Kugelgürteltier –
bei Gefahr macht es sich rund

zusammengerolltes Kugelgürteltier Wenn das Kugelgürteltier auch noch den Kopf einzieht, kann ihm niemand etwas anhaben. Foto: fotolia

Gürteltiere sehen aus wie Urzeit-Geschöpfe – kein Wunder: Sie leben seit rund 60 Millionen Jahren auf dem südamerikanischen Kontinent. Erst als Süd- und Nordamerika zusammenwuchsen, wanderten zwei der 21 Arten auch über die Landbrücke nach Norden. Hier geht es aber vor allem um das Kugelgürteltier, das hauptsächlich in Brasilien.

Steckbrief

Arten:
Nördliches und Südliches Kugelgürteltier (auch Dreibindengürteltier)
Lebensraum:
Mittleres Südamerika
Größe:
rund 30 Zentimeter
Gewicht:
rund 1,5 Kilo
Lebenserwartung:
bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Nahrung:
Insekten und ihre Larven, am liebsten Ameisen und Termiten
Anzahl Junge:
eins
Tragezeit:
120 Tage

Panzer mit Gürtel. Eine geniale Idee …

… um für das Leben gewappnet zu sein. Denn der Panzer des Gürteltiers ist nicht wie bei der Schildkröte ein starres Ganzkörper-Korsett. Er wölbt sich nur über Rücken, Kopf und Schwanz, der behaarte Bauch bleibt frei. Genial an diesem Panzer: Er wird durch Hautfalten in der Mitte unterbrochen. Dazwischen liegen Ringe aus Knochen, die aussehen wie Gürtel. Das Kugelgürteltier besitzt 3 Ringe und heißt deshalb auch Dreibinden-Gürteltier. Seine Gestalt macht es so biegsam, dass Feinde verzweifeln:

Hier beißt sich der Fuchs die Zähne aus

Die beiden Arten der Kugelgürteltiere bewohnen das offene Grasland, die Dornenbuschsavannen und trockenen Wälder in der Mitte Südamerikas: Brasilien, Bolivien, Paraguay und Nordargentinien. Das Nördliche Kugelgürteltier ist ausschließlich in Brasilien zu Hause – so wurde es zum Maskottchen der Weltmeisterschaft. Droht Gefahr, macht es sich rund. Die Beine versteckt es im Innern der Kugel, gepanzerter Kopf und Schwanz bilden den Deckel. Keine Chance für Mähnenwolf und Fuchs oder sonstige Räuber. Allein der Mensch ist eine Gefahr für das Kugelgürteltier. Weil das Fleisch so gut schmeckt und der Lebensraum verschwindet.

Immer der Nase nach

Gürteltiere besitzen einen unglaublichen Geruchssinn – selbst in 20 Zentimetern Tiefe sind Würmer, Insekten und andere Beute vor ihrer Nase nicht sicher. Und Graben ist auch ihre Stärke. Mit ihren kräftigen Krallen schaufeln sie Insekten und deren Larven aus der Erde. Kugelgürteltiere können mit den Klauen sogar die Bauten von Termiten aufbrechen, denn die sind neben Ameisen ihre Lieblingsspeise. Die Insekten werden dann mit der langen klebrigen Zunge aus dem Versteck geklaubt.

Ganz schön sportlich!

Laufen, Springen, Schwimmen – ihr Panzer hindert Gürteltiere nicht an Höchstleistungen:
Werden sie verfolgt, können sie von jetzt auf gleich einen schnellen Galopp hinlegen. Über kurze Strecken schütteln Gürteltiere sogar einen Menschen ab. Erschrickt es sich, hüpft es bis zu 80 Zentimeter in die Luft.
Beim Schwimmen und Tauchen hat das Neunbinden-Gürteltier die Nase vorn. Will es einen Fluss überqueren, hat es zwei Möglichkeiten zur Auswahl – je nachdem, wie tief das Wasser ist oder wie weit es schwimmen will: Für größere Entfernungen pumpt es Luft in Magen und Darm, so geht es beim Paddeln nicht unter. Flache Gewässer durchquert es tauchend auf dem Grund.

Wohnen: Am liebsten im Dunkeln

Gürteltiere sind nachts aktiv – den Tag verschlafen sie in ihrer unterirdischen Höhle, meist 16 Stunden lang. Vom Neunbinden-Gürteltier weiß man, dass es bis zu sechs Minuten die Luft anhalten kann, damit es beim Graben nicht an der Erde erstickt. Kugelgürteltiere suchen sich eher einen von anderen Tieren verlassenen Bau oder schlafen im dichten Gestrüpp.
Gürteltiere sind übrigens Einzelgänger.

Von Zwergen und Riesen: Die Gürteltierfamilie

21 Arten sind heute bekannt – und die sehen zum Teil sehr unterschiedlich aus:
Das Riesengürteltier kann mehr als einen Meter lang werden, bis 50 Kilo schwer und frisst neben Insekten sogar kleinere Echsen und Schlangen.
Der Zwerg in der Familie ähnelt einem 15 Zentimeter kleinen Maulwurf, wiegt 90 Gramm und heißt Gürtelmull. Dazwischen gibt es Nacktschwanzgürteltiere, Borstengürteltiere, Langnasengürteltiere – und das bekannteste von allen: das Neunbinden-Gürteltier. Es kommt am häufigsten vor und ist deshalb am besten erforscht. Es ist rund 50 Zentimeter lang und wiegt um die sechs Kilo. Die Weibchen bringen übrigens immer eineiige Vierlinge zur Welt.

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Datum: 28.05.2014