2. Februar 2014

Faultiere

Faultier auf einem Baum Faultiere leben vor allem auf Bäumen – aber sie können auch richtig gut schwimmen. (Bild: 4ever.eu)

Faul? Von wegen! Das Faultier wird nur so genannt, weil es sich kaum bewegt – und wenn, dann höchstens in Zeitlupe. Faultiere sind nämlich Weltmeister im Energie-Sparen. Nur so können sie in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas überleben.

Ein Leben lang abhängen

Kaum zu glauben: Der dichte Dschungel, der uns von außen so üppig erscheint, ist ziemlich arm an Nährstoffen – der ständige Regen spült sie aus dem Boden (mehr darüber erfährst du auf der Seite Pflanzen).
Wer im Regenwald satt werden will, muss sich also etwas einfallen lassen. Einen außergewöhnlichen Trick hat sich die Natur für das Faultier ausgedacht: Sein Körper läuft auf Sparflamme – der Stoffwechsel arbeitet wesentlich langsamer als bei anderen gleichgroßen Säugetieren. So füllen die Blätter, Knospen und Zweige, von denen es sich ernährt, ziemlich lang seinen Magen. Außerdem steigt seine Körpertemperatur auf höchstens 33 Grad. So spart das Faultier kostbare Energie. Ansonsten gilt: Abhängen.

Haarige Hängematte

Damit sie nicht von ihren Bäumen fallen, besitzen Faultiere perfekte „Haken“– ihre etwa 10 cm langen Krallen. Das Zweifinger-Faultier hat 2 Krallen an den Vorderfüßen, das Dreifinger-Faultier 3 Krallen. An den etwas kürzeren Hinterbeinen besitzen beide jeweils 3 Krallen. So klammern sie sich mit allen Vieren an dicke Äste, Rücken nach unten, Gesicht nach oben – wie eine lebende Hängematte.

Jede Menge Gewusel im Fell

Faultiere sehen aus wie putzige Clowns – das liegt vor allem an ihrer Figur: Der kleine Kopf, winzige Augen und Ohren und ein Stummelschwanz stehen in großem Kontrast zu den kräftigen Armen und Beinen und dem langen Fell. Es besteht aus feiner Unterwolle, über die eine Mähne aus Strähnen fällt. Seinen Scheitel trägt das Faultier übrigens ganz ungewöhnlich auf dem Bauch, was perfekt zu seiner Rückenlage passt. So hängt das Fell seitlich herab und das Regenwasser läuft gut ab.

In seinem Fell fühlen sich diverse Untermieter zu Hause: Algen, Motten, Milben, Zecken, Käfer und sogar Nachtfalter leben mit und von dem Faultier. Bisher dachten die Experten, die Grünalgen im Fell würde das Faultier ausschließlich zur Tarnung nutzen. Doch als Wissenschaftler der Universität Wisconsin-Madison Anfang 2014 im Regenwald von Costa Rica ein Dreifingerfaultier untersuchten, stellten sie fest, dass die energiereichen Algen vor allem eine willkommene Zusatznahrung sind. Und dafür steigt es sogar vom Baum, wie ihr gleich erfahrt:

Bodenberührung? Nur wenn es mal muss!

Das Faultier ist ein Einzelgänger und will eigentlich nur seine Ruhe haben und auf seinem Baum bleiben. Dort paart es sich auch und das Weibchen bringt dort sein Junges zur Welt. Und zum Fressen braucht es eigentlich nur den Kopf zu heben oder zu drehen – dafür hat es zusätzliche Halswirbel.
Nur wenn es mal muss, steigt es unbeholfen vom Baum. Aber dank der äußerst langsamen Verdauung passiert das höchstens einmal in der Woche. Denn am Boden ist das Faultier besonders schutzlos; es schleppt sich auf seinen langen Armen mühsam voran und ist leichte Beute für Raubtiere.

Allerdings steigen nur die Dreifingerfaultiere vom Baum, um auf dem Boden ihren Kot abzulegen. Und die Forscher in Costa Rica wissen jetzt auch, warum: Die Motten, die im Fell des Faultiers leben, legen im Kot ihre Eier ab. Dort entwickeln sich die Larven und aus ihnen später die Motten, die beim nächsten „Toilettenbesuch“ des Faultiers sein Fell anfliegen. Kotreste und tote Motten wiederum lassen die Grünalgen wachsen – die dem Dreifingerfaultier bestens schmecken. Klingt vielleicht eklig, ist aber eine geniale Lebensgemeinschaft zwischen Faultier, Motte und Alge.

Das Zweifingerfaultier muss diesen mühsamen Auf- und Abstieg vom Baum nicht bewältigen – es lässt seinen Kot einfach fallen. Denn weil es sich nicht nur von Blättern, sondern auch von Früchten und Insekten ernährt, braucht es die fette Algennahrung nicht.

Es gibt nur einen gefährlichen Feind

Gegen Raubkatzen, Greifvögel und Schlangen kann sich das Faultier auf seinem Baum durch kräftige Klauenhiebe ganz gut wehren. Gegen den Menschen ist der Erfinder der Langsamkeit jedoch machtlos. Faultiere sind auf Bäume in gesunden Wäldern angewiesen. Durch die Abholzung der Regenwälder verlieren sie ihren Lebensraum. Und wenn die Holzfäller kommen, können sie nicht weglaufen. Zu den bedrohtesten Arten gehört heute das Kragenfaultier aus der Familie der Dreifinger-Faultiere. Es überlebt nur noch in einem schmalen Küstenstreifen im Osten Brasiliens.

Datum: 02.02.2014

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Steckbrief

Lebensraum
Mittelamerika, Norden und Osten Südamerikas
Größe
je nach Art 50 bis 80 cm
Gewicht
4 bis 7 kg
Lebenserwartung
ca. 15 Jahre in Freiheit, bis 30 Jahre in Gefangenschaft
Nahrung
Blätter, Knospen, Zweige, manchmal Früchte
Anzahl Junge
ein Junges pro Jahr. Es ruht bis zur Entwöhnung ca. 4 Wochen auf dem Bauch der Mutter
Tragezeit
ca. 6 Monate

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