Männlicher Orang-Utan auf Borneo Orang-Utans sind nachdenklich, superschlau, gutherzig, spielerisch – und ziemlich menschlich (Bild: flickr/CIFOR/CC BY-NC-ND 2.0) Zwei Orang-Utans hängen an je einem Arm von einem Ast herunter und küssen sich. Orang-Utans sind nachdenklich, superschlau, gutherzig, spielerisch – und ziemlich menschlich (Bild: Jay Ullal)

Orang-Utans – Die Genies auf den Bäumen

Sie teilen ihre Lieblingsfrucht mit einem guten Freund, sind hilfsbereit und blitzgescheit. Die roten Menschenaffen sind die größten auf Bäumen lebenden Tiere der Erde, affenstark und sanft zugleich. Sie haben so viel mit uns gemeinsam – und doch sind Menschen ihre größte Gefahr. Orang-Utans brauchen dringend unseren Schutz!

Wichtigste Fakten
  • Wo leben Orang-Utans?
  • Welche Fähigkeiten haben sie?
  • Warum sind sie uns so ähnlich?
  • Warum sind sie so stark bedroht?

Millionen Jahre unentdeckt

In grauer Vorzeit lebten wohl Riesen-Orang-Utans auf der Erde. Forscher haben versteinerte Knochen gefunden und vermuten, dass die Menschenaffen noch um ein Drittel größer gewesen sein müssen als heute.
Die roten Riesen bewohnten einst ausgedehnte Regenwaldgebiete in ganz Südostasien. Weit oben in den blätterdichten Kronen der Bäume lebten sie so ungestört, dass westliche Wissenschaftler sie erst vor 300 Jahren entdeckten. Heute gibt es die asiatischen Menschenaffen nur noch in Indonsien: auf Borneo und Sumatra. Ihr Name Orang-Utan bedeutet in der malaiischen Sprache Waldmensch.
Kein Wunder: Der Erbanlagen der großen roten Menschenaffen stimmen zu etwa 97 Prozent mit unseren überein.

2 Inseln mit 3 Arten

Zur Orang-Utan-Familie gehören drei Arten: der Borneo-Orang-Utan, der Sumatra-Orang-Utan und der Tapanuli-Orang-Utan. Dass es drei Arten sind, fanden Forscher aber erst 2017 heraus. Bis dahin glaubte man, dass es nur zwei gibt: eine auf Borneo, eine auf Sumatra. Die Tapanuli-Orang-Utans leben ebenfalls auf Sumatra, in den dichten Bergwäldern im Norden. Sie gehören aber zu einer eigenen Art. Mehr dazu auf einer Extra-Seite.

Man kann die drei Arten ganz gut unterscheiden: Auf Sumatra tragen die Tiere ein intensiver rotes Fell, haben gelbliches Gesichshaar und sind etwas graziler als ihre dunkleren und robusteren Cousins auf Borneo. Das Fell der Tapanuli-Art ist etwas krauser und länger.

männliche Orang-Utans: Borneo, Sumatra, TapanuliVon links: Borneo-Orang-Utan, Sumatra-Orang-Utan und Tapanuli-Orang-Utan. Die Revierchefs sind wahre Paschas, zu erkennen an den markanten Backenwülsten, die sich je nach Art unterscheiden (Bild: Eric Kilby/Aiwok/Tim Laman/CC BY-SA 3.0)

Geniale Luftakrobaten

Sie bewohnen die Baumkronen und haben alles, was sie brauchen für ihr Leben in schwindelnder Höhe: Grips, Mut, Kraft – und überlange Arme. Denn man muss schon genau überlegen und berechnen, wie man sich am besten zum nächsten Urwaldriesen schwingt, um an die begehrten Früchte zu kommen. Oder zum Schlafnest, zu Trinkwasser in Baumlöchern. Oder um einen Freund zu besuchen.
Die Frage ist: Trägt mich der Zweig, mit dem ich mich hinüberschwingen will und ist er lang genug? Und hält der angepeilte Ast mein Gewicht aus? Orang-Utans müssen ihre Klettertouren so planen, dass sie den kürzesten und leichtesten Weg finden. Denn das Futter im Dschungel ist nicht so üppig, wie wir denken. Energie sparen ist deshalb angesagt.

Von ihrem Gedächtnis können wir nur träumen....

Und Energie sparen heißt: Finden, nicht suchen!
Orang-Utans kennen ihr Revier wie wir unsere Speisekammer. Sie wissen genau, wo welche Früchte wachsen und wann sie reif sind.
„Wenn er an einem Baum voller halbreifer Früchte vorbeikommt, merkt er sich die Position und steuert ihn direkt an dem Tag an, wenn die Früchte reif sind. In einem Gebiet von 3 Quadratkilometern kennt er jeden Baum und weiß, wann dort die beste Erntezeit ist.“ Das hat der Forstwissenschaftler und Orang-Utan-Kenner Willie Smits auf Borneo beobachtet. Er ist Mitautor des Buches Die Denker des Dschungels (s. Quellenangabe unten).
Orang-Utans ernähren sich von etwa 300 verschiedenen Früchten – am liebsten fressen sie Feigen. Weil es Obst oder Nüsse nicht immer gibt, vertilgen die Affen auch Blumen und Blätter, Pilze und Bambus, Termiten, Ameisen und Honig.
Und sie haben laut Willie Smits ein besseres Gedächtnis als durchschnittliche Menschen. Die Menschaffen sind uns auch im räumlichen Denken weit voraus und können sich viel besser orientieren.

Orang-Utan mit Kokosmuss, Sarawak, Borneo, MalaysiaEin starkes Gebiss knackt jede Kokosnuss (Bild: Eleifert/CC BY-SA 3.0)

Tausend Farben Grün

Orang-Utans müssen sich schon deshalb ganz genau mit Grünzeug auskennen, weil im Dschungel auch jede Menge Giftpflanzen wachsen.
Experte Willie Smits schätzt, dass jeder Orang-Utan rund 1.000 Urwaldpflanzen näher kennt: essbare, ungenießbare, giftige, heilsame – und sich von gut 500 verschiedenen ernährt.
Apropos Heilkräuter: Die Affen wissen auch genau, welches Kraut gegen Kopfschmerzen, Malaria oder Durchfall hilft...
Und weil die Tiere nicht besonders gut riechen können, erkennen sie die Pflanzen an dem Grün der Blätter. Willie Smits glaubt, dass sie rund tausend verschiedene Grüntöne auseinander halten können!

Ob so ein Blatt genießbar ist, wird vorher vorsichtig geprüft (Bild: Neil/CC-BY 2.0)

Angeln ja – schwimmen ganz ganz selten....

Orang-Utans gehen zwar ins Wasser, aber schwimmen können sie nicht – normalerweise. Der Fotograf Jay Ullal hat jedoch einen Wagemutigen dabei ertappt: Der Affe wollte unbedingt die Früchte am anderen Flussufer verspeisen. Das Bild hat Seltenheitswert.
Beim Angeln kann man die Tiere wohl häufiger beobachten. Orang-Utans sind geschickte Werkzeugmacher: Sie benutzen Zweige und Äste, um Termitennester oder Bienenwaben auszuräubern, oder eben auch Fische an Land zu scheuchen oder aufzuspießen. Und Trinkhalme lassen sich bestens aus aufgerollten Blättern herstellen.

Klammern, spielen, lernen: behütete Kindheit

Alles, was er fürs Leben im Dschungel braucht, lernt der kleine Orang-Utan von seiner Mutter. Ein Jahr lang hängt das Baby ununterbrochen an ihrem Fell, verliert nie den Kontakt zu ihr, auch nicht bei den kühnsten Schwüngen durchs Geäst. Ab dem zweiten Lebensjahr wagt der Nachwuchs schon mal kleine Ausflüge, tobt mit Freunden umher, behält die Mutter aber immer im Blick – und sie ihn. Fünf Jahre lang trinkt das Junge Muttermilch, erst mit acht Jahren wird der kleine Orang-Utan unabhängig und geht seiner Wege.
Die jahrelange Fürsorge für ihre Jungen ist der Grund dafür, warum Orang-Utans insgesamt weniger Nachwuchs haben als alle anderen Säugetiere. Ein Weibchen bringt in ihrem Leben nur drei, höchstens vier Junge zur Welt.

Vom Aussterben bedroht

Die größte Gefahr für unsere nächsten Verwandten im Tierreich sind wir selbst. Noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts haben vermutlich Hunderttausende Orang-Utans die asiatischen Wälder bewohnt – jetzt sind es schätzungsweise noch 50.000 bis 60.000 auf Borneo und 14.000 auf Sumatra. Die Zahlen unterscheiden sich sehr, je nach Quelle. Denn Orang-Utans sind in den Baumkronen schwer zu zählen. Von der Tapanuli-Art gibt es wohl höchstens 800 Tiere.

Hilflos sind die einzigen Menschenaffen Asiens den Menschen ausgeliefert: Der Verlust ihres Lebensraumes für Palmölplantagen, durch Wilderei und Tierhandel haben sie an den Rand des Aussterbens gebracht – obwohl sie streng geschützt sind.
Jeder Orang-Utan braucht etwa drei Quadratkilometer Regenwald, um satt zu werden. Ohne Wald verlieren die Tiere ihre Nahrungsquelle, ihren Schutz und Lebensraum.

Quelle: Informationen und viele Fotos aus dem Buch
Die Denker des Dschungels von Gerd Schuster, Willie Smits und Jay Ullal (Fotos).

Letzte Aktualisierung: 21. August 2021
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Steckbrief

Lebensraum
Borneo und Sumatra/Indonesien
Größe (im Stehen)
Weibchen 110 cm, Männchen 137 cm
Gewicht
Weibchen bis 50 kg, Männchen bis 90 kg
Lebenserwartung
ca. 50 Jahre
Nahrung
Früchte, Blätter, Insekten
Anzahl Junge
ein Junges wird 7 Jahre betreut
Tragezeit
8 – 9 Monate

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