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Alles, was du über die Abholzung des Regenwaldes wissen musst

Jeden Tag werden große Flächen Regenwald zerstört. Hier erfahrt ihr, welche Auswirkungen das hat – auf das Klima, auf die Menschen vor Ort und für die ganze Welt. 

Wichtigste Fakten
  • Viele Tier- und Pflanzenarten sterben für immer aus.
  • Das Klima heizt sich weiter auf.
  • Es entstehen immer mehr Savannen und Wüsten.
  • Ureinwohner verlieren ihre Heimat.
  • Es wird schwieriger, neue Medikamente zu entwickeln.
  • Schlimme Krankheiten wie Corona werden wahrscheinlicher.

Auswirkungen auf die Artenvielfalt

Weit mehr als die Hälfte aller derzeit bekannten Tier- und Pflanzenarten leben in den tropischen Regenwäldern. Wenn die Regenwälder verschwinden, verlieren auch die dort beheimateten Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Jeden Tag sterben rund 100 Arten für immer aus. Viele spannende Beispiele zur Artenvielfalt (Biodiversität) könnt ihr auf unserer Extra-Seite lesen.

Eine rot-grau-schwarze Echse sitzt im dichten Blattwerk und ist gut getarntEchse im Regenwald Costa Ricas. Das lateinamerikanische Land ist Heimat ganz besonders vieler Tier- und Pflanzenarten, viele gibt es nur dort. Wenn ihr Wald zerstört wird, werden sie für immer von der Erde verschwinden (Bild: jenni miska/unsplash)

Auswirkungen auf das Klima

Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Denn sie entziehen der Atmosphäre das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) und speichern es als Kohlenstoff in der Vegetation und im Boden. Tropische Regenwälder und Torfmoore speichern besonders viel Kohlenstoff: bis zu sechsmal mehr als heimische Wälder. 
Allein der Amazonas-Regenwald schluckt etwa zwei Milliarden Tonnen CO2 im Jahr. (Quelle: mongabay).
Wird der Regenwald abgeholzt oder abgebrannt, entweicht der gespeicherte Kohlenstoff wieder. Er gelangt als CO2 in die Luft. Das Ausmaß dieses Problems ist gigantisch: Die Rodung tropischer Regenwälder macht zwischen 8 und 11 Prozent des weltweiten Ausstoßes von CO2aus. Das ist etwa dreimal so viel wie alle Flugzeuge der Welt. 

Infografik CO2-Speicherung durch regenwald und Verlust durch AbholzungDie Zerstörung tropischer Regenwälder macht zwischen 8 und 11 % des weltweiten Ausstoßes von CO2 aus. Denn Tropenwälder und Torfmoore speichern besonders viel Kohlenstoff (Download rechts). Quellen: GFW/FAO/USDA (2017)

Warum das ein Problem ist? Ganz einfach: Zuviel CO2 in der Luft heizt die Erde auf. Denn das Gas wirkt wie das Glasdach eines Treibhauses: Es lässt warme Sonnenstrahlen auf die Erde kommen, hindert sie aber daran, wieder ins Weltall zurückzuschießen. Dadurch wird es bei uns auf der Erde immer wärmer – wie in einem Treibhaus eben. Und diese Erderwärmung kann schlimme Folgen haben: Schon wenige Grad mehr sorgen für schmelzende Eisberge, steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen, Stürme und Dürren. 

Auswirkungen auf den Wasserkreislauf

Der Regenwald bewässert sich zum großen Teil selbst. Das läuft nach einem ganz einfachen Prinzip ab:

  • Durch die tropische Hitze verdunsten jeden Tag gigantische Mengen Wasser aus den Bäumen des Regenwalds. So kann zum Beispiel ein einzelner Baum bis zu 1.000 Liter Wasser am Tag in die Atmosphäre abgeben (externer Link zum Handelsblatt).
  • Der Dampf steigt auf, kühlt ab und wird zu Wolken. 
  • Diese Wolken regnen dann direkt wieder über dem Regenwald ab – und liefern so das Wasser, damit der Kreislauf von Neuem beginnen kann. 
Wasserkreislauf im Regenwald (Download rechts)

Das Problem: Dieses Prinzip funktioniert nur, solange der Regenwald eine gewisse Größe hat. Wenn zu viel Wald abgeholzt wird, verdunstet zwar weiterhin Wasser aus den noch vorhandenen Bäumen. Es regnet dann aber woanders ab oder fällt auf leere, gerodete Flächen und versickert da einfach. In der Folge bekommt der Regenwald nicht mehr genug Wasser, um seine vielen Pflanzen und Tiere zu versorgen. Aus Regenwald wird Steppe oder sogar Wüste. 

Möchtest du einmal selber erfahren, wie der Wasserkreislauf funktioniert?

Dann probiere unser Experiment für zu Hause:

Aufforstung wird immer schwieriger

Jetzt könnte man denken: Kein Problem. Wenn der Regenwald weg ist, pflanzen einfach neuen Regenwald, dann wird das wieder. So einfach ist das aber leider nicht. Denn anders als in unseren Wäldern bildet sich auf den Böden in den tropischen Regenwäldern keine fruchtbare Humusschicht: Durch das ganzjährig feuchtwarme Klima wird jedes herabfallende organische Material (zum Beispiel Blätter, Pflanzenreste, Stängel oder tote Insekten) sofort von Bakterien und Pilzen zersetzt. Die Nährstoffe, die durch diesen Zersetzungsprozess frei werden, werden von den feinen Baumwurzeln sofort wieder aufgenommen. 

Solange also viele Bäume vorhanden sind, bleiben die Nährstoffe auch ohne Humus in der Vegetation erhalten. Wird der Regenwald jedoch abgeholzt, schwemmt der viele Regen die dünne nährstoffreiche Erdschicht ganz schnell weg. Daher ist es fast unmöglich, größere kahle Flächen wieder mit Regenwald zu bepflanzen. 

Ein mann steht vor abgeholztem Torfwald, die Fläche wird von einem Bewässerungsgraben durchschnittenEin Ureinwohner von Sarawak auf Borneo beklagt den Verlust eines wertvollen Torfregenwaldes (Bild: Mathias Rittgerott/RdR)

Auswirkungen auf die Menschen vor Ort

In den Regenwäldern leben nicht nur unzählige Pflanzen und Tiere – auch viele Menschen nennen diese Wälder ihr Zuhause. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Awá-Indianer in Brasilien, Pygmäen in Afrika, Penan in Malaysia und viele andere Völker.

Wird ein Wald zerstört, werden dadurch auch diese Menschen vertrieben, deren Vorfahren Tausende von Jahren im und vom Wald gelebt und ihn immer bewahrt haben. Denn wenn die Bulldozer der Holzfirmen die Pflanzen und Tiere vernichten, wird auch die „Vorratskammer” der Waldmenschen geplündert. 

Zusätzlich leiden Millionen von Kleinbauern unter der Regenwaldvernichtung, denn sie brauchen intakte Wälder als Wasserspeicher, der Regen- und Trockenzeiten ausgleicht. 

Ein Junge mit Körperbemalung und buntem Federschmuck auf dem Kopf umarmt einen dicken BaumstammDer Junge aus dem Volk der Surui im Nordosten Brasiliens will den Baum seiner Familie vor der Abholzung beschützen

Auswirkungen auf Menschen überall auf der Welt

Lange Zeit war der Regenwald riesig groß und undurchdringlich. Die meisten Tiere, die darin lebten, haben nie einen Menschen gesehen. Und die Menschen, die im Urwald gelebt haben, haben diesen selbst nur selten verlassen. 

Heute wird der Regenwald immer mehr zerstückelt. Tiere haben kaum mehr Rückzugsorte und kommen darum immer mehr mit Menschen aus aller Welt in Kontakt. Das führt dazu, dass Viren von Tieren auf Menschen überspringen. So etwas ist bei Krankheiten ganz normal: 70 Prozent aller Keime, an denen Menschen erkranken, kommen ursprünglich aus dem Tierreich. Das war bei HIV/Aids so, bei Ebola, SARS und auch bei der Vogelgrippe. 

Und auch Corona ist sehr wahrscheinlich auf diese Weise entstanden. Wissenschaftler vermuteten lange, dass es ursprünglich von einer Fledermaus in China stammt. Diese Vermutung haben Experten von der Weltgesundheitsorganisation im Februar 2021 nach ihrem China-Besuch bekräftigt. (Hier erfahrt ihr mehr darüber, wie Naturzerstörung und Corona zusammenhängen.)

Dazu kommt, dass es durch das Aussterben der vielen tropischen Tier- und Pflanzenarten immer schwerer wird, im Urwald Lebewesen zu finden, aus denen wir Medizin gegen schlimme Krankheiten gewinnen könnten. Dabei basiert fast die Hälfte aller Arzneimittel auf Stoffen, die wir in der Natur gefunden haben. 

Auch darum ist der Verlust jedes Quadratmeters Regenwald eine echte Tragödie. Doch es gibt eine gute Nachricht:

Auch du kannst etwas tun!

Denn wir sind nicht so machtlos, wie wir vielleicht glauben – wenn im fernen Brasilien, Indonesien oder im Kongo die Regenwälder abgeholzt werden. Weil viele Produkte, für die dort die Natur zerstört wird, von uns gekauft werden.
Zum Beispiel Rohstoffe im Smartphone, Soja im Kraftfutter für die Massentierhaltung, Palmöl in Fertigprodukten oder Holz für unser Papier.

Wenn du das weißt, kannst du selbst entscheiden, worauf du verzichten oder womit du sparsamer umgehen willst. 
Wenn nicht, findest du 15 Anregungen bei unseren Alltagstipps.

Und – ganz wichtig: Gib dein Wissen weiter, erzähle anderen davon, was du ganz pesönlich tust, damit die Regenwälder weiterleben. 

Letzte Aktualisierung: 14. November 2022
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