Faultier auf einem Baum Faultiere leben vor allem auf Bäumen – aber sie können auch richtig gut schwimmen. (Bild: 4ever.eu)
Lesezeit ca. 7 Minuten

Faultiere – schlaue Langschläfer im Regenwald

Faul? Von wegen! Das Faultier wird nur so genannt, weil es sich kaum bewegt – und wenn, dann höchstens in Zeitlupe. Faultiere sind nämlich Weltmeister im Energie-Sparen. Nur so können sie in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas überleben.

Wichtigste Fakten
  • Wie leben Faultiere?
  • Sind Faultiere wirklich so faul?
  • Können Faultiere laufen?
  • Waren Faultiere schon immer Vegetarier?

Ihre Vorfahren waren Riesen

Schon vor 30 Millionen Jahren stapften Faultiere durch die Landschaften von Alaska bis zur Spitze Südamerikas: Riesenfaultiere, größer als ein Grizzlybär und schwerer als zwei Autos. Am Ende der Eiszeit starben die meisten dieser Riesen-Arten allerdings aus. Warum? Das und noch etwas Spannendes zu den Giganten erfahrt ihr weiter unten auf dieser Seite. 

Heute bewohnen nur noch sechs Faultier-Arten die Erde: vier Arten von Dreifingerfaultieren und zwei Arten von Zweifingerfaultieren. Sie sindt durchschnittlich 50 Zentimeter lang und fünf Kilo schwer – und damit deutlich kleiner und leichter als ihre riesigen Vorfahren.

Und anders als ihre ausgestorbenen Vorfahren bewohnen die noch lebenden Arten nur noch die Regenwälder in Mittel- und Südamerika: Ganz oben im dichten Blätterdach der Bäume ist ihr Zuhause. 

Haarige Hängematte

Damit sie nicht von ihren Bäumen fallen, besitzen Faultiere perfekte „Haken“– ihre etwa zehn Zentimeter langen Krallen. Das Zweifingerfaultier hat zwei Krallen an den Vorderfüßen, das Dreifingerfaultier drei Krallen. An den etwas kürzeren Hinterbeinen besitzen beide jeweils drei Krallen. 
So klammern sie sich mit allen Vieren an dicke Äste, Rücken nach unten, Gesicht nach oben – wie eine lebende Hängematte.

Das Faultier hängt mit dem Rücken nach unten in einem BaumZweifingerfaultier in Costa Rica (Bild: Jsfouche/CC BY-SA 3.0)

Ein Leben lang abhängen

Kaum zu glauben: Der dichte Dschungel, der uns von außen so üppig erscheint, ist ziemlich arm an Nährstoffen – der ständige Regen spült sie aus dem Boden (mehr darüber erfährst du auf der Seite Pflanzen).
Wer im Regenwald satt werden will, muss sich also etwas einfallen lassen. Einen außergewöhnlichen Trick hat sich die Natur für das Faultier ausgedacht: Sein Körper läuft auf Sparflamme – der Stoffwechsel arbeitet wesentlich langsamer als bei anderen gleichgroßen Säugetieren. So füllen die Blätter, Knospen und Zweige, von denen es sich ernährt, ziemlich lang seinen Magen. Außerdem steigt seine Körpertemperatur auf höchstens 33 Grad. So spart das Faultier kostbare Energie. Ansonsten gilt: Abhängen.

Das Faultier klammer sich an einen senkrechten Ast, die Augen sind von einem dunklen waagerechten Fellstreifen umrandet, das Faultier scheint zu schlafen. Deutlich zu sehen sind die 3 Krallen, die sich um den Stamm leben. Das Braunkehlfaultier gehört zu den Dreifingerfaultieren (Bild: Stefan Laube/gemeinfrei)

Jede Menge Gewusel im Fell

Faultiere sehen aus wie putzige Clowns – das liegt vor allem an ihrer Figur: Der kleine Kopf, winzige Augen und Ohren und ein Stummelschwanz stehen in großem Kontrast zu den kräftigen Armen und Beinen und dem langen Fell. Es besteht aus feiner Unterwolle, über die eine Mähne aus Strähnen fällt. Seinen Scheitel trägt das Faultier übrigens ganz ungewöhnlich auf dem Bauch, was perfekt zu seiner Rückenlage passt. So hängt das Fell seitlich herab und das Regenwasser läuft gut ab.

In seinem Fell fühlen sich diverse Untermieter zu Hause: Algen, Motten, Milben, Zecken, Käfer und sogar Nachtfalter leben mit und von dem Faultier. Bisher dachten die Experten, die Grünalgen im Fell würde das Faultier ausschließlich zur Tarnung nutzen. Doch als Wissenschaftler der Universität Wisconsin-Madison Anfang 2014 im Regenwald von Costa Rica ein Dreifingerfaultier untersuchten, stellten sie fest, dass die energiereichen Algen vor allem eine willkommene Zusatznahrung sind. Und dafür steigt es sogar vom Baum, wie ihr gleich erfahrt:

Bodenberührung? Nur wenn es mal muss!
 

Faultier am Boden, Kragenfaultier, sie können sich auf dem Boden kaum bewegen und sind Feinden wie dem Jaguar hilfflos ausgeliefertAuf dem Boden sind Faultiere ziemlich hilflos (Bild: Fazenda Saúva)

Das Faultier ist ein Einzelgänger und will eigentlich nur seine Ruhe haben und auf seinem Baum bleiben. Dort paart es sich auch und das Weibchen bringt dort sein Junges zur Welt. 
Und zum Fressen braucht es eigentlich nur den Kopf zu heben oder zu drehen – dafür hat es zusätzliche Halswirbel.

Nur wenn es mal muss, steigt es unbeholfen vom Baum. Aber dank der äußerst langsamen Verdauung passiert das höchstens einmal in der Woche. Denn am Boden ist das Faultier besonders schutzlos: Da es nicht auf allen Vieren stehen kann, muss es sich auf ziemlich ungeschickte Art fortbewegen. Es schleppt sich auf seinen langen Armen bäuchlings mühsam voran und ist leichte Beute für Raubtiere.

Deshalb steigen Faultiere nur vom Baum, um auf dem Boden ihren Kot abzulegen. Den Grund dafür fanden Forscher in Costa Rica heraus: Die Motten, die im Fell des Faultiers leben, legen im Kot ihre Eier ab. Dort entwickeln sich die Larven und aus ihnen später die Motten, die beim nächsten „Toilettenbesuch“ des Faultiers sein Fell anfliegen. Kotreste und tote Motten wiederum lassen die Grünalgen wachsen – die dem Faultier bestens schmecken. Klingt vielleicht eklig, ist aber eine geniale Lebensgemeinschaft zwischen Faultier, Motte und Alge.

Schon immer ein Vegetarier? 
 

Illustration eines RiesenfaultiersSo soll das Riesenfaultier ausgesehen haben. Oben im Bild: Versteinerter Kot und ein Stück Fell (Bild: Concavenator/CC BY-SA 4.0)

Weil sich alle heutigen Faultiere nur von Pflanzen ernähren, ging man bisher davon aus, dass auch ihre riesenhaften Vorfahren reine Vegetarier waren. Das ergaben auch die Untersuchungen von versteinerten Knochen und Zähnen der ausgestorbenen Riesenfaultiere. Fleischliche Kost konnten Experten und Expertinnen daraus nicht erkennen.

Das änderte sich erst im Herbst 2021: Ein Experten-Team untersuchte erhaltene Fellreste des Riesenfaultiers mit dem Namen Mylodon darwinii und stellte fest: Diese Art fraß auch Fleisch. Zumindest Aas. Aber auch Insekten wie Raupen oder Ameisen oder Vogeleier könnten auf dem Speiseplan gestanden haben. So die Wissenschaftlerin Julia Tejada von der Universität im französischen Montpellier. Damit ist widerlegt, dass alle Faultiere reine Pflanzenfresser waren. 

Die Skulptuer eines urzeitlichen Riesenfaultiers steht aufgerichtet vor dem Eingang einer Höhle in ChileBärenstark: Faultier-Skulptur vor der „Cueva del Milodón“. In dieser Höhle in Chile wurde um 1900 ein versteinertes Skelett des Riesenfaultiers gefunden (Bild: Farisori/CC BY-SA 3.0)

Das Riesenfaultier wurde drei bis vier Meter lang und wog bis zu zwei Tonnen. Es wurde also deutlich größer und schwerer als heutige Grizzlybären. 
Die Riesenfaultiere starben am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren aus. Die Jagd und der Klimawandel waren vermutlich die Gründe dafür. Genauso wie heute:




Der gefährlichste Feind

Gegen Raubkatzen, Greifvögel und Schlangen kann sich das Faultier auf seinem Baum durch kräftige Klauenhiebe ganz gut wehren. Gegen den Menschen ist der Erfinder der Langsamkeit jedoch machtlos. Faultiere sind auf Bäume in gesunden Wäldern angewiesen. Durch die Abholzung der Regenwälder verlieren sie ihren Lebensraum. Und wenn die Holzfäller kommen, können sie nicht weglaufen.

Die meisten Faultierarten sind laut Roter Liste zum Glück noch nicht bedroht. 

Mit Ausnahme des Kragenfaultiers, das nur im Südosten Brasiliens vorkommt. Und das Zwergfaultier ist sogar vom Aussterben bedroht, weil es ausschließlich auf der Insel Escudo de Veraguas vor der Küste Panamas lebt.


Quellen: slothconservation.org, scientific reports, spectrum.de, wissenschaft.de
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2022
721 Bewertungen

Diesen Artikel kommentieren

Wenn Du Fragen zu dieser Seite hast, schreib uns an info@abenteuer-regenwald.de.

Formular wird geladen

Steckbrief

Lebensraum
Mittelamerika, Norden und Osten Südamerikas
Größe
je nach Art 50 bis 80 cm
Gewicht
4 bis 7 kg
Lebenserwartung
ca. 15 Jahre in Freiheit, bis 30 Jahre in Gefangenschaft
Nahrung
Blätter, Knospen, Zweige, manchmal Früchte
Anzahl Junge
ein Junges pro Jahr. Es ruht bis zur Entwöhnung ca. 4 Wochen auf dem Bauch der Mutter
Tragezeit
ca. 6 Monate

Lexikon

Alle Tiere im Regenwald von A‑Z

Jetzt lesen