15. September 2017

SOS für Antilope, Heuschrecke und Tausendfüßler

Antilope steht vor Büschen im hohen Gras Der Bergriedbock ist stark gefährdet. In den letzten 15 Jahren hat sich der Bestand dieser Antilope halbiert (Bild: David Mallon)

Was haben die Riesen-Elenantilope, die Rumpelstilzchen-Zwergheuschrecke und der zirpende Riesenkugler gemeinsam? Sie „kletterten“ auf der Roten Liste der bedrohten Arten allesamt nach oben. Jedes Jahr im September rechnet uns die Weltnaturschutzunion IUCN vor, wie viele Tier- und Pflanzenarten bedroht sind.

Herden von springenden Antilopen gehören für uns zum Bild von Afrika. Unvorstellbar, dass es diese Tiere einmal nicht mehr geben könnte. Doch jetzt können wir uns da nicht mehr so sicher sein: Fünf Antilopen-Arten sind inzwischen gefährdet, darunter die Riesen-Elenantilope, die größte Antilope der Erde. „Sie wird wegen ihres Fleisches gewildert, selbst in Schutzgebieten“, sagt der Antilopen-Experte der IUCN. Außerdem: Felder, Siedlungen und Straßen engen ihren Lebensraum immer weiter ein.

Die Zerstörung der Natur durch den Menschen ist übrigens der Hauptgrund dafür, dass die Erde immer mehr Arten von Tieren und Pflanzen verliert.

Mehr als ein Drittel der Arten sind gefährdet

Experten haben in diesem Jahr 87.967 Tier- und Pflanzenarten untersucht. Das ist zwar nur ein sehr kleiner Teil der 1,8 Millionen Arten, die bis heute wissenschaftlich erfasst und beschrieben sind. Das Ergebnis der Untersuchung aber ist alarmierend: Die Forscher fanden 25.062 Tier- und Pflanzenarten, die in ihrem Bestand bedroht sind. Damit sind mehr als ein Drittel von ihnen in Gefahr, eines Tages ganz auszusterben.

Die Rote Liste

Von unseren Tier- und Pflanzenporträts (unter der Rubrik Wissen) wisst ihr vielleicht, dass die Rote Liste in mehrere Gruppen aufgeteilt ist:

nicht gefährdet * möglicherweise (potentiell) gefährdet * gefährdet * stark gefährdet * vom Aussterben bedroht * in der Natur ausgestorben * ausgestorben

Auf Madagaskar fanden die Forscher gleich mehrere Tierarten, die kurz vor dem Aussterben stehen. Dazu gehören sieben der nur auf dieser Insel lebenden 71 Heuschreckenarten – zum Beispiel die Rumpelstilzchen-Zwergheuschrecke, die nicht fliegen, sondern nur hüpfen kann. Auch den zirpenden Riesenkugler wird es vielleicht bald nicht mehr geben. Er sieht zwar aus wie eine Schnecke, ist aber ein Tausendfüßler. 27 der 145 Tausendfüßler-Arten Madagaskars sind inzwischen vom Aussterben bedroht.

Was ist an Madagaskar so besonders?

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Erde und liegt vor der Ostküste Afrikas. Vor 150 Millionen Jahren wurde sie von Afrika getrennt. Dadurch konnten sich auf Madagaskar viele Tier- und Pflanzenarten entwickeln, die es nur dort und sonst nirgends auf der Erde gibt. Weil auf Madagaskar die Regenwälder abgeholzt werden, verschwinden mit ihnen auch viele Tiere und Pflanzen für immer.

Das ist sowieso das große Problem mit sogenannten endemischen (einheimischen) Arten, also solchen, die es nur in einem einzigen Land oder in einer begrenzten Region gibt: Sterben sie dort aus, verschwinden sie ganz von der Erde. So ging es zum Beispiel der Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus, die nur auf dieser Insel im Indischen Ozean lebte. Jetzt ist sie ausgestorben.

Die Mahnung an uns alle

„Wir Menschen scheuchen mit unserem Verhalten die Arten so schnell an den Rand des Abgrunds, dass es für Umweltschützer fast unmöglich ist, den Niedergang in Echtzeit zu dokumentieren", sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen. „Wir müssen dringend handeln, damit das Überleben der Arten und unsere eigene Zukunft gesichert werden."

Die gute Nachricht: Umweltschutz rettet Tiere und Pflanzen

Auf der Insel Rodrigues, die zu Mauritius im Indischen Ozean gehört, wurde der nur dort lebende Rodrigues-Flughund vor dem Aussterben gerettet: Sein Lebensraum wurde aufgeforstet und steht nun unter Schutz, die Jagd auf ihn ist streng verboten und die Bevölkerung wurde über die Bedeutung dieser seltenen Flughunde aufgeklärt. All das hat ihnen geholfen, sich wieder zu vermehren.

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