Tropenholz-freie Grillkohle – Grillen ohne Regenwald

In Grillkohle steckt überraschend oft Tropenholz – wir zeigen euch Alternativen

Grillkohle stammt überraschend oft aus den Tropen und vernichtet Regenwald. Das belegt ein aktueller Test (5/2019). Wir zeigen euch, worauf ihr beim Kauf achten müsst und was es für ungeahnte Alternativen gibt.

Wichtigste Fakten
  • Stiftung Warentest fand im Mai 2019 in jeder Dritten Holzkohle Tropenholz
  • Für die Holzkohle in unseren Grills werden also Regenwälder gerodet
  • Wir zeigen euch Alternativen zur Grillkohle und alternative Grills

Ob im Garten, im Park oder auf dem Balkon: Für viele ist Sommerzeit = Grillzeit. Doch nicht jede Grillkohle ist empfehlenswert, oft wird die Kohle auf Kosten von tropischen und subtropischen Wäldern produziert. Und selbst in europäischen Wäldern herrscht Raubbau für den Grill. Ihr könnt helfen, das zu ändern – wir zeigen ganz einfach, wie.

Was ist das Problem bei herkömmlicher Holzkohle?

  • In Deutschland wird sehr viel gegrillt – 2018 wurden rund 233.000 Tonnen Holzkohle verkauft (Quelle: Eurostat). Dabei schütten wir ungeahnt jede Menge Grillkohle aus (sub)tropischen Ländern in unsere Grills: Fast ein Drittel der Holzkohle enthält Tropenholz. Das fanden die Experten der Stiftung Warentest jetzt heraus: 17 Säcke verschiedener Hersteller ließen sie untersuchen, um die die Herkunft des Holzes zu ermitteln. Außerdem wollten sie wissen, ob die Herkunft und die Holzart auf der Verpackung angegeben sind. In fünf Produkten fanden die Tester Kohle aus tropischen und subtropischen Ländern. Damit landen jedes Jahr allein in Deutschland etwa 2.000 Fußballfelder Tropenwald auf dem Grill!

Woher kommt das Holz in der Grillkohle?

  • Leider verschweigen Hersteller gern die Herkunft ihrer Grillkohle: Auf 9 von 17 Säcken waren laut Stiftung Warentest weder Herkunft noch Holzart angegeben. Auch sonst sind die Angaben auf den Verpackungen oft ungenau und verwirrend. Dort findet man zum Beispiel „Aus bewirtschafteten Forstbeständen“, „Naturprodukt“ oder „Auf Buchenholz-Basis“. Manchmal wird angegeben „Kein Tropenholz“. Doch darauf kann man sich nicht verlassen, das haben Tests schon mehrfach bewiesen. Ein Hersteller mit dem Aufdruck „kein Tropenholz" hatte tatsächlich Tropenholz verarbeitet!
  • Doch auch Holzkohle aus europäischen Wäldern kann aus Raubbau und illegaler Rodung stammen. So kommt zum Beispiel besonders viel Grillkohle aus der Ukraine. Doch dort werden sogar uralte Buchen in Nationalparks gefällt und zu Kohle verarbeitet. Und die Behörden des Landes wissen genau Bescheid. Das brachte zum Beispiel die ARD-Reportage „Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle“ ans Licht, die im Juli 2018 zu sehen war.

Wird für Grillfleisch auch Regenwald gerodet?

Welche Grillkohle ist besser?

  • Wenn es Holzkohle sein soll, dann nur aus heimischen Hölzern mit Naturland-Siegel. Das ist bisher nur die Grillkohle von NERO (siehe weiter unten). Denn auch zertifizierte Holzkohle mit dem Industrielabel FSC oder PEFC bietet keine Sicherheit, dort wurde trotz anderer Angabe in der Vergangenheit (sub)tropisches Holz mit einem hohen Risiko für illegalen Holzeinschlag und/oder Raubbau nachgewiesen.
  • Es muss nicht unbedingt Holzkohle auf den Grill: Wir stellen euch hier ganz erstaunliche Alternativen vor. Damit wollen wir einerseits das Vorurteil „Nur mit Holzkohle kann man richtig grillen“ ausräumen. Andererseits auch neugierig machen auf andere, bessere Brennstoffe. Denn wer kann sich schon vorstellen, dass sich auch Olivenschalen, Weinreben, Mais oder Kokosnussschalen bestens und besser eignen als die Kohle aus Holz:
  • Grillkohle aus Olivenkernen, Maiskolben, Weinreben und Kokosnussschalen sind Abfallprodukte aus der Landwirtschaft, also ökologisch gut. Kokosnussschalen haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie müssen aus tropischen Ländern auf langen Transportwegen importiert werden. Die anderen Rohstoffe kommen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.
  • Klimafreundlicher als Holzkohle ist Grillen mit Gas- oder einem Elektrogrill. Oft spielt hier eine Rolle, wie viel Platz man für einen Grill hat. Wer nur einen kleinen Balkon hat, muss oft Rücksicht auf die Nachbarn nehmen, und benutzt sowieso eher einen Gas- oder Elektrogrill. Bei einem großen Garten ist ein Holzkohlegrill meist kein Problem. Auch wenn Holzkohle-Grills weniger kosten, haben Gasgrills einen weiteren Vorteil: Sie werden schneller heiß und können natürlich auch länger heiß bleiben.

Was kann ich noch tun?

 

Grillkohle-Alternativen

OlioBric Grill-Briketts

  • Grillbriketts aus Olivenkernen
  • Besonderheit: Diese ökologischen Grill-Briketts werden aus Abfällen der Olivenölproduktion hergestellt. So bestehen sie aus Olivenkernen und -schalen aus Europa. Auch die Verpackung ist aus Recycling-Pappe.
  • Grilleigenschaften: Brauchen etwa 25 Minuten, bis sie heiß sind und sind somit schneller als die meiste reguläre Grillkohle.
  • Bekommt man wo: In vielen Biomärkten, z. B. denns, dennree und viele weitere
  • Gesamtergebnis: Unser absoluter Testsieger im klassischen Grillkohle-Bereich! Da sieht konventionelle Grillkohle richtig alt aus und wird wirklich überflüssig.

Rebenglut

  • Weinreben und -stöcke zum Grillen
  • Besonderheit: "Knorze" sind getrocknete Weinstöcke von Bio-Winzern, die ähnlich wie Holzkohle verwendet werden können.
  • Grilleigenschaften: Qualmen etwas beim Anzünden, geben ein Raucharoma
  • Bekommt man wo: Im Greenpeace-Shop und online
  • Gesamtergebnis: Guter ökologischer Holzkohleersatz.

KOKOKO Grillbriketts

  • Grillbriketts aus Kokosschalen
  • Besonderheit: Diese Grillkohle besteht zu 100% aus Abfällen der Kokosmilchproduktion.
  • Grilleigenschaften: Bleibt länger heiß als "normale" Grillkohle und entwickelt kaum Rauch, man kann damit also auch z.b. auf dem Balkon grillen. Außerdem bleibt nur sehr wenig Asche nach dem Grillen zurück.
  • Bekommt man wo: In Grillfachgeschäften und online
  • Nachteil: Da Kokospalmen nur in den Tropen wachsen, werden die Schalen um die halbe Welt transportiert. Ökologisch ist das nicht.

Kolbenglut

  • Grillkohle aus Abfällen der Maisproduktion (abgeerntete Maiskolben, der Strunk)
  • es wird also kein Holz verwendet
  • kurze Transportwege
  • wird schneller heiß als Holzkohle und schlägt wenig Funken, qualmt allerdings mehr beim Anzünden
Grillkohle ohne Tropenholz

NERO Grillkohle

  • Einzige garantiert Tropenholz-freie, CO2-neutral hergestellte Bio-Grillkohle
  • Besonderheit: aus unbehandelten Resthölzern, nach Naturland-Richtlinien aus nachhatlgier Waldnutzung ohne Raubbau und ohne Pestizide, kurze Transportwege (aus Deutschland und Frankreich)
  • Grilleigenschaften: werden schnell und durchgehend heiß
  • Bekommt man wo: in vielen Bio- und Baumärkten, z.B. OBI, Bauhaus, denn's, Alnatura, Bio-Company u.v.m.

Unser Tipp: Achte beim Einkaufen am besten darauf, ausschließlich die hier empfohlene Grillkohle zu kaufen. Denn bei anderer Kohle kann es sein, dass Tropenholz enthalten ist, auch wenn auf der Verpackung steht, dass kein Tropenholz darin sein soll. Das hat Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test (5/2019) belegt.

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