Was hat mein Handy mit dem Regenwald zu tun?

Für die Herstellung von Aluminium wird in Brasilien Regenwald abgeholzt Hier stand mal Regenwald: Für die Gewinnung vieler Rohstoffe im Smartphone werden Urwaldriesen abgeholzt

Komische Frage, oder? Wenn wir aber mal ins Innere unseres Smartphones schauen und überlegen, wo all seine Einzelteile herkommen, dann führt uns die Spurensuche in die Regenwaldländer des Kongo, nach Brasilien, Indonesien oder Peru. Nicht alle Rohstoffe im Handy stammen aus Regenwaldgebieten – aber oft wird für ihren Abbau Natur zerstört und Menschen leiden unter schlimmen Arbeitsbedingungen.
Keine Angst, wir wollen euch das Handy nicht vermiesen. Aber es ist gut zu wissen, wie seine Rohstoffe gewonnen werden, wie wertvoll sie sind und worauf wir achten sollten.

Ein Allerweltgerät der besonderen Art

Von außen sieht man Plastik, Glas und etwas Metall. Tatsächlich besteht das Smartphone aber aus mehr als 60 verschiedenen Stoffen aus aller Welt. Ein Viertel davon sind Metalle, ohne die kein Mobiltelefon funktioniert. Zu den wichtigsten gehören:

Kupfer – leitet den Strom
Aluminium – vor allem im Gehäuse
Zinn – zum Löten der Bauteile
Kobalt
– im Akku
Gold
– leitet gut, deshalb auf Kontakten der SIM-Karte oder am Akku
Tantal – dient zum Speichern von Energie

Metalle im Handy – kostbar und problematisch zugleich

Die Metalle im Smartphone sind wertvolle und teilweise seltene Rohstoffe, die mühsam gewonnen werden müssen. Oft in Ländern, in denen Menschenrechte und Naturschutz nicht viel gelten. Man spricht auch von „Konfliktstoffen“. Dazu gehören Bodenschätze, Rohstoffe und andere Güter, die illegal und außerhalb staatlicher Kontrolle abgebaut werden.

Welche Konflikte verursachen die Rohstoffe?

Regenwald-gefährdene Metalle im Handy: Durch Klick auf
die Grafik kannst du sie als PDF öffnen und herunter laden

Das kann – je nach Metall – unterschiedlich sein. Wir nennen euch die Herkunftsländer und Probleme beim Abbau der wichtigsten Metalle:

KUPFER macht 15 Prozent aller Rohstoffe im Handy aus – in einem einzigen Smartphone stecken rund 16 Gramm. Die größten Kupferminen liegen in Chile und Indonesien; auch in China und Peru wird Kupfer abgebaut. Dafür werden Menschen vertrieben – und ihr Land ist für Jahrzehnte unbewohnbar. Denn beim Abbau verwendet man Arsen und andere giftige Chemikalien, die Böden und Gewässer verseuchen.

ALUMINIUM wird aus Bauxit gewonnen, vor allem in Australien, China, Indien. Die Herstellung kostet extrem viel Energie. Lies mehr auf unserer Aluminium-Seite.

ZINN kommt zum großen Teil aus Indonesien – auf der Insel Bangka Island werden Regenwälder und Korallenriffe zerstört. Zinnabbau ist extrem gefährlich, da die Minen oft nicht ausreichend gesichert sind und abrutschen. Auch Kinder müssen dort ihr Leben riskieren. Weitere Länder: Peru und China.

KOBALT: Die größte Mine der Welt liegt in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika.
Hier setzen die Arbeiter in oft völlig ungesicherten Bergwerken ihr Leben aufs Spiel; auch Kinder, die manchmal erst sechs Jahre alt sind.

GOLDGEWINNUNG ist extrem aufwändig und zerstörerisch: Um 0,034 Gramm Gold zu erhalten, müssen 100 Kilo Gestein bewegt werden. Mit Quecksilber und Zyanid wird das Gold herausgelöst. Gold für Handys kommt z.B. aus Peru, dem Kongo oder Ghana. Dort werden die Regenwälder zerstört, Menschen vertrieben und ihr Trinkwasser durch die Chemikalien verseucht.

TANTAL gehört zu den größten Konfliktstofffen im Handy. Es wird aus dem Mineralgemisch Coltan gewonnen – in bis zu 100 Meter tiefen Minen, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo. Dort wird mit Coltan seit Jahren ein grausamer Bürgerkrieg finanziert: Rebellen besetzen die Minen und machen mit dem Verkauf Riesengewinne. Die Arbeiter, oft Kinder, werden schlecht bezahlt, obwohl die Schufterei lebensgefährlich ist. Für den Abbau von Coltan werden die Regenwälder, Lebensraum der bedrohten Berg- und Tieflandgorillas, zerstört. Weitere Länder: Brasilien und Australien.

Was tun die Politiker gegen Konfliktstoffe?

Sie diskutieren noch. Das Parlament der Europäischen Union will, dass die Hersteller verpflichtet werden, die Herkunft ihrer Rohstoffe offenzulegen. Das forderten auch die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag im Juni 2015. Die EU-Kommission will sich mit freiwilliger Offenlegung begnügen.

Mit schwerem Gepäck durchs Leben

Ein Smartphone wiegt etwa 80 Gramm – doch die
dafür benötigten Ressourcen wiegen 75,3 Kilogramm

Unglaublich aber wahr: Im Laufe seines Lebens verbraucht ein Smartphone alles in allem etwa 75,3 Kilo an Ressourcen – während es selbst nur etwa 80 Gramm wiegt. Das fanden die Experten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie heraus. Sie bezeichnen diesen Verbrauch als Ökologischen Rucksack.

Den größten Teil verschlingt der Abbau der Rohstoffe: 35,3 Kilo. Außerdem kosten Weiterverarbeitung, Transport, Nutzung und Entsorgung jede Menge Energie und Wasser.

Was kann jeder von uns tun?

Wir benutzen unser Smartphone durchschnittlich 1,5 Jahre – dann wird das neueste Modell gekauft. So liegen derzeit mehr als 100 Millionen ausgediente Handys in deutschen Schubladen. Unzählige landen auch im Hausmüll.

  • Wer sein Smartphone so lange verwendet, bis es wirklich kaputt ist, trägt am meisten zum Schutz von Natur und Menschenrechten bei. Ein Mobiltelefon bleibt viele Jahre lang nutzbar.
  • Verschenkt das alte, aber noch funktionierende Gerät an Leute, die sich nicht so oft ein neues kaufen können oder wollen.
  • Gebt das kaputte oder ausgediente Handy beim Händler wieder ab oder bringt es zum Recyclinghof.
  • Veranstaltet Sammelaktionen in der Schule und behandelt das Thema im Unterricht. Und erzählt uns davon!
  • Mit euren kaputten Handys könnt ihr auch die bedrohten Gorillas im Virunga Nationalpark in Afrika retten. Unter dem Motto „Ein Handy für den Gorilla“ sammelt der Zoo Frankfurt Geld für den Schutz der großen Menschenaffen. Sie leben in dem Gebiet, wo auch Coltan für die Smartphones abgebaut wird. Der Zoo bekommt von seinem Recycling-Partner für jedes Handy Geld. Infos unter http://www.zoo-frankfurt.de/helfen/handy-sammelaktion/

  • Schickt eure gesammelten Handys einfach zu uns – oder liefert sie bei uns ab, wenn ihr in Hamburg wohnt. Unsere Adresse:

    Abenteuer Regenwald
    Prahlstraße 9
    22765 Hamburg


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Weitere Infos zum Thema findet ihr gut zusammengefasst auf dem Faktenblatt des Informationszentrums Mobilfunk, das auch viele weitere Links enthält.

Datum: 16.02.2016