Weltwunder Amazonien

Luftaufnahme des sich schlängelnden Amazonas durch den Regenwald Der Amazonas wirkt manchmal wie ein See, in der Regenzeit wird er breiter als 10 Kilometer. In der Mitte ist er 50 Meter tief

Der Lebensraum des Amazonas ist ein einziger Superlativ: Im größten Flussgebiet der Erde breitet sich die Hälfte aller tropischen Regenwälder aus. Mit einer Fülle von Tier- und Pflanzenarten, wie es sie nirgendwo sonst auf unserem Planeten gibt. Deshalb wurde der Amazonas zum „Weltwunder der Natur“ gewählt. Bitte staunen!

Steckbrief

Länge:
rund 6.500 km, zweitlängster Strom nach dem Nil.
Zu- und Nebenflüsse:
etwa 10.000, sie machen das Amazonas-Becken zum weltweit größten Flussgebiet und transportieren ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde.
Größe Amazonasbecken:
gut 7 Millionen Quadratkilometer, 20 mal so groß wie Deutschland!
Quelle:
in den 5.000 m hohen, schneebedeckten Gipfeln der peruanischen Anden. Das 325 km breite Mündungsdelta erstreckt sich am Atlantik in Brasilien.
Länder:
9 Staaten teilen sich das Amazonas-Becken, 70 % liegen in Brasilien, 10 % in Peru. Die anderen 7 sind Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Suriname, Guyana, Franz. Guyana.
Menschen:
seit mindestens 11.000 Jahren. Heute leben in der Amazonas-Region ca. 10 Millionen Einwohner. Unter ihnen noch etwa 400 Ureinwohner-Stämme, die in und von den Regenwäldern leben.
Tiere und Pflanzen:
schätzungsweise ein Viertel aller Arten der Erde, niemand kennt die genaue Zahl. 10 % von ihnen leben nur dort und sonst nirgendwo auf der Welt.

Einer überragt alle

Der Kapokbaum gehört mit 70 Metern zu den höchsten Amazonaswaldbäumen, schaut also auf alle anderen 40.000 Pflanzenarten herab. Seine 3 Meter breiten Brettwurzeln geben ihm Halt. Die ausladende Krone wird nicht nur von den schillernden Aras, Baumsteigerfröschen, Bromelien oder Orchideen bewohnt. Auch die eine oder andere Würgefeige beginnt hier ihr mörderisches Leben; sie erwächst aus dem Kot eines Vogels...

Ganz oben thront die Harpyie, einer der größten Raubvögel der Welt, und lauert auf Beute: Affen, Faultiere, Papageien, Nasenbären haben kaum eine Chance, den gewaltigen Klauen zu entkommen.

Regenwald mit überragendem Kapokbaum Der Kapokbaum

Einer stinkt zum Himmel

Er sieht aus wie ein gerupftes buntes Huhn, heißt deshalb auch Schopf- oder Zigeunerhuhn, wird von den Amazonas-Bewohnern aber Stinkvogel genannt. Warum? Der Hoatzin, so sein „normaler“ Name, frisst ausschließlich Grünzeug und verdaut die Blätter mit Hilfe von Bakterien im Vorderdarm. Das dauert 24 bis 48 Stunden, länger als bei jedem anderen Vogel, und scheint ziemlich streng zu riechen. Wegen seiner Verdauung ist der Stinkvogel eher mit den Wiederkäuern vergleichbar, also Kuh, Schaf und Ziege. Damit gehört er wohl zu den seltsamsten aller 1.500 Vogelarten am Amazonas. Nein, es gibt noch einen, den Kolibri. Er kann rückwärts fliegen.

Ein Hoatzin-Vogel schaut aus einem Baum Ein Hoatzin in einem Baum in Peru

Einer läuft übers Wasser

Er hat riesige Füße mit Schuppenrändern zwischen den Zehen. So kann der Basilisk mit gespreizten Zehen und Luftkissen unter den Fußsohlen über das Wasser laufen, 8 km/h schnell und sechs Meter weit. Und das mit einem Gewicht von bis zu 500 Gramm. So viel wiegt der Größte in der Familie, der Helmbasilisk. Er wird 90 cm lang, der Schwanz misst auch noch mal 67 cm. Mit ihm hält er das Gleichgewicht beim Wasserlauf. Das macht er übrigens nur, um Feinden zu entkommen. Ansonsten hockt der Basilisk auf Ästen und hält nach Schnecken, Insekten und kleinen Fischen Ausschau. Weil er übers Wasser laufen kann, nennt man den Basilisken auch Jesus-Christus-Echse. Er ist ein Leguan und gehört zu den etwa 500 bekannten Reptilienarten am Amazonas. Die Mitglieder dieser Tiergruppe, zu der auch Schlangen, Krokodile und Schildkröten gehören, bewohnen sämtliche Etagen des Regenwaldes – vom Flussbett bis zu den Baumkronen.

Keine beißt tödlicher zu

Der Brasilianischen Wanderspinne möchte man nun wirklich nicht begegnen: Mit ihrem Gift kann sie sogar einen Menschen töten. Damit gehört dieser 5 cm große Achtbeiner zu den gefährlichsten Spinnen der Welt. Sie webt kein Netz, sondern geht nachts schnell und aggressiv auf die Jagd und überfällt Frösche und Mäuse.

Insekten, Spinnen und andere Wirbellose (z.B. Würmer, Muscheln, Quallen) gehören zu den häufigsten Tierarten Amazoniens. Forscher haben ausgerechnet, dass alle Ameisen, Wespen und Termiten zusammen mehr wiegen als die großen Tiere (Säugetiere, Vögel, Reptilien). Auf einem Quadratkilometer fanden sie 20.000 Insektenarten. Allein 90 Käferarten an einem einzigen Baum.

 

Keiner ist kleiner

Das Zwergseidenäffchen ist sehr genügsam: Es ernährt sich von Baumsäften, die es mit langen Zähnen anzapft. Dazu frisst es hin und wieder einen Käfer, eine Ameise oder Spinne – mehr braucht es nicht zum Sattwerden. Kein Wunder, das Zwergseidenäffchen ist mit nur 12 cm Länge der kleinste Affe der Erde und gehört zu den 430 Säugetierarten am Amazonas. Fast 20 mal größer ist das längste Landtier der Gegend: der Flachlandtapir. Er grast nachts an Flussufern und nimmt auch gern ein Bad. Wird er nicht gerade die Beute eines heranschleichenden Jaguars, des größten Jägers vom Amazonas, könnte der Tapir einen der seltenen Flussdelfine bemerken. Oder einen sehr plumpen Zeitgenossen, der mit den Elefanten verwandt ist, aber unter Wasser lebt: den Amazonas-Manati. Er ist eine Seekuh und ein Säugetier, wie die Delfine.

Einer kann springen

Der Arowana ist ein Fisch und frisst Fische. Meistens. Hat er nämlich Appetit auf einen Vogel, Käfer oder andere Flieger, springt der 1,20 Meter lange Fisch zwei Meter aus dem Wasser. Im Amazonas-Becken leben 5.600 Fischarten, 15 % aller Fischarten weltweit. Der größte Süßwasserfisch lebt auch dort: Der Arapaima ist länger als 2 Meter, wiegt 130 Kilo und ist selten, weil bei Fischern beliebt. Ein anderer Fisch spielt Förster: Der 30 Kilo schwere Schwarze Pacu frisst Fruchtsamen und scheidet sie viele Kilometer weiter aus. Mit Glück wächst dort dann eine neue Pflanze.

Alle müssen helfen

Regenwald-Abholzung am Amazonas Regenwaldzerstörung am Amazonas

Der Amazonas-Regenwald verschwindet – in Brasilien fast 10.000 Quadratkilometer im Jahr (10x so groß wie Rügen), in Peru 1.700 km2. Die Urwaldriesen werden abgeholzt, um Platz zu schaffen für große Plantagen aus Ölpalmen und Soja, für Rinderweiden und Mega-Staudämme, für Bergwerke, in denen Gold, Kupfer und andere Metalle gefördert werden. Auch in Möbeln, Fußböden und Papier endet das wertvolle Tropenholz. Mehr Infos dazu auf dieser Website unter „Bedrohungen“.

Mit den Regenwäldern verlieren nicht nur die Menschen ihren Lebensraum, viele Tiere und Pflanzen sind inzwischen vom Aussterben bedroht.

Deshalb müssen die Regierungen der betroffenen Länder ihre Gesetze zum Schutz der Wälder und Arten massiv verbessern. Aber auch jeder von uns kann etwas tun. Was, erfahrt ihr unter dem Link „Regenwald retten“.

Lesetipp: memo Wissen entdecken: Amazonas. 9,95 Euro. Absolut spannend und bunt. Wir haben es auch als Quelle für diese Seite genommen.

Datum: 09.09.2016