Menschen im Regenwald

eine Indianerin steht mit ausgebreiteten Armen schützend vor einem Regenwald-Riesenbaum Senovia Rios Figueroa aus Peru beschützt den Wald ihres Volkes gegen illegale Holzfäller

In Tausenden von Jahren haben sich die Ureinwohner der Regenwaldländer ihrem grünen Universum angepasst. Sie lernten, von der Natur und all ihren Gaben zu leben, ohne sie zu zerstören. Die Menschen wussten, welches Holz sich für ihre Hütten eignet, wie man ein Dach gegen Regen abdichtet. Sie konnten essbare und nahrhafte Pflanzen, Wurzeln und Beeren von giftigen unterscheiden und kannten das richtige Kraut gegen Kopfscherzen, Wunden, Insektenbisse oder Fieber. Und um die Naturgeister, an die sie glaubten, zu ehren, wählten sie uralte, heilige Bäume oder besondere Orte im Wald.
Und all ihr Wissen gaben die Menschen von Generation zu Generation weiter. Dieses Wissen existiert noch immer, auch wenn immer weniger davon Gebrauch machen können – denn die Tropenwälder rund um den Äquator nehmen dramatisch ab.

Jeder Stamm hat eine eigene Kultur und Sprache

Traditionelle Häuser in Indonesien Die Dayak auf Borneo leben von den Früchten des Waldes
und vom Fischfang

Niemand weiß genau, wie viele Urvölker die Regenwälder der Erde heute bewohnen. Manche sprechen von zwei Millionen Menschen in etwa 1.000 Stämmen. Andere Quellen berichten von rund 60 Millionen Regenwald-Bewohnern; längst nicht alle sind jedoch Ureinwohner. Zu den bekanntesten Naturvölkern Südamerikas gehören die Yanomami, die im Grenzgebiet von Brasilien und Venezuela leben, die Xingu in Brasilien oder die Huaorani in Ecuador. In Afrika bewohnen die verschiedenen Stämme der Pygmäen die tiefen Regenwälder im Kongobecken. Auf der südostasiatischen Insel Borneo, die sich Indonesien, Malaysia und das kleine Köngreich Brunei teilen, heißen die Ureinwohner Dayak. Zu ihnen zählen wohl mehr als 150 verschiedene Stämme.
Die Aborigines in Australien gehören zu den ältesten uns bekannten Ureinwohnern. Ihre Kultur ist seit etwa 50.000 Jahren bis heute überliefert.

Seit den 1980er Jahren bezeichnen wir auf Anregung der Vereinten Nationen die Ureinwohner der Erde auch als „Indigene Völker“. Das bedeutet „in ein Land geboren“ – es sind also die Nachfahren der ersten Siedler in einem bestimmten Gebiet mit eigenen Sprachen, Kulturen und traditionellen Lebensweisen in und von der Natur. Rund 150 indigene Stämme leben sogar ohne jeden Kontakt zur Außenwelt. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Awá im brasilianischen Amazonasgebiet.

Naturvölker sind bedroht

Die Lebensweise und sogar das Überleben der Naturvölker ist jedoch zunehmend bedroht: durch die Abholzung der Wälder, die Zuwanderung von Siedlern und durch eingeschleppte Krankheiten, gegen die die Menschen kaum Abwehrkräfte besitzen. 
Früher, als die Waldregionen noch viel größer waren und die Menschen mehr Platz hatten, zogen die Ureinwohner als Nomaden von einem Ort zum anderen. Später bauten sie sich mehr oder weniger feste Hütten und gingen von dort für Tage oder Wochen auf Wanderschaft und kehrten dann mit ihren erbeuteten Schätzen zurück.
 Sie sind Halbnomaden, doch auch ihre Lebensweise stirbt wegen der schrumpfenden Wälder allmählich aus.

Die Ernten reichen oft nicht zum Leben

Insgesamt leben weltweit noch etwa 300 Millionen Menschen in oder am Rand der Wälder, das schätzt die Welternährungsorganisation FAO. Zu ihnen gehören vor allem die Kleinbauern, die ihre Felder an den Waldrändern anlegen und zusätzlich von seinen Früchten leben. Zum Beispiel von Mangos und Lychees, von Bambussprossen, Pilzen, kleinen Säugetieren und Fischen. Oft bestellten sie ihre Reis- Mais- oder Gemüsefelder ein bis zwei Jahre lang und ziehen weiter, wenn der Boden ausgelaugt ist. Früher kehrten sie erst nach etwa zehn Jahren zurück, damit sich der Boden in der Zwischenzeit erholen konnte. Doch heute gibt es nicht mehr genug Land für die wachsende Zahl der Menschen. Deshalb können sie kaum noch umherziehen, und ihre Ernte fällt auf dem ausgelaugten Boden immer kleiner aus.