Brasilien – viel mehr als der Amazonas-Urwald

Illustrierte Karte von Brasilien, dem Regenwald und seinen Tieren Brasilien verdankt seinen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten seiner vielfältigen Natur. Illustration: fotolia

Bei Brasiliens Natur denken wir zuerst an den Urwald am Amazonas, das größte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet der Erde. Doch es gibt noch drei andere Regionen mit einem unglaublichen Artenreichtum: das Feuchtgebiet Pantanal, die Cerrado-Savanne, und der Atlantische Regenwald Mata Atlantica. Durch diese Vielfalt leben in Brasilien so viele Tierarten wie in kaum einem anderen Land.

Amazonas: Das Weltwunder der Natur

Im größten Flussgebiet der Erde breitet sich die Hälfte aller tropischen Regenwälder aus. Mit einer Fülle von Tier- und Pflanzenarten, wie es sie nirgendwo sonst auf unserem Planeten gibt. Allein in Amazonien wurden bisher 430 Säugetierarten gezählt, darunter Ozelot, Riesenotter und Flussdelfin. 5.600 Fischarten schwimmen in den Gewässern des Regenwaldes – zum Beispiel der gefürchtete Piranha. Zu den 1.500 Vogelarten gehören so bekannte wie Tukane, Aras und Kolibris. Weil man viele Gebiete erst nach und nach erforscht, werden auch immer wieder neue Arten entdeckt.
Dem Amazonasgebiet haben wir auch eine eigene Seite gewidmet.

 

Pantanal: Im Reich der Kaimane

Im Süden des Amazonasbeckens liegt das Pantanal – das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde. Es liegt in einem Becken des brasilianischen Hochlands, in dem sich das Regenwasser der umliegenden Berge sammelt.
Das Pantanal ist das Reich der Kaimane, 35 Millionen sollen es sein. Sie durchstreifen Seen und Flüsse und teilen sich den Lebensraum mit Panthern, Ameisenbären, Gürteltieren und Anakondas. Sie alle kommen damit zurecht, dass ihr Lebensraum von Januar bis Juni bis zu einem Meter hoch überschwemmt wird. Dann ragen nur noch bewaldete Inseln und Galeriewälder aus der Wasserfläche, die fast sechsmal so groß ist wie die Schweiz. Forscher schätzen, dass es im Pantanal 269 Fischarten und 665 Vogelarten gibt. Eine von ihnen ist der Hyazinth-Ara. Das Pantanal ist für diese blaue Papageienart der wichtigste Lebensraum in ganz Brasilien.
Noch ist das Pantanal relativ wenig erschlossen. Doch vor allem von den Rändern her dringen Rinderfarmen immer weiter vor. Denn wenn das Wasser nach den Regenfällen allmählich abfließt, bleibt nährstoffreicher Boden zurück und das Gras wächst besonders üppig. Auch Zuckerrohr- und Soja-Plantagen bedrohen die Vielfalt an Tieren und Pflanzen.

Cerrado: Artenreichste Savanne der Erde

Das portugiesische Wort cerrado bedeutet dicht, geschlossen, und damit ist die ganz besondere Vegetation des Cerrado gemeint: Bäume, Sträucher, Bodenpflanzen, Gräser – 10.000 verschiedene Pflanzenarten werden in dieser Savanne vermutet. Hier leben die straußenähnlichen Nandus, Tapire, Gürteltiere und Mähnenwölfe. 200 Säugetierarten und 840 Vogelarten wurden gezählt. Ursprünglich nahm der Cerrado fast ein Viertel von ganz Brasilien ein und war damit etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Doch schon vor 20 Jahren zeigten Satelliten-Aufnahmen, dass nur noch ein Drittel der ursprünglichen Cerrado-Landschaft erhalten war. Eukalyptus, Soja- und Zuckerrohrplantagen und auch Rinderweiden ersetzen großflächig die Cerrado-Vegetation. Doch trotz zunehmender Zerstörung gilt der Cerrado bis heute als artenreichste Savanne der Erde.

Der Küstenregenwald ist fast verschwunden

Mata Atlantica heißen die Atlantischen Regenwälder, die sich an der Ostküste Brasiliens bis ins Landesinnere erstrecken.
Einst dehnten sie sich von der Grenze zu Uruguay im Süden gut 2500 Kilometer nach Norden, reichten von den heißen Tropen bis zu den milderen Subtropen und überzogen Gebirge, deren Gipfel bis zu 2700 Meter aufragen.
Die Lebensräume, Niederschläge und Temperaturen sind so unterschiedlich, dass Forscher in den Regenwäldern der Mata Atlantica mehr Tier- und Pflanzenarten vermuten als in Amazonien – auch wenn inzwischen 94 Prozent der Küstenregenwälder inzwischen zerstört sind und nur noch unzusammenhängende Reste existieren. Zu den heimischen Tierarten gehören Kragenfaultiere und Löwenäffchen, die man sogar am Zuckerhut findet, dem berühmten Berg mitten in der Millionenstadt Rio de Janeiro.

Brasiliens Vielfalt in großer Gefahr

Werden in den Flussläufen des Amazonas auch in zehn Jahren noch Flussdelfine und Manatis (Seekühe) schwimmen? Turnen dann noch Spinnenaffen oder Hyazinth-Aras in den Zweigen der Bäume? Und wird es die Awá-Indianer, das bedrohteste Volk der Welt, dann überhaupt noch geben? Menschen, Tiere und Pflanzen, die von und mit dem Amazonas-Regenwald leben, sind schon heute in Gefahr.
Und diese Gefahr ist größer geworden, seit Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Schon vor seiner Amtsübernahme am 1. Januar 2019 verkündete er, die Regenwälder am Amazonas großzügig abholzen zu lassen für noch mehr Bergbau und Landwirtschaft: Soja- und Baumwollfelder und Rinderweiden.
Seit Jahrzehnten werden die Amazonas-Urwälder zerstört – 2018 waren es 4.656 Quadratkilometer, das ist fast die doppelte Fläche vom Saarland. So viel wurde seit elf Jahren nicht mehr abgeholzt.
Bolsonaros Regierung will sogar Naturschutzgebiete und die Reservate der Ureinwohner für Plantagen und Rinderweiden opfern. Viele Indianervölker sind deshalb in großer Sorge. Sie leben von dem, was ihnen der Wald an Nahrung, Medizin und Baumaterial bietet. Ihre Riten und Gebräuche sind eng mit der Natur verknüpft. Auch für das Klima spielt der Regenwald eine zentrale Rolle. In den Pflanzen und Bäumen sind riesige Mengen an klimaschädlichen Gasen gespeichert. Werden große Flächen gerodet, gelangt vor allem Kohlendioxid in die Atmosphäre.

Erfahre mehr über Brasilien bei Hanisauland (Achtung, der Link leitet dich zu einer anderen Website).

Datum: 28.2.2019

28. Februar 2019
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Steckbrief

Wie groß ist Brasilien?
8,5 Mio qkm = 47 % von Südamerika
Wie viele Einwohner hat Brasilien?
207 Millionen
Was ist der Amazonas?
wasserreichster, aber nach dem Nil nur zweitlängster Fluss der Erde: 6.448 km
Regenwald
die Hälfte aller tropischen Regenwälder der Erde, manchmal 600 Baumarten auf einem Hektar