoch in den Bergen. Sogar im Himalaja bis über 5.000 Meter. Aber die meisten Arten bevorzugen tropische Länder, wo es warm und feucht ist und eine Fülle von Pflanzenarten wächst – also ein reich gedeckter Tisch für Schmetterlinge. Und natürlich ihre Raupen.

Winzig klein und vogelgroß

Zwischen 160.000 und 180.000 Schmetterlingsarten wurden bisher entdeckt, eine genau Zahl gibt es nicht. Und jedes Jahr sollen etwa 700 Arten dazukommen – Forscher werden vor allem in den tropischen Regenwäldern fündig. In Deutschland leben nur etwa 3.700 Arten.
Bei so unendlich vielen und weit verstreut lebenden Familienmitgliedern sind natürlich auch die Größenunterschiede extrem:
Die Zwergminiermotte gilt als kleinster Schmetterling der Welt: 3 Millimeter messen ihre ausgebreiteten Flügel.
In Mittel- und Südamerika lebt der größte Falter der Erde: Die Rieseneule, auch Weiße Hexe genannt, kommt auf eine Flügelspannweite von 30 cm – 5 cm mehr als eine Amsel von Kopf bis Schwanzende misst!
Nicht nur die meisten, sondern auch die größten Schmetterlingsarten leben in tropisch-warmer Gegend. Eine Familie trägt ihre Größe sogar im Namen: die Vogelfalter, beheimatet in den Regenwäldern Südostasiens und Australiens.

Schnell + Weit: 2 Rekorde

Der schnellsten Schmetterlinge der Welt sind die Schwärmer – sie düsen mit 50 km/h durch die Lüfte, der Windenschwärmer erreicht kurzzeitig sogar 100 km/h!
Die längste Wanderung unternimmt der Monarchfalter: bis zu 4.000 km von Nordamerika und sogar Kanada nach Mexiko, um dort mit Millionen Artgenossen zu überwintern.

Der Morphofalter lebt in den Regenwäldern Südamerikas vor allem vom Saft fauler Früchte. Mit seinen metallisch glänzenden Flügeln schreckt er Feinde ab, zusammengeklappt sind sie eine gute Tarnung Der Morphofalter (Südamerika) lebt vom Saft fauler Früchte. Mit seinen glänzenden Flügeln schreckt er Feinde ab, zusammengeklappt sind sie eine gute Tarnung (Bild: Konrad Wothe/www.konrad-wothe.de)

Überleben: am besten durch Tricksen, Täuschen, Tarnen

Als zarte Wesen sind Schmetterlinge nicht sehr wehrhaft und ihren Hauptfeinden, den Vögeln, hilflos ausgeliefert. Eigentlich. Denn natürlich hat sich die Natur dagegen etwas Raffiniertes ausgedacht: Mit schrillen Farben und Mustern schrecken Falter ihre Jäger ab. Die Botschaft: Achtung, ich bin giftig (Raupen arbeiten übrigens auch mit diesem Trick). Oder sie machen sich mit Tarnfarben möglichst unsichtbar – zum Beispiel als welkes Blatt. Besonders genial ist die „Verkleidung“ als ein ganz anderes Tier. Zum Beispiel eins, vor dem der Vogel Angst hat. So wie der nachtaktive Eulenfalter:

Der Eulenfalter spielt Eule, um gefräßige Vögel abzuschrecken. Die Augen erscheinen, wenn er die Flügel zusammenklappt (Bild: Wikimedia/Hectonichus (CC BY-SA 3.0))

Ernährung? Vor allem flüssig

Schmetterlinge brauchen blühende Pflanzen, denn sie können nicht kauen, sondern nur saugen (mit wenigen Ausnahmen). Um an den Nektar der Blüten zu kommen, besitzen sie einen langen Rüssel, der sich unter ihrem Kopf zusammenrollt. Bei manchen Falterarten ist er sogar länger als der Körper. Und zwar dann, wenn sie sich auf eine Blüte mit langem Kelch spezialisiert hat. Insekten und Pflanzen bilden fast überall eine Zweckgemeinschaft: Blüten oder Früchte liefern die Nahrung und das Insekt trägt die Pollen der Pflanze zur nächsten und sorgt so für deren Vermehrung.

Mit den Augen einer Eule...

...kann der Eulenschmetterling zwar nicht sehen, aber einen gefräßigen Vogel abschrecken. Denn auf der Unterseite seiner Flügel sind große Kreise „aufgemalt“, die wie die Augen einer Eule aussehen. Der Falter braucht seine vier Flügel also nur zusammenzuklappen, und schon ergreift der Vogel vor der vermeintlichen Eule die Flucht. Breitet der Schmetterling die Flügel aus, erscheint ein unauffälliges Dunkelbraun, und er wird im Dickicht der Regenwälder Südamerikas fast unsichtbar.

Das Wunder der Verwandlung: die 4 Leben eines Schmetterlings

Das Ei

Nach dem Balztanz und der Paarung legt das Weibchen die befruchteten Eier ab – ja nach Schmetterlingsart sind es zwischen 30 und 1.000 Eier. Sie haften an den Unterseiten von Blättern und an Stängeln der Pflanze, von der sich die Raupe später ernähren kann. Schmetterlingseier sind so vielfältig wie die Insekten selbst: mal rund, oval oder länglich, mal weiß, grün, gelb oder braun. Manche Arten lassen die Eier auch auf den Boden fallen. Wichtig ist nur, dass sie nicht auffallen.

Die Raupe

entwickelt sich im Ei, nach 2–3 Wochen zerbeißt sie die Schale und beginnt sofort zu fressen. Zuerst die Eierschale, dann Blätter ihrer Futterpflanze. Fressen und wachsen ist der Lebensinhalt aller Raupen. Weil aber die Haut nicht mitwächst und irgendwann zu eng wird, häutet sich die Raupe. Insgesamt 5–6 mal.

Die Raupe des Morphofalters (Südamerika) wird bis zu 9 cm lang, mit wildem Muster schreckt sie Vögel ab Mit schrillem Muster schreckt die Raupe des Morphofalters Vögel ab (Bild: flickr/cyanocorax (CC BY-SA 2.0))

Die Puppe

Mit der letzten Häutung frisst sich die Raupe noch mal satt – denn dann beginnt die Verpuppung, das heißt, sie spinnt sich in einen Kokon ein. Die Verpuppung kann, je nach Art, sehr unterschiedlich sein: Einige Raupen graben sich dazu in den Boden ein, andere hängen sich kopfüber an einem Ast auf. Bei den meisten Faltern dauert die Lebensphase in der Puppe 2–4 Wochen. Manche Arten überwintern aber auch als Puppe, und der Schmetterling schlüpft erst im Frühling.

Der Schmetterling

In der Puppe verwandelt sich die Raupe zum Schmetterling: Ihm wachsen Flügel, Beine, Fühler und Saugrüssel. Und dann reißt der Kokon ein, und der Schmetterling krabbelt mit weichen, gefalteten Flügeln ans Licht. Er sucht sich einen sicheren Platz, wo er Luft und Blut in die Flügel pumpen kann, damit sie sich entfalten. Bis zu zwei Stunden kann es dauern, bis Flügel und Haut zum ersten Flug bereit sind.
Das Leben eines Schmetterlings ist jedoch kurz: 2–3 Wochen werden Falter im Durchschnitt alt. Allerdings gibt es auch Arten, die ein ganzes Jahr leben, wie der Zitronenfalter, der auch in unseren Gärten herumfliegt.
Die einzelnen Lebensphasen der tropischen Schmetterlinge sind jedoch eher kurz.

Die größte Gefahr

für den Schmetterling sind wir Menschen. Durch Landwirtschaft und Dünger, Abholzung und Städtebau haben wir viele Arten schon ausgerottet oder stark gefährdet. Deshalb müssen wir ihre Lebensräume unbedingt schützen – bei uns und auch in den Regenwäldern.

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