ein Kolibri fliegt die Blüte des Fackel-Ingwer an Zur Familie der Kolibris gehören 300 Arten – und alle sind in Südamerika beheimatet (Bild: Konrad Wothe)

Warum die Vielfalt in der Natur so wichtig für uns ist

Vor rund vier Milliarden Jahren begann das Leben auf der Erde. Im Laufe dieser unendlich langen Zeit entwickelten sich die unterschiedlichsten Lebensräume: Tropische Regenwälder und baumlose Tundra, Savannen und Wüsten, Korallenriffe und Mangroven.

Eine unvorstellbare Artenfülle eroberte sich den Planeten. Dieser biologische Reichtum ist die Grundlage für alles Leben – und gleichzeitig stark bedroht. Wie konnte es nur so weit kommen? Und was können wir tun?

Wichtigste Fakten
  • Was versteht man unter Biodiversität?
  • Wie viele Arten leben auf der Erde?
  • Warum ist die Artenvielfalt so wichtig?
  • Was können wir tun, um sie zu bewahren?

Was ist Biodiversität?

Sie ist die Biologische Vielfalt oder auch Vielfalt des Lebens auf der Erde. Sie umfasst drei eng miteinander verbundene Bereiche:

  1. Die Vielfalt der Lebensräume (Ökosysteme) wie Wälder und Meere, Steppen und Wüsten, also die gesamte Natur auf unserem Planeten. Dazu gehören auch die Lebensgemeinschaften, die sich im Laufe der Milliarden Jahre unserer Erdgeschichte entwickelt haben: Zwischen Tieren und Pflanzen, Tieren und Tieren oder Pflanzenarten untereinander.
  2.  Die Vielfalt der Arten von Tieren und Pflanzen – vom Elefanten bis zur Ameise, vom Urwaldriesen bis zur kleinsten Orchidee.
  3. Die Vielfalt innerhalb einer Art. So gibt es zum Beispiel bis zu 180.000 Schmetterlings-Arten oder 30.000 Orchideen-Arten. Aber nur 2 Gorilla-Arten (mit jeweils 2 Unterarten).

 

Wie ist die Biodiversität weltweit verteilt?

Die biologische Vielfalt nimmt von den Polen zum Äquator hin zu. Eine Ausnahme sind allerdings die eher lebensfeindlichen Wüsten.
Mit rund 78 Prozent leben die meisten Tier- und Pflanzenarten an Land, 17 Prozent im Wasser.
Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und vielfältigsten Ökosystemen der Erde. Rund die Hälfte aller derzeit bekannten Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern, obwohl sie nur gut 7,4 Prozent der Landfläche bedecken. Warum das so ist, erfahrt ihr hier.

Besonders artenreiche Gebiete liegen in Amazonien, auf der Insel Madagaskar, in Südostasien und im afrikanischen Kongobecken. Allein in Brasilien gibt es 9.000 verschiedene Baumarten – in Deutschland sind es nur 70. Und auf einem einzigen Regenwald-Baum können mehr Insektenarten leben als in ganz Europa. Deutschland ist im Vergleich dazu ein relativ artenarmes Land.

 

Wie viele Arten gibt es auf der Erde?

Die genaue Anzahl ist noch unbekannt. Derzeit sind etwa 2 Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit wissenschaftlich beschrieben.
Drei Viertel aller Arten sind wirbellose Tiere (Insekten, Spinnentiere, Krebstiere) und nur etwa vier Prozent sind Wirbeltiere (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere). Ein Fünftel aller bisher erforschten Arten sind Pflanzen.
Experten des Internationalen Biodiversitätsrates (IBPES) schätzten die Anzahl der Arten 2019 auf acht Millionen!
Jedes Jahr werden ca.18.000 neue Arten beschrieben. Erst 2017 haben Wissenschaftler zum Beispiel eine dritte Orang-Utan-Art entdeckt: den Tapanuli-Orang-Utan auf Sumatra. Bisher hatte man ihn zu der schon bekannten Sumatra-Orang-Utan-Art gezählt. Der dritte in der Familie der asiatischen Menschenaffen ist der Borneo-Orang-Utan.

ein großer Orang-Utan sitzt auf dem Ast eines Urwaldbaumes, die roten Haare stehen ihm zu BergeErst 2017 entdeckte man, dass der Tapanuli-Orang-Utan eine eigenständige Art ist. Nur 800 Tiere dieser extrem seltenen Art leben auf der indonesischen Insel Sumatra (Bild: Wikimedia/Tim Laman (CC-BY 4.0))

Warum müssen wir die Artenvielfalt unbedingt schützen?

Vor allem: Weil sie Erde so viel ärmer wäre ohne ihre unglaublichen Naturschätze. Was wären Afrikas Regenwälder ohne die Waldelefanten, die inzwischen vom Aussterben bedroht sind? Oder Amazonien ohne das Zwergseidenäffchen, den kleinsten Primaten der Welt? Jedes Tier und jede Pflanze hat seinen und ihren Ort und Aufgabe im Ökosystem Erde. Und wir können darüber staunen. Aber nicht nur das:
Die biologische Vielfalt hat auch für das Leben der Menschen, ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen eine zentrale Bedeutung. Alle Menschen auf dieser Welt sind direkt oder indirekt auf eine vielfältige Natur angewiesen. Je höher die Biodiversität, desto besser können sich Arten und Lebensräume an veränderte Umweltbedingungen anpassen.

Warum ist die Biodiversität bedroht?

Der Mensch und sein hoher Rohstoff-Verbrauch ist der Hauptgrund für den rasanten Verlust an biologischer Vielfalt weltweit. In den Tropenländern werden Regenwälder abgeholzt für zum Beispiel Palmöl in unseren Lebens- und Reinigungsmitteln, Soja im Tierfutter, Rohstoffe im Handy oder für Papier.

Gibt es auch gute Nachrichten?

Es gibt auch kleine Hoffnungsschimmer: Einige EU-Länder haben für den Naturschutz etwas getan. So konnten seit 2010 bis zu 25 Vogel- und Säugetierarten vorläufig vor dem Aussterben gerettet werden, darunter der Papageientaucher und der europäische Biber. Auch die Rückkehr des Wolfes in Deutschland ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Trotzdem zählt er weiterhin zu den vom Aussterben bedrohten und streng geschützten Tierarten.
Auch weltweit gibt es Erfolge im Artenschutz. Das Goldene Löwenäffchen aus Brasilien war bereits vom Aussterben bedroht. Die kleinen Primaten konnten jedoch erfolgreich nachgezüchtet und ausgewildert werden und können sich in einem Schutzgebiet wieder vermehren. Heute ist das Goldene Löwenäffchen „nur“ noch stark gefährdet.

Familie des Goldenen LöwenäffchensDie Familie der Goldenen Löwenäffchen wird in Schutzgebieten wieder größer (Bild: Steve, CC BY-SA 2.0)

Das könnt ihr tun

Wir alle haben es in der Hand, die Vielfalt der Naturschätze zu bewahren. Denn wir alle verbrauchen Rohstoffe. Wenn wir sie achtsam und sparsam nutzen, ist schon viel getan.

Mit diesen Alltags-Tipps schützen wir auch die biologische Vielfalt:

  • Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt. 
  • Regional und Bio: Für ökologisch angebaute Lebensmittel braucht man keine riesigen Monokulturen, chemischen Dünger und Pflanzenschutzmittel. Wenn wir regionale Produkte kaufen, sparen wir zudem Unmengen an Energie!
  • Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Smartphone? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder aus Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu!
  • Werde Bienenfreund*in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  • Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker*innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Noch mehr Alltags-Tipps findet ihr hier.

 

Quellen:
Martina Wiesmayr für Rettet den Regenwald e.V.
Weltbiodiversitätsrat IPBES
UN-Konvention der Biologischen Vielfalt (CBS)
Buchtipp: Was hat die Mücke je für uns getan? Endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet (Oekom-Verlag)
Biodiversitätsziele
 

 

Letzte Aktualisierung: 15. September 2021
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