Für Papierprodukte sollte kein Regenwald abgeholzt werden

Unser Papier: Wir haben ein Problem – und wir können es lösen

Deutschlands Papierverbrauch ist Spitze! Aber das ist leider keine gute Nachricht. Denn für unseren täglichen Bedarf wird das Holz von Zehntausenden Bäumen gebraucht.

Ob zum Drucken oder Schreiben, für Schulhefte und Bücher, Zeitungen und Verpackungen, als Klo- und Küchenrolle: Etwa jeder fünfte Baum, der gefällt wird, endet als Papier – viele von ihnen wuchsen in tropischen Regenwaldländern.
Es gibt zwei Auswege, um das zu ändern: Recycling-Papier benutzen und weniger Papier verbrauchen! Das kann Jede*r von uns!

Wichtigste Fakten
  • Wofür brauchen wir Papier ?
  • Wieviel Papier verbrauchen wir?
  • Woraus wird Papier hergestellt?
  • Woher kommt der Rohstoff für unser Papier?
  • Warum ist Recyclingpapier viel besser?

Gut zu wissen: Unser Papier in Zahlen & Bildern

Keine Bäume für den.... Popo!

11 mal um die Erde –

das sind (am Äquator) 440.825 Kilometer. So hoch wäre der Stapel Papier, wenn wir uns unseren gesamten Jahresverbrauch als DIN A 4-Blätter vorstellen würden.

Giraffe in Kenia, frisst an einer Akazie(Bild: Steve Garvie, flickr/CC BY-SA 2.0)

So hoch wie eine Giraffe

ist ungefähr der Stapel DIN A 4-Papier, den umgerechnet jede*r von uns jährlich verbraucht: 5,31 Meter – das sind 241,7 Kilo pro Kopf (Quelle: Bundesregierung).
Damit führen wir die G20-Staaten an, also die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt. Schlusslicht ist Indien mit gerade mal 13 Kilo pro Person.

Wie viele Bäume verbrauchen wir denn genau?

Diese Frage wird immer wieder gestellt – und es gibt verschiedene Zahlen dazu. Rein rechnerisch würde wir alle gemeinsam in Deutschland das Holz von etwa 59.500 Bäumen verbrauchen – pro Tag! Diese Zahl ergibt sich aus dem mittleren Ertrag von Fichten- und Eukalyptusholz, der sehr unterschiedlich ist. Beide Baumarten spielen in der Papierherstellung die Hauptrollen.

Jeder 5. gefällte Baum wird zu Papier

– und wie entsteht das Papier?

Papier besteht aus Holzfasern. Sie werden entweder aus frischem Holz gewonnen oder aus Altpapier (siehe Recyclingpapier weiter unten auf dieser Seite).
Um Papier herzustellen, wird aus dem Holz zunächst Zellstoff gemacht: Man entfernt die Rinde und hackt das Holz in kleine Schnitzel. Die kocht man dann in schwefliger Lauge oder Säure, um die Fasern aus dem Holz zu lösen. Heraus kommt am Ende sogenanntes „holzfreies Papier“ , das nicht vergilbt. Das Wort ist irreführend, denn auch holzfreies Papier wird aus Bäumen hergestellt.

Die Herstellung hinterlässt große Fußspuren

Papier wird (meistens) nur kurz benutzt – doch die Umweltbelastung ist riesig: Denn die Herstellung kostet enorme Mengen an Holz, Energie und Wasser.
So ist die Papierindustrie in Deutschland nach der Chemie- und der Metallindustrie der drittgrößte Energieverbraucher. Eine Tonne Frischfaserpapier herzustellen, verschlingt genauso viel Energie wie eine Tonne Stahl.

Woher kommt das Holz für unser Papier?

Ein kleiner Teil kommt aus Deutschland
Weniger als ein Fünftel des für unseren Papierverbrauch benötigten Holzes kommt aus deutschen Wäldern. Für den Zellstoff werden vor allem ganze Baumstämme und auch Abfälle aus Sägewerken verarbeitet.

 

Ein großer Teil kommt aus Skandinavien
Mehr als 80 Prozent des Holzbedarfs für unser Papier kommen aus Wäldern und Baumplantagen anderer Länder – sowohl als fertiges Papier als auch als Zellstoff, der hier weiterverarbeitet wird. Vor allem Schweden und Finnland liefern neben Zellstoff auch fertige Papierprodukte.
Das Problem: Die Wälder dort sind überwiegend riesige sogenannte Wirtschaftsforste aus Kiefern und Fichten, die für die Holzernte kahlgeschlagen werden. Also kein geeigneter und ungestörter Lebensraum für Wildtiere wie Braunbär, Luchs, Elch und viele andere.
Hinzu kommt, dass Russland sein Holz in großem Stil nach Skandinavien exportiert, vor allem an den Nachbarn Finnland. Vielfach aus illegal gerodeten Wäldern.

Der Löwenanteil des Zellstoffs kommt aus Südamerika
Brasilien ist mit Abstand der wichtigste Zellstoff-Lieferant für den deutschen Markt – mit 900.000 Tonnen im Jahr 2019. Auch Uruguay liefert jährlich gut 200.000 Tonnen Zellstoff nach Deutschland.
Der südamerikanische Zellstoff kommt überwiegend aus riesigen Eukalyptus-Plantagen – und legt bis in unsere Papierfabriken einen irrsinnig langen Weg zurück: bis zu 11.000 Kilometer!

Eukalyptus-Plantage mit Erntemaschine, BrasilienBaumplantagen sind keine Wälder! In Brasilien fräst sich eine Erntemaschine durch die Baumreihen (Bild: Veracel)

Brasilien: „Eukalyptus können wir nicht essen“

„Sie kamen schon vor vielen, vielen Jahren nach Espirito Santo – und dann haben sie unser Land allmählich in eine grüne Wüste verwandelt, wo nur noch Eukalyptus wächst. Es gibt hier kein Leben, keine Hoffnung – nichts“, erzählt Joel in einem Video-Interview. Joel gehört zu den indigenen Tupinikim, die im südöstlichen Brasilien leben. Dort, wo sich einst der Atlantische Küstenregenwald ausbreitete – nach Norden und Süden und bis weit ins Landesinnere hinein. Übrig geblieben sind nur noch kleine Waldgebiete. Die Mata Atlântica, wie dieser Küstenwald am Atlantik heißt, wurde in den letzten Jahrzehnten größtenteils zerstückelt und zerstört.

Wofür brauchen wir Papier?

Ein Leben ohne Papier? Kann man sich gar nicht vorstellen. Jeden Tag benutzen und verbrauchen wir Papier – für Bücher und Zeitschriften, zum Kopieren und als Notizblock. Und natürlich für Klopapier und Taschentücher. Und das allermeiste inzwischen für Verpackung.
Unser Papierverbrauch ist seit Jahren in etwa gleich hoch – trotz der Computer. E-Mails haben zwar Briefe abgelöst und digitale Medien einen großen Teil der Zeitungen – doch dafür haben Verpackungen für die massenhaften Online-Bestellungen und To-Go-Pappgeschirr dermaßen aufgeholt, dass einem schwindlig werden kann!

Wir brauchen Papier hauptsächlich für:

 

Infografik über die Verteilung des Papierverbrauchs in DeutschlandSo viel Papier verbraucht jede*r von uns durchschnitlich im Jahr – verteilt nach PapierartenTiere auf einer Klopapier-Rolle(Bild: Grafik: Heitmann, Schumacher, Steffer)

Die Lösung: Recycling-Papier bewahrt die (Regen)wälder...

Die gute Nachricht: In Deutschland wird Papier zu 78 Prozent aus Altpapier hergestellt. Das ist mehr als in vielen anderen Ländern.
Aber: Ein großer Teil des in Deutschland hergestellten Papiers wird exportiert. Gleichzeitig landen bei uns aber auch fertiges Papier, Bücher und Zeitschriften aus Ländern, die wesentlich weniger Altpapier verwenden – Finnland und Schweden zum Beispiel. Und auch China, das große Mengen Zellstoff aus Indonesien importiert.
Das bedeutet: Der Anteil von Altpapier in den Produkten beträgt hierzulande nur etwa 59 Prozent, ist also deutlich geringer. Aber das können wir ändern: Wir kaufen nur noch Recyclingpapier aus 100 Prozent Altpapier!

... und es kann noch viel mehr:

Verglichen mit Papier aus frischen Holzfasern verbraucht die Herstellung von Recyclingpapier

  • bis zu 60 Prozent weniger Energie
  • bis zu 70 Prozent weniger Wasser
  • verursacht deutlich weniger Kohlendioxid, also weniger schädliche Treibhausgase
  • hinterlässt weniger Abfall und chemische Stoffe im Abwasser
  • Altpapier lässt sich viele Male recyceln!

 

 

Recyclingpapier ist echter Umwelt-Champion

– und cool, es zu benutzen!
Damit tragen wir dazu bei, dass die artenreiche Natur in den Regenwaldländern nicht für Baumplantagen weichen muss und die Lebensgrundlagen ihrer Bewohner bewahrt bleiben.
Wir alle können also verhindern,

  • dass sich in Brasilien die Eukalyptus-Plantagen für die Zellstoffgewinnung weiter ausbreiten. Darunter leiden vor allem Kleinbauern und indigene Gemeinschaften. Mehr dazu erfahrt ihr weiter oben unter dem Punkt Brasilien.
  • dass sich in Indonesien die Akazienplantagen für die Papierherstellung immer weiter in die Regenwälder reinfressen – auch illegal wird abgeholzt. Das Land exportiert seinen Zellstoff vor allem nach China – von dort gelangt er als fertige Produkte zu uns, zum Beispiel als Bücher und Schreibwaren.

Und das erreichen wir mit Recyclingpapier:

Und das kannst du tun

  • Benutze nur Produkte aus Recyclingpapier – am besten mit dem Umweltsiegel Blauer Engel. Der Engel zeigt, dass das Produkt besonders umweltschonend hergestellt wurde – aus 100 Prozent Altpapier. Aber auch bei Recyclingpapier gilt natürlich: Bitte sparsam verwenden.
  • Bestellt in eurer Familie möglichst wenig Produkte im Internet. Dadurch spart ihr jede Menge Verpackung und Kartons.
  • Bringt das Altpapier zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Container
  • Wenn du Papier kaufst, dann lass dich nicht davon täuschen, dass auf der Verpackung „holzfrei” steht. Das zeigt nur an, mit welchem Verfahren das Papier hergestellt wurde. Es stammt aber aus 100% Holz. Warum es trotzdem so heißt, erfährst du hier.
  • Papier, das du nur auf der einen Seite beschrieben hast, musst du nicht wegwerfen, du kannst die andere Seite noch als Schmierzettel benutzen. So sparst du viel Papier! Wenn du etwas ausdrucken willst, bedrucke immer beide Seiten.
  • Benutze für die Schule lieber eine Butterbrotdose statt Papier. Das ist auf Dauer auch billiger, und dein Brot kann nicht zerdrückt werden.
  • Kaufe auf keinen Fall Papier, das mit Chlor gebleicht wurde. Dieses Papier trägt nämlich nicht nur zur Zerstörung der Regenwälder und anderer Natur bei, sondern es werden auch noch giftige Chemikalien benutzt, um es weißer zu machen. Das schadet der Umwelt noch mehr. Recyclingpapiere werden nie mit Chlor gebleicht.
  • Bitte deine Eltern, unerwünschte Prospekte abzubestellen: Per Anruf aus Verteilerlisten streichen lassen oder Prospekte zurückschicken mit dem Vermerk „Unfrei zurück an den Absender. Unverlangte Sendung“.
    Ihr könnt euch auch in die sogenannte Robinson-Liste eintragen lassen, um lästige Werbebriefe zu verhindern. Die Verbraucherzentralen haben noch weitere gute Tipps dazu.
  • Gib dein Wissen über Papier an alle weiter, die du kennst.

Quellen:
*Unterrichtsmaterialien Papier – Von Natur bis Kultur
Papier & Ökologie e.V. (Beratung Evelyn Schönheit)
und Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umeltbildung NRW e.V.
Grafiken aus dieser Broschüre: Bauer&Horlitz Kommunikationsdesign PartG, www.studio-nice.de
*Antwort der Bundesregierung auf kleine Anfrage der Grünen
*Bundesumweltministeriumund Bundesumweltamt
*Statista
*www.blauer-engel.de

Letzte Aktualisierung: 23. September 2020
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