Corona-Virus: Regenwaldschutz ist auch unser Schutz

Vom Aussterben bedrohtes Pangolin bzw. Schuppentier Pangoline sind streng geschützt – und landen trotz Verbot auf Chinas Wildtiermärkten. Möglicherweise hat ein Schuppentier das Corona-Virus an Menschen weitergegeben (Bild: Rare & Endangered Species Trust)

Wenn wir Regenwälder roden, verlieren auch zahlreiche Tiere ihren Lebensraum – und kommen den Menschen näher. Deshalb haben es Viren viel leichter, auf Menschen überzuspringen. Weit mehr als die Hälfte der bekannten Erreger stammen ursprünglich aus dem Tierreich. Das sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze Anfang April auf einer Pressekonferenz. Und nannte die Corona-Pandemie einen „echten Weckruf“ für mehr Naturschutz.

Ein Wildtiermarkt im chinesischen Wuhan: Dort soll sich ein Mensch zum ersten Mal mit dem neuen Corona-Virus angesteckt haben. Und es deute viel darauf hin, dass es ursprünglich von Fledermäusen komme. Das sagt die Virologin Sandra Junglen von der Berliner Charité.

Fledermäuse leben mit Corona-Viren

Allein in Fledermäusen und Flughunden, so Wissenschaftler, leben mehr als 3.000 Corona-Viren. Den Tieren können diese Viren offensichtlich nichts anhaben.
Doch Fledermäuse leiden wie viele andere Tiere unter dem Verlust ihres Lebensraumes. Durch die Abholzung der Wälder kommen sie den Menschen immer näher. Anders als die meisten Wildtiere, können Fledermäuse am Rande von Dörfern und Städten aber ganz gut überleben: In Ställen und Scheunen finden sie Schutz, ernähren sich von Obst sowie von Insekten, die sie im Licht der Siedlungen zahlreich erbeuten.
Durch diese Nähe steigt die Gefahr, dass sich Menschen mit dem Fledermaus-Virus anstecken und es sich dann rasend schnell verbreitet.
Im Falle des neuen Corona-Virus vermuten Forscher allerdings, dass sich der Mensch nicht direkt bei einer Fledermaus angesteckt hat, sondern durch ein anderes Wildtier, das sich bei der Fledermaus zuvor selbst angesteckt hatte. Es könnte ein Pangolin gewesen sein. Das Fleisch und auch die Schuppen dieses seltenen Säugetieres sind bei Asiaten sehr beliebt. Die Schuppen sollen angeblich wundersame Heilkräfte besitzen, glauben sie. Dabei ist der Handel mit allen acht Pangolin-Arten streng verboten.

Die meisten Viren kommen von Wildtieren

Es sei bekannt, dass 70 Prozent aller Erreger, an denen Menschen erkranken, ursprünglich aus dem Tierreich stammen, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Das sei bei HIV/Aids so gewesen, bei Ebola, Sars und auch bei der Vogelgrippe.
Viele der neueren Krankheiten entstehen in Afrika, meinen Forscher. Ein Grund: Auf Märkten wird traditionell „Buschfleisch“ verkauft, also Wildtiere wie Affen und Antilopen. Das Fleisch wird meist nur kurz über offenes Feuer gehalten, sodass es halbroh bleibt und Erreger nicht abgetötet werden.

„Unser Lebensstil zerstört Natur“

Wenn Ökosysteme zerstört werden, teilen sich die überlebenden Arten die kleiner werdenden Lebensräume mit dem Menschen. Diese unnatürliche Nähe begünstige das Überspringen der Erreger von Tieren auf Menschen.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Unser Lebensstil trägt ganz maßgeblich dazu bei, dass Natur zerstört wird.“ Konkret nannte sie die Importe von Soja oder Palmöl, für deren Anbau große Flächen in anderen Ländern benötigt werden. Dafür würden in großem Stil Regenwälder vernichtet.

Artenvielfalt schützt uns vor Viren

Wenn tierische Krankheiten auf den Menschen überspringen, sprechen Wissenschaftler von Zoonose. Und diese Übertragungen nehmen zu.
Einerseits, weil Menschen den Wildtieren immer näher kommen: Sie roden Regenwälder, bauen Siedlungen oder legen Plantagen aus Ölpalmen und Soja an.
Andererseits nimmt die Artenvielfalt ab, und in den tropischen Regenwäldern leben ja besonders viele Tierarten.
Aber was hat die Artenvielfalt mit dem Überspringen von Viren auf den Menschen zu tun?
Das fanden Forscher*innen der Universität Ulm heraus: Im ungestörten Regenwald verteilen sich die Tierarten besonders gut. Denn durch das knappe Nahrungsangebot findet jede Art eine eigene Nische zum Überleben. So leben viele unterschiedliche Arten oft dicht beieinander. Dadurch finden die Viren viel schwieriger passende Wirte, so die Ulmer Zoologin Simone Sommer. Denn Viren müssen sich jeder anderen Tierart einzeln anpassen. Je mehr Arten an einem Ort leben, desto komplizierter für das Virus.
Wenn durch die Abholzung der Regenwälder immer weniger Tierarten überleben, hat es das Virus leichter, sich auszubreiten – schließlich auch auf die Menschen.
Deshalb sind der Umweltschutz und die Bewahrung der Regenwälder der beste Schutz gegen die Übertragung der Viren von Wildtieren auf Menschen, so die Ulmer Uni-Professorin Simone Sommer.

Quellen: ZDF, Süddeutsche Zeitung

 

Letzte Aktualisierung: 8. April 2020
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