Ziemlich beste Freunde – Symbiosen im Regenwald

Der Kolibri-Schnabel ist lang genug, um Nektar aus der Blüte zu trinken Ein Kolibri beim picken einer Blüte Der Kolibri-Schnabel ist lang genug, um Nektar aus der Blüte zu trinken (Bild: flickr/nix6658 (CC BY-NC-ND 2.0) )

Wer im Regenwald überleben will, braucht Verbündete. Und so entstehen die unglaublichsten Partnerschaften aus zwei oder auch drei unterschiedlichen Arten mit nur einem Zweck: Hilfst du mir, helfe ich dir. Symbiose heißt diese enge Beziehung, in der jeder gewinnt. Zum Beispiel, indem sie sich gegenseitig Nahrung oder Schutz bieten. Oder Putzdienste übernehmen. Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet zusammen leben.

Regenwälder sind besonders reich an Symbiosen

Warum? Die Nährstoffe im Tropendschungel sind knapp, weil stetige Regenschauer die Böden auswaschen und sich kein Humus bildet. Und überall dort, wo man nicht so leicht an Nahrung kommt und das Überleben eine echte Herausforderung ist, tut man sich besser mit Partnern zusammen als sich allein durchzuschlagen. Sozusagen eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Symbiosen gibt es zwischen Tierarten, aber auch zwischen Pflanzen und Tieren, zwischen Pflanzen und Pilzen oder zwischen Pilzen und Tieren. Häufig geht die Abhängigkeit so weit, dass ein Partner ohne den anderen gar nicht mehr leben kann.
Und sie zeigt, wie zerbrechlich das Leben in der Natur sein kann – oft hängt das Überleben am seidenen Faden: Stirbt eine Art aus, haben auch ihre Partner kaum eine Chance.

Am Anfang war nur der Wind

Klar: Bäume und andere Pflanzen brauchen Hilfe von außen, um sich zu vermehren. Schließlich können sie sich ja nicht selbst auf den Weg machen, um ihre Samen oder Pollen zu verbreiten. Früher wurden Pflanzenpollen ausschließlich vom Wind weitergetragen; doch der Wind ist kein verlässlicher Partner – mal ist er da, mal nicht. Im Laufe der langen Entwicklungsgeschichte haben Pflanzen farbige Blüten hervorgebracht, die aus dem Grün herausleuchten – ein Signal, weithin sichtbar für Insekten. Auch Düfte eignen sich gut als Lockmittel. Die Pflanzen bieten den Insekten Nahrung und sichern sich damit ihre Zukunft. Und dieses Erfolgsmodell hat die Natur während Jahrtausenden immer weiter verfeinert.
Das geht so weit, dass manche Blüten ihre Form so veränderten, dass nur noch bestimmte Insekten ins Innere zum Nektar krabbeln können – und umgekehrt die Insekten sich dieser Form anpassen. Auf diese Weise versorgen sich beide gegenseitig ganz exklusiv.
Ein Beispiel dafür sind die Paranussbaum-Blüte und die Prachtbiene.


Und jetzt ein paar Beispiele für

Tolle Teams im Tropendschungel

Ohne Pilz kein Urwaldriese!

Ob Blätter, Zweige, Beeren, Fruchtreste, tote Insekten oder Tierkot: Im feucht-warmen Klima des Tropenwaldes wird alles sofort von Kleinstlebewesen zersetzt. Nahrhafter Humus kann sich gar nicht erst bilden – Nährstoffe sind im Regenwald deshalb Mangelware. Wie aber kann ein Urwaldbaum unter diesen Bedingungen überhaupt wachsen – bis zu 70 Meter hoch?

Die Natur hat vorgesorgt: Anders als unsere Bäume wachsen die Wurzeln des Tropenbaumes nicht in die Tiefe, sondern bilden ein flaches Netz an der Oberfläche. Doch selbst ihre feinsten Wurzeln sind immer noch zu dick, um wirklich jeden Nährstoff aufzunehmen. Deshalb tun sich Urwaldriesen mit winzigen Pilzen zusammen. Eher keine Pilze mit Hut und Stängel, sondern unterirdische Geflechte aus dünnsten Fäden, die sich um die Baumwurzeln legen und jede auch noch so geringste Spur von Nahrung aufnehmen. Diese wertvollen Mineralsalze geben sie an den Baum weiter und erhalten dafür von ihm Zucker und Aminosäuren, von denen sie leben.

Blattschneider-Ameise & Pilz

Kaum zu glauben: Blattschneider-Ameisen schleppen sich mit riesigen Blättern ab, um Pilze in ihrem unterirdischen Nest zu füttern. Die Blätter können Ameisen nämlich nicht verdauen, die Pilze aber schon. Dazu gibt es ein ausführliches Tierporträt.

Eine Blattschneiderameise trägt ein großes Stück BlattDie Blattschneiderameise frisst das Blatt nicht selbst, sondern trägt es in ihr Nest und füttert damit Pilze, von denen sie sich ernährt (Bild: flickr-20ojos)

Ameise & Ameisenbaum

Der Ameisenbaum besitzt ein eigenes Ameisen-Heer. Die Ameisen verteidigen ihn ziemlich aggressiv gegen andere Insekten, die seine Blätter fressen wollen – oder absägen, was die Blattscheiderameisen gern tun. Außerdem säubern die Ameisen ihren Gastgeber-Baum von Pilzen und überflüssigem Grünzeug.
Für ihre Dienste finden die Ameisen in Hohlräumen der Äste ein sicheres Zuhause und leckere Nahrung in Form von fettreichen Futterkörperchen und Blattnektar, die der Baum für sie herstellt.

Das Faultier lässt sich von den Ameisen nicht vertreibenGegen das gefräßige Faultier können die Ameisen ihren Baum allerdings nicht verteidigen. Sie können nur kleine Tiere wie hungrige Insekten vertreiben (Bild: Michelle Reback, GFDL, Copyleft, CC BY-SA 4.0 )

Paranussbaum & Prachtbiene & Aguti

In den Regenwäldern Südmamerikas haben sich drei ganz verschiedene Arten zu einem perfekten Team zusammengefunden: Ein Baum, ein Insekt und ein Säugetier. Warum diese Dreiecksbeziehung so gut klappt, erfahrt ihr in unserem Tierporträt vom Aguti.

Aguti beim Fressen im RegenwaldNur ein Aguti kann die Paranuss knacken. Die Nusskerne, die es nicht gleich frisst, versteckt es im Wald, wo der eine oder andere keimt und zu einem neuen Baum heranwächst. Mit Glück wird er dann in ein paar Jahren von der Prachtbiene bestäubt (Bild: Rhett Butler)

Schwertschnabel-Kolibri & Engelstrompete

Weit mehr als die Hälfte aller Pflanzen in Amerika arbeiten mit Kolibris zusammen: Die Vögel bestäuben die Blüten und werden mit Nektar belohnt. Diese Lebensgemeinschaften haben sich im Laufe von vielen Millionen Jahren immer mehr verfeinert:
So hat sich der Schwertschnabel-Kolibri in seiner Anden-Heimat gleich zwei Pflanzen exklusiv erobert: Sein Schnabel ist mit zehn Zentimetern fast so lang wie sein Körper (Rekord!). Damit kann er problemlos den Nektar aus dem 20 Zentimeter langen Kelch der Engelstrompete und den röhrenförmigen Blüten der Passionsblume saugen.
Was Kolibris noch so alles können, erfahrt ihr im Tierporträt

SchwertschnabelkolibriDie Engelstrompete stellt ihren Nektar nur dem Schwertschnabel-Kolbri zur Verfügung. Dafür verbreitet er ihre Pollen

Blütenfledermaus & Nektar-Pflanze

Bei dieser Symbiose lässt die Pflanze die Fledermaus nach ihrer Pfeife tanzen: Weil sich die Blütenfledermaus hauptsächlich von Nektar ernährt, ist sie auf die entsprechenden Pflanzen angewiesen. Und die Pflanze möchte, dass die kleine Fledermaus möglichst viele Blüten bestäubt. Deshalb geizt sie mit ihrem Nektar-Angebot. So wird die Fledermaus nicht satt und muss zur nächsten Blüte fliegen. Mehrere hundert Blüten besucht die Fledermaus pro Nacht, um aufzutanken. Auf diese Weise wird der Pflanzenpollen maximal verbreitet.

Blütenfledermaus trinkt Nektar an einer BananenblüteDie Bananenblüte ernährt die Blütenfledermaus mit ihrem Nektar. Dafür trägt die Fledermaus die Pollen weiter und sorgt für die Verbreitung der Pflanze (Bild: Daniel De Granville/Fotoarena)

Nilkrokodil und Wassertriel

Die enge Beziehung zwischen einem Krokodil und einem Vogel sieht eigentlich nicht nach einer Win-Win-Situation aus. Ist sie aber: Das Nilkrokodil und der Wassertriel, eine kleine afrikanische Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer, leben in guter Nachbarschaft und wechseln sich als Babysitter ab. Geht das Krokodil auf die Jagd, stößt der Wassertriel einen Warnruf aus, sobald sich ein Dieb, zum Beispiel eine Echse, für die verbuddelten Krokodileier interessiert. Geht der Wassertriel auf Futtersuche, greift das Krokodil an, wenn sich jemand an das Vogelnest wagt.

Goliath-Vogelspinne und Engmaulfrosch

Der Riesenvogelspinne möchte man nun wirklich nicht begegnen. Sie wohnt in Erdhöhlen in südamerikanischen Regenwäldern und ist mit bis zu 12 cm Körperlänge die größte Spinne der Erde. Die Achtbeiner vertilgen zwar vor allem Insekten, aber man sollte vorsichtig sein, wenn man ihr begegnet, sagt der Insektenforscher Piotr Naskrecki: „Sie greifen alles an, was ihnen über den Weg läuft.“
Der Engmaulfrosch sieht das allerdings völlig anders. Er vertilgt Milben und kleine Insekten, die über die Spinneneier im Kokon herfallen. Die Spinne beschützt den kleinen Frosch dafür vor Fressfeinden.


Auch in den Meeren der Tropen gibt es jede Menge Symbiosen

Koralle & Alge

Korallen sind Tiere, die mit Algenpflanzen zusammenleben – so eng, dass sie eine Einheit bilden. Die Algen bekommen Licht und einen sicheren Ort zum Leben, die Korallen Sauerstoff und Zucker. Und ihre Farben!

Clownfisch & Anemone

In den tropischen Korallenriffen sind viele Arten miteinander verbandelt. Zum Beispiel der Clownfisch namens Nemo und die Seeanemone, die übrigens auch ein Tier ist. Näheres dazu steht auf der Korallen-Seite.

 

Clownfisch (auch Anemonenfisch) zwischen den Tentakeln einer Seeanemone, mit der er in Partnerschaft lebtDer Clownfisch hält die Tentakel der Seeanemone sauber, dafür bietet sie ihm ein Super-Versteck (Bild: https://creativecommons.org/ CC BY-SA 2.0)

Muräne & Putzerfisch

Putzerfische betreiben in den Korallenriffen Waschsalons. Zu den besonders erfolgreichen Anbietern gehört der Putzerlippfisch, der vorbeischwimmende Kunden tänzelnd auf sich aufmerksam macht. Sein Angebot enthält diverse Pflegeprogramme: Er befreit die Haut seiner Kunden von Parasiten, Schuppen und Pilzen, reinigt auch Wunden. Vor allem größere Fische nehmen seine Dienste gern an, sogar Haie und andere Raubfische wie Muränen. Denen schwimmen die Putzerfische furchtlos ins ansonsten gefräßige Maul, um dort lästige Essensreste zu beseitigen. Der Lohn für den Putzerfisch? Alles, wovon er den Kunden befreit, füllt seinen Magen...
Auch Scherengarnelen betreiben erfolreiche Putzerstationen. Mit ihren Scheren können sie sogar Schädlinge entfernen, die sich tief in die Fischhaut ihrer Kunden gebohrt haben. Selbst Raubfische benehmen sich in den Waschsalons friedlich und geduldig – niemals würden sie den Betreibern etwas antun!

 

Letzte Aktualisierung: 8. April 2020
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