Brasilien –
viel mehr als der Amazonas

Illustrierte Karte von Brasilien, dem Regenwald und seinen Tieren Im artenreichsten Land der Erde werden immer wieder bisher unbekannte Tiere und Pflanzen entdeckt. Illustration: fotolia

Bei Brasiliens Natur denken wir zuerst an den Urwald am Amazonas, das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt. Doch es gibt noch drei andere Regionen mit einem unglaublichen Artenreichtum: das Pantanal, der Cerrado und die Mata Atlantica. Durch diese natürliche Vielfalt leben in Brasilien so viele Tierarten wie in kaum einem anderen Land der Erde.

Steckbrief

Größe:
8,5 Mio qkm = 47 % von Südamerika
Einwohner:
192 Millionen
Amazonas:
wasserreichster, aber nur zweitlängster Fluss der Erde: 6.448 km
Regenwald:
die Hälfte aller tropischen Regenwälder der Erde, manchmal 600 Baumarten auf einem Hektar

Allein in Amazonien wurden bisher 427 Säugetierarten gezählt, darunter Ozelot, Riesenotter und Flussdelfine. 3000 Fischarten schwimmen in den Gewässern des Regenwaldes – zum Beispiel der gefürchtete Piranha. Zu den über 1300 Vogelarten gehören so bekannte wie Tukane, Aras und Kolibris. Weil man viele Gebiete erst nach und nach erforscht, werden auch immer wieder neue Arten entdeckt.

Bedrohtes Paradies für Spinnenaffen und Delfine

Zugleich sterben Tier- und Pflanzenarten aus oder sind von der Ausrottung bedroht. Zwischen 1989 und 2004 hat sich ihre Zahl in ganz Brasilien von 217 auf 627 verdreifacht. Spinnenaffe, Manatis und Flussdelfine kämpfen ums Überleben.

Schuld am Artensterben ist die Vernichtung von Regenwald. Seit Jahrzehnten werden große Flächen abgeholzt, um Weiden für Rinder anzulegen, Soja und Ölpalmen zu pflanzen oder Staudämme zu bauen. In Brasilien wurden bereits 20 Prozent des amazonischen Regenwaldes zerstört.

Dabei ist der Dschungel nicht nur für Tiere und Pflanzen wichtig, sondern auch für viele Indianervölker (siehe Text über Kinder im Regenwald). Sie leben von dem, was ihnen der Wald an Nahrung, Medizin und Baumaterial bietet. Ihre Riten und Gebräuche sind eng mit der Natur verknüpft. Auch für das Klima spielt der Regenwald eine zentrale Rolle. In den Pflanzen und Bäumen sind riesige Mengen an klimaschädlichen Gasen gespeichert. Werden große Flächen gerodet, gelangt vor allem Kohlendioxid in die Atmosphäre.

 

Im Reich der Kaimane

Das Pantanal ist das Reich der Kaimane. Millionen von ihnen durchstreifen in diesem Feuchtgebiet Seen und Flüsse. Sie teilen sich den Lebensraum mit Panthern, Ameisenbären, Gürteltieren und Anakondas. Sie alle kommen damit zurecht, dass ihr Lebensraum von Januar bis Juni bis zu einem Meter hoch überschwemmt wird. Dann ragen nur noch bewaldete Inseln und Galeriewälder aus der Wasserfläche, die fast sechsmal so groß ist wie die Schweiz. Forscher schätzen, dass es im Pantanal 265 Fischarten und über 500 Schmetterlingsarten gibt.

Noch ist das Pantanal relativ wenig erschlossen. Doch vor allem von den Rändern her dringen große Rinderfarmen immer weiter vor. Bis heute wurden bereits 15 Prozent der Fläche für Weiden zerstört. Dadurch sind die Hyazinth-Aras, eine blaue Papageienart, bedroht. Auch die Lebensbedingungen für die berüchtigten Piranhas verschlechtern sich. Politiker und Wirtschaftsbosse hegen dennoch Pläne, die Flüsse im Pantanal für die Schifffahrt auszubauen, damit Soja und Eisen einfacher transportiert werden können.

Die vergessene Landschaft Brasiliens

Soja wird auf großen Flächen nördlich und östlich des Pantanal angebaut: Im Cerrado. Diese Savanne ist sechsmal so groß wie Deutschland und gilt als artenreichste der Welt. Hier leben Nandus, Tapire und Mähnenwölfe. Bisher wurden 161 Säugetierarten und 837 Vogelarten gezählt.

Der Cerrado gilt als die vergessene Landschaft Brasiliens. Bei uns hat kaum jemand mitbekommen, dass große Teile abholzt werden. Die Hälfte ist bereits Motorsägen und Bulldozern zum Opfer gefallen. Schuld daran ist die Landwirtschaft. Außer Soja werden auf endlos großen Äckern Mais, Zuckerrohr und Baumwolle angebaut.

Der Küstenregenwald ist fast verschwunden

Vom Küstenregenwald Mata Atlantica ist kaum etwas übrig. 92 Prozent wurden bereits vernichtet. Fast alle Millionenstädte Brasiliens wie Rio und Sao Paulo liegen dort, wo einst der Wald wuchs. Kleine Gebiete, in denen die Mata Atlantica noch intakt ist, müssen unbedingt geschützt werden, denn auch dort ist die Artenvielfalt hoch.

Ursprünglich erstreckte sich die Mata Atlantica über 3000 Kilometer, reichte von den heißen Tropen bis zu den milderen Subtropen und überzog Gebirge, deren Gipfel bis zu 2700 Meter aufragen. Auf einem Hektar Küstenregenwald haben Forscher 450 Baumarten registriert. Sie schätzen, dass es dort noch mehr Arten zu entdecken gibt als in Amazonien. Zu den heimischen Tierarten gehören Kragenfaultiere und Löwenäffchen, die man sogar am Zuckerhut findet, dem berühmten Berg mitten in der Millionenstadt Rio de Janeiro.

Erfahre mehr über Brasilien bei Hanisauland (Achtung, der Link leitet dich zu einer anderen Website).

Datum: 28.05.2014