Korallen: Regenwälder der Meere

Korallenriff im Roten Meer, Golf von Eilat, mit diversen Meeresbewohnern Tropische Korallenriffe sind Lebensraum Tausender Tiere und Pflanzen Die tropischen Korallenriffe liegen entlang des Äquators zwischen dem 30. nördlichen und dem 30. südlichen Breitengrad Tropische Korallenriffe sind Lebensraum Tausender Tiere und Pflanzen

Sie sehen aus wie Meeresblumen, doch in Wirklichkeit sind sie Tiere – auch wenn sie sich nicht von der Stelle bewegen: Korallen. Seit 225 Millionen Jahren bewohnen sie die Ozeane der Erde, sie waren schon da, bevor Dinosaurier aus den Eiern schlüpften. Und weil Korallengärten so vielfältig sind an Arten, Farben und Bewohnern, nennen wir sie auch Regenwälder der Meere.

Oberes Ende einer einzelnen Steinkoralle (Polyp) mit Tentakeln (Fangarmen). Damit filtert die Koralle Nahrung aus dem Meer Obere Öffnung einer einzelnen Steinkoralle mit bunten Fangarmen (Bild: CC BY 2.5)

Die Koralle: eine Röhre mit Mund

Korallen, die auch Blumentiere genannt werden, haben kein Gesicht, keine Arme und Beine. Ihr Körper ist eine Röhre, länglich und hohl – man bezeichnet das einzelne Tier auch als Polyp. Das eine Ende der Röhre ist geschlossen und haftet fest auf einer Fläche wie dem Meeresboden. Oben ist sie offen, besitzt eine Art Mund, der von feinen Fangarmen (Tentakeln) umringt ist. Damit filtert die Koralle Nahrung aus dem Wasser. Sie lebt einzeln oder in Kolonien.

Koralle + Alge = das perfekte Paar

Die meisten Korallenarten brauchen zum Überleben aber auch einen Partner aus dem Pflanzenreich: mikroskopisch kleine Algen, die an der Außenhaut der Koralle siedeln. Diese Algen betreiben wie alle Pflanzen Fotosynthese. Das heißt, mit Hilfe von Sonnenstrahlen, Wasser und Kohlenstoffdioxid produzieren die Algen Sauerstoff und Zucker – wichtige Nahrung für die Koralle. Die übrigens den Algen auch ihre Farbe verdankt. Und auch ihre Form: Weil die Algen Licht brauchen, muss die Koralle Richtung Sonne wachsen. Dabei verzweigt sie sich nach oben – so wie auch eine Zimmerpflanze ihre Äste zum Licht wendet.

Clownfisch (auch Anemonenfisch) zwischen den Tentakeln einer Seeanemone, mit der er in Partnerschaft lebt Clownfisch mit seiner Lebensgefährtin, der Seeanemone (Bild: https://creativecommons.org/ CC BY-SA 2.0)

Und wo steckt Nemo?

Die meisten wissen wohl, dass Nemo, Hauptdarsteller im eigenen Film, ein Clownfisch ist. Er nennt sich auch Anemonenfisch, denn seine Lebensgefährtin ist die Seeanemone. Mit ihren langen, farbenfrohen Fangarmen ist sie eine Unterwasserschönheit – und ein Tier. Genau wie die Korallen gehören Seeanemonen zu den Blumentieren, sind also nah verwandt.
Und mit so einer Seeanemone hat der Clownfisch eine lebenslange, perfekte Beziehung: Er findet zwischen ihren giftigen Fangarmen Schutz vor Feinden, gegen das Gift schützt ihn eine Schleimschicht. Zum Dank putzt er ihre Arme und wedelt ihr Frischwasser zu, um ihr genügend Sauerstoff zu verschaffen.
Doch Nemo ist nur eines von Abertausenden Lebewesen, die tropische Korallenriffe bewohnen...

Leben in Hülle und Fülle – in Gärten aus Stein

Korallenriffe bedecken nur einen winzigen Teil der Meeresböden, etwa 0,1 bis 0,5 Prozent.
Und doch lebt dort mindestens ein Viertel aller Meeresfischarten. Noch zahlreicher sind die kleineren Tiere: Krebse, Schnecken, Muscheln, Spinnen... Insgesamt wurden 60.000 Arten an Tieren und Pflanzen in diesem Lebensraum entdeckt. Man vermutet, dass es mindestens zehn Mal so viele sind.

Kaum zu glauben, dass der große Reichtum an Tieren und Pflanzen auf den Meeresgründen von der unermüdlichen Arbeit so kleiner, unbeweglicher Tiere abhängt. Denen wir vor der Küste Australiens das größte von Lebewesen geschaffene Bauwerk verdanken – das Great Barrier Reef:

Steinkorallen im Great Barrier Reef, Australien Steinkorallen im Great Barrier Reef, Australien (Bild: Toby Hudson/CC BY-SA 3.0)

Weltwunder unter Wasser

Wer das Große Barriereriff (Great Barrier Reef) aus der Nähe betrachten will, muss weit hinaus aufs Meer. Das berichten die Reporter der Zeitschrift Geo. Denn die meisten Riffe dieses gigantischen Unterwasser-Bauwerks liegen mehr als 100 Kilometer vom australischen Festland entfernt.
Doch erst von oben begreift man die Ausmaße dieser Meereslandschaft aus Hügeln und Höhlen, Tälern und Gärten, die seit 1981 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde.
Hier ein paar beeindruckende Zahlen:
Das Great Barrier Reef

  • erstreckt sich über 350.000 Quadratkilometer entlang der Ostküste Australiens; es ist etwa so groß wie Deutschland
  • besteht aus 2.900 einzelnen Riffen und 900 Inseln.
  • ist Lebensraum für 1.500 Fischarten, 415 Steinkorallenarten, 30 Wal- und Delfinarten, 215 Vogelarten
Wenn die Wassertemperatur über 29 Grad steigt, werden die Algen, mit denen die Korallen in Symbiose leben, giftig und von der Koralle abgestoßen. Da die Algen der Koralle die Farbe gibt, bleicht sie aus, wenn die Alge verschwindet Korallenbleiche im Great Barrier Reef durch zu hohe Wassertemperatur

Wenn es zu warm wird, sterben die Korallen

Sie mögen Wärme, aber keine Hitze. Tropische Korallen brauchen Wassertemperaturen zwischen 20 und 29 Grad, je nach Art. Wird das Meer wärmer, haben die Algen, die die Korallen ernähren, Probleme. Sie werden giftig und von der Koralle abgestoßen. Ohne die Algen können die Korallen aber auf Dauer nicht überleben, bleichen aus und sterben, falls die Algen nicht innerhalb weniger Wochen zurückkehren. Man spricht dann von „Korallenbleiche“, denn die Algen schenken den Korallen ja auch ihre Farben.
Überall in den Tropen wurde die Korallenbleiche schon beobachtet, alarmierend ist sie auch am Great Barrier Reef. Grund ist der Klimawandel, durch den sich auch die Meere erwärmen.
Weitere Gefahren für die Korallen sind die Verschmutzung der Ozeane und die Fischerei mit großen Schleppnetzen, die über den Meeresboden gezogen werden.

Quellen: Bundesamt für Naturschutz, Geo, Planet Wissen

 

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