28. Juni 2016

Pangolin – fast unsichtbar und doch in größter Gefahr

Pangolin mit Baby auf dem Rücken im Regenwald Der Baby-Pangolin reitet auf dem Schwanz der Mutter, bis es sich alleine ernähren kann. Doch durch Wilderei gibt es immer weniger Pangoline

Pangoline führen ein Leben im Geheimen. Vorsichtig, behäbig und gut getarnt durchstreifen sie nachts ihr Revier in den Regenwäldern oder Savannen in Afrika und Asien. Kein Wunder, dass über die Gewohnheiten dieser skurrilen Urzeitwesen nur wenig erforscht ist. Umso größer und unbeirrbar ist in den Heimatländern der Pangoline der Glaube an ihre magischen und heilenden Kräfte. Deshalb gehört dieses seltene schuppige Säugetier zu der am meisten gewilderten Tierart der Erde.

Der Name sagt alles

Sie tragen einen Schuppenpanzer und sind dennoch keine Echsen, sondern Säugetiere. Pangoline sehen aus wie Tannenzapfen auf Beinen und im Deutschen heißen sie auch so: Schuppentiere oder Tannenzapfentiere. Der Name Pangolin kommt aus dem Malaiischen, der Sprache aus der Region um Malaysia und Indonesien: Peng-guling heißt es dort – der, der sich aufrollt.

Die Schuppen – ein fast perfekter Schutz gegen Räuber...

Pangoline sind über und über mit Schuppen bedeckt – nur das Gesicht, der Bauch und die Innenseite der Beine bleiben frei. Wie bewegliche Dachziegel liegen sie übereinander und bilden einen wehrhaften Panzer. Je nach Größe des Tieres hat man 160 bis 290 Einzelschuppen gezählt. Bei Gefahr rollt sich der Pangolin zusammen, zieht den Kopf ein und legt den Schwanz um den Körper. So verwandelt er sich in einen scharfkantigen Ball, der selbst für Raubkatzen kaum zu knacken ist. Und so wäre der Pangolin bestens vor Feinden sicher –

…wäre da nicht der Mensch als größter Feind

In den Heimatländern des Pangolins glauben viele Menschen, dass die Schuppen dieser Säugetiere wundersame Heilkräfte besitzen – vor allem in Westafrika, China und Vietnam. Als Pulver oder gekocht sollen sie Magenschmerzen, Asthma, Rheuma, Entzündungen und sogar Blutkrebs heilen und bei Männern die Potenz steigern. Dasselbe glauben viele Asiaten übrigens auch vom Horn der Nashörner. Dabei bestehen sowohl die Pangolin-Schuppen als auch das Nashorn aus Keratin, genauso wie unsere Haare, Finger- und Fußnägel. Können die etwa Krankheiten heilen?

Für einige afrikanische Stämme besitzt der Pangolin außerdem magische Eigenschaften und seine Schuppen dienen als Glücksbringer.

Infografik über Pangoline (Download als PDF über die Infografik-Box rechts)

Und schließlich gilt sowohl in Afrika als auch in Asien das Fleisch der Tiere als Delikatesse und wird auf den Märkten und in den Restaurants teuer bezahlt.

Der Pangolin ist so begehrt, dass inzwischen alle Arten vom Aussterben bedroht sind. Geht die Wilderei so weiter, werden Pangoline von der Erde verschwunden sein, bevor man sie überhaupt richtig kennengelernt hat.

Niemand weiß, wie viele Schuppentiere es noch gibt. Die Weltnaturschutzbehörde IUCN schätzt, dass in den letzten zehn Jahren eine Million Tiere gefangen und getötet wurden – die Jagd auf Pangoline und der Handel mit diesen Tieren, ihrem Fleisch und ihren Schuppen ist so gut wie überall verboten. Dennoch gehören sie zu den am häufigsten gewilderten Tierarten der Welt.

Lebensräume: Baum oder Boden – oder beides

Acht Arten umfasst die Familie der Pagoline, je vier Arten leben in Afrika und Asien. Dort bewohnen die Säugetiere Regenwälder, Buschland und Savannen – möglichst immer gut versteckt. Einige Arten ziehen sich zum Schlafen und Ruhen in Baumhöhlen zurück und klettern zum Fressen herab. Die bodenbewohnenden Arten graben sich sich einen Erdbau oder ziehen in eine leerstehende Höhle. Am Boden sind die Tiere eher langsam und leicht schlingernd unterwegs, denn durch ihre langen Grab-Krallen können sie die Vorderpfoten nur auf der Außenkante aufsetzen. Generell können alle Pangoline auf Bäume klettern – und dabei ist der lange starke Schwanz äußerst nützlich: Er wird zur Sicherung um Ast oder Stamm gelegt.

Das Weißbauch- und das Langschwanzschuppentier aus Afrika sind übrigens gute Schwimmer und leben gern am Wasser.

Keine Zähne? Kein Problem!

Pangoline sind wählerisch: Sie haben es fast ausschließlich auf eiweißreiche Termiten und Ameisen abgesehen. Und dafür sind sie mit ihrem schmalen Kopf und dem langen Kiefer bestens ausgerüstet. Zuerst stöbern sie mit feiner Nase die Beute auf; selbst unterirdische Insekten-Nester sind vor ihnen nicht sicher. Dann schnellt die lange runde Zunge hervor. Sie ist so klebrig, dass Ameisen und Termiten hängenbleiben. Sie werden dann direkt in den Magen transportiert und dort zerkleinert – wozu braucht man da noch Zähne...

Pangoline sind ziemlich gefräßig. Die kleinsten, die so zwischen 25 und 30 Zentimeter lang sind, vertilgen 300 bis 400 Gramm am Tag. Die größten so um die zwei Kilo. Das größte Familienmitglied ist das afrikanische Riesenschuppentier: Es kann 81 Zentimeter lang werden – ohne Schwanz. Der ist auch noch mal bis 70 cm lang.

Warum laufen, wenn man reiten kann...

Pangolin-Weibchen bringen nur ein Junges zur Welt, und das ist schon ziemlich weit entwickelt. Bei den baumbewohnenden Arten bleibt das Kleine etwa eine Woche in der Höhle und reitet dann auf dem Schwanz der Mutter, bis es sich allein ernähren kann. Der Boden-Pangolin wird im unterirdischen Bau geboren und lässt sich nach drei bis vier Wochen von der Mutter ans Licht der Welt tragen.

Schuppentiere trainieren Zollhunde

Das meldete im November 2014 der Zoo Leipzig – der einzige Tierpark in Europa, der ein Pangolin-Pärchen hält. Das scheint ziemlich schwierig zu sein, Pangoline leben und vermehren sich offensichtlich nicht gern in Gefangenschaft. Deshalb weiß man auch nicht sehr viel über ihr Verhalten. Ganz besonders bei der Zubereitung der Mahlzeiten stehen die Zoologen vor großen Herausforderungen, denn Pangoline sind äußerst wählerisch.

Aber zurück zu dem Zollhunde-Experiment: Tou Feng und Quesan, die beiden Chinesischen Schuppentiere in Leipzig, sollten die Hunde der Schweizer Zollfahndung mit ihrem Geruch vertraut machen, um dann geschmuggelte Pangoline oder deren Schuppen auf Flughäfen und Häfen aufzuspüren. Und so legten die Leipziger Tierwärter wochenlang Tücher über die Schlafplätze der Schuppentiere und rieben sie damit auch noch gründlich ab. Dann schickten sie die Tücher in luftdichten Behältern nach Zürich.

Um auf die dramatische Lage der Schuppentiere aufmerksam zu machen haben Tierschützer den 20. Februar zum Welt-Pangolin-Tag erklärt.

Datum: 28.06.2016

131 Bewertungen

Diesen Artikel kommentieren

Wenn Du Fragen zu diesem Artikel hast, schreib uns an info@abenteuer-regenwald.de.

Steckbrief

Lebensraum
In Regenwäldern, Savannen, Buschland – vor allem in tropischen Regionen.
Größe
25 bis 80 cm, je nach Art und ohne Schwanz. Der kann zum Teil noch mal so lang sein
Gewicht
1,6 bis 33 Kilo
Lebenserwartung
in Gefangenschaft rund 13 Jahre, in der Wildnis ist sie nicht bekannt
Nahrung
Ameisen und Termiten
Nachwuchs
1 Junges, das, je nach Art, mit 15 – 30 cm Länge zur Welt kommt. Die Schuppen sind erst weich und härten sich nach ein paar Tagen.

Infografik

Download Infografik über Pangoline

PDF, 770KB

Bastelvorlage

Bastelvorlage „3D-Pangolin“ herunterladen und ausdrucken

PDF, 3MB

Lexikon

Alle Tiersteckbriefe im Regenwald von A–Z

Jetzt lesen