Erfahre alles über: Palmöl

Auf der indonesischen Insel Sumatra wachsen jetzt Palmölplantagen, wo vorher Regenwald stand. Foto: Hayden / wikipedia

Palmöl ist das weltweit am meisten verwendete Pflanzenöl und wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen. Heute steckt Palmöl in der Hälfte unserer Supermarktprodukte: in Lebensmitteln wie Margarine, Fertigprodukte, Pizza und Kekse. In Kosmetikartikeln, Waschmitteln und Kerzen. Hier erklären wir, warum Palmöl so weit verbreitet ist und warum es den Regenwald zerstört.

Warum reden alle über Palmöl?

Weltweit ist die Nachfrage nach Palmöl in den letzten Jahren enorm gestiegen. 2011 wurden 54 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Hersteller benutzen es gern, weil Ölpalmen ertragreicher sind als andere ölhaltige Pflanzen (Raps oder Soja), und weil es kein billigeres Pflanzenöl auf dem Weltmarkt gibt.

Warum bedroht Palmöl den Regenwald?

Ölpalmen brauchen zum Wachsen tropisches Klima, also gleichmäßig feucht-warme Bedingungen, und viel Platz. Sie wachsen also am besten dort, wo auch der Regenwald wächst, und so muss der Regenwald oft (illegal) weichen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat 2007 einen Bericht veröffentlicht, in dem steht, dass Ölpalm-Plantagen der Hauptgrund für Regenwaldzerstörung in Malaysia und Indonesien sind. Heute werden weltweit ca. 35 Fußballfelder Regenwald jede Minute zerstört!

Indonesien und Malaysia sind die größten Palmölhersteller der Welt, zusammen liefern sie rund 90 Prozent des gehandelten Öls (Stand 2011). Allein in Indonesien wachsen Ölpalm-Plantagen auf zehn Millionen Hektar (Stand: 2014, Quelle: SOB), das ist ein Viertel der Fläche von Deutschland. Bis 2025 sollen es 26 Millionen Hektar werden – eine unvorstellbar große Fläche.

Zu den schwerwiegenden Folgen der Regenwald-Abholzung gehören zum Beispiel der gewaltige CO2-Ausstoß und der Verlust der Artenvielfalt:

  • Die Rodung setzt extrem viel Kohlenstoff frei, der als Kohlendioxid (CO2) die Erdatmosphäre schädigt. Die am Boden liegende Vegetation wird mit Bulldozern zusammengeschoben und oft auch abgefackelt (Brandrodung). Außerdem steht in Indonesien sehr viel Wald auf Torfmooren (das Land besitzt mehr als 80% der südostasiatischen Torfböden), die besonders viel CO2 speichern. Wenn diese für die Anlegen der Plantagen entwässert werden, entweichen bei der Umwandlung eines einzigen Hektars Torfmoorregenwaldes bis zu 6.000 Tonnen CO2.
  • Indonesien ist nach Brasilien das Land mit der größten Artenvielfalt. Hier leben zahlreiche bereits vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger und Borneo-Nashörner. Orang-Utans brauchen zum Leben große zusammenhängende Waldflächen. Jedes Jahr, so schätzt man, sterben bis zu 2.000 dieser Menschenaffen, weil ihr Lebensraum zerstört ist. Inzwischen finden wir in Freiheit lebende Orang-Utans nur noch auf den Inseln Borneo und Sumatra – insgesamt zwischen 50 – 60.000 Tiere.
abgeholzte Regenwaldfläche Abgeholzter Wald für Palmölproduktion in Indonesien
Orang-Utans Orang-Utans stehen auf der Liste der bedrohten Arten

Sind Plantagen nicht auch eine Art Wald?

Auf öden Monokulturen wie Ölpalm-Plantagen können nur sehr wenige Arten leben. Unliebsame Pflanzen werden beseitigt und totgespritzt, Tiere wie Affen, Tiger, Elefanten finden dort weder Schutz noch Nahrung. Die sehr geringe Artenvielfalt ist nicht annähernd mit der eines Regenwaldes zu vergleichen. Auch gleichen Ölpalmen das freigesetzte Treibhausgas (CO2) nicht wieder aus.

Ist der Verzehr von Palmöl auch für Menschen bedenklich?

Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, dass Palmöl und Palmfett gesundheitsschädlich sein können. Denn bei der industriellen Verarbeitung entstehen verschiedene gefährliche Schadstoffe (sogenannte Fettsäureester) – vor allem wenn die Pflanzenöle bei hoher Temperatur raffiniert werden.

Das bestätigten auch die Lebensmittelexperten des Bundesamtes für Risikobewertung im ZDF-Magazin WISO im November 2015: „Einige dieser Stoffe sind giftig für Nieren, Leber und Hoden.“ Andere seien krebserregend.

Auch die EFSA (European Food Safety Authority) hat Anfang Mai 2016 vor den gesundheitlichen Risiken durch Palmöl gewarnt (Quelle).

Woran erkenne ich, ob ein Produkt Palmöl enthält?

Seit Dezember 2014 müssen Hersteller auf ihren Verpackungen angeben, ob das Produkt Palmöl enthält. Doch in Kosmetik, Waschmitteln, Kerzen und vielen weiteren produkten stehen lateinische Bezeichnungen für Palmöl auf der Packung.
Hinter diesen Namen verbirgt sich Palmöl:

Namen für Palmöl in Lebensmitteln
Palmöl Palmfett Palmkernöl Pflanzliches Fett / Pflanzliches Öl vegetabiles Fett

Namen für Palmöl in Kosmetik (Quelle: www.umweltblick.de/deklarationen)
Cetearyl / Cetyl Wird bei Naturkosmetik durch Hydrierung der Palmitinsäure gewonnen. Diese kann aus Palmöl stammen.
Lauryl / Lauroyl / Laurate Enthält Laurinsäure in verschiedenen Formen. Diese kann aus Palmöl stammen.
Palm / Palmate / Palmitate Palmöl ist sicher enthalten.
Stearyl / Stearate Enthält (veresterte) Stearinsäure. Diese kann aus Palmöl stammen.

Laut Greenpeace München findest du Palmöl zum Beispiel in folgenden Produkten:

  • Lebensmittel: Knorr Tütensuppe, Nestlé KitKat und Lion-Riegel, Langnese Eis, Bahlsen-Kekse, Prinzenrolle, Toffifee, Maggi-Produkte, Rama und Lätta von Unilever, Nutella, Milchnahrung von Milupa usw.
  • Kosmetika: Nestlé, Beiersdorf Nivea-Creme, Schwarzkopf, Dove-Seife von Unilever, Lotion von Penaten, Olaz-Tagescreme, Labello, Haarspülungen von L’Oreal, Shampoos von Wella
  • Waschmittel: Ariel, Persil, Frosch, Spee, Terra Aktiv von Henkel
  • Energetische Nutzung: Bio-Diesel, Benzin (E10) und Strom (Blockheizkraftwerke)

Eine (unvollständige) Liste mit palmölfreien Produkten kannst du hier finden:
www.umweltblick.de/produkte-ohne-palmoel

Wie ist es mit den Menschen, die vor Ort leben?

Durch Unilevers Palmöl-Lieferant zerstörtes Dorf in Indonesien Unilevers Palmöl-Lieferant ließ auf Sumatra Dörfer zerstören

Auch die in den Regenwaldgebieten lebenden Menschen sind durch die Ausbreitung der Ölpalm-Plantagen bedroht. Sehr oft werden Kleinbauern und Ureinwohner von ihrem Land vertrieben, ohne vorher informiert oder überhaupt gefragt zu werden. Wenn sie sich gegen den Landraub wehren, werden sie bedroht, geschlagen oder verhaftet. Allein in Indonesien, wo 45 Millionen Menschen in oder mit den Wäldern leben, gibt es ungefähr 5.000 Land- und Menschenrechtskonflikte, die mit der Palmölindustrie zusammenhängen.

„Ich möchte, dass alle Menschen in Europa verstehen: Für euer Palmöl zerstören internationale Konzerne unseren Wald, unsere Lebensquelle und unsere Zukunft“, sagt Nordin, der Gründer unserer indonesischen Partnerorganisation Save our Borneo.

Was kann ich tun?

Jetzt, wo du die ganze Problematik von Palmöl kennst, kannst du Folgendes tun:

  • Erzähle anderen davon, wie viele Probleme Palmöl mit sich bringt. Je mehr Leute darüber Bescheid wissen, desto mehr kann man erreichen.
  • Versuche Produkte, die viel Palmöl enthalten, zu vermeiden, zum Beispiel mit der „Weißen Liste“: www.umweltblick.de/produkte-ohne-palmoel
  • Schreibe den Herstellern von Produkten, auf die du wegen des Palmöl verzichtest, warum du ihr Produkt nicht mehr kaufst und verlange, dass sie in Zukunft das Wort Palmöl auf die Zutatenliste schreiben.

Die Ausbreitung von Ölpalm-Plantagen auf Kosten der Regenwälder darf nicht weiter gehen. Du kannst als Verbraucherin und Verbraucher dazu beitragen, indem du dich zu Wort meldest und an Protesten teilnimmst.

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