Biosprit im Tank frisst den Regenwald Biokraftstoffe enthalten Palmöl – aber für den Anbau von Palmöl wird Regenwald gerodet

Biodiesel und E10 – was macht Regenwald im Autotank?

Autofahren und trotzdem das Klima schonen – das wollen die Regierungen in Deutschland und Europa seit fast 20 Jahren. Warum das nicht so einfach ist, hat verschiedene Gründe. Wir erklären sie euch und was ihr tun könnt, um den Regenwald zu schützen.

Wichtigste Fakten
  • Ist Biosprit umweltfreundlich?
  • Was ist E10?
  • Was ist Agrosprit?
  • Schont Biosprit wirklich das Klima?
  • Welche Entscheidungen treffen die Politiker?

Um Autofahren klimafreundlicher zu machen, verpflichten die Regierungen in Deutschland und Europa die Mineralölfirmen, dem Benzin und Diesel einen „sauberen“ Kraftstoff beizumischen, der aus Pflanzen hergestellt wird. Seitdem sprechen wir von Biodiesel und Biobenzin (z. B. E10).

Das Problem: Es gibt bei uns gar nicht genug Ackerfläche, um die geforderte Pflanzenmenge für unsere Autotanks anzubauen. Also wird der pflanzliche Rohstoff importiert – das ist außerdem billiger. Die Folge: Für den massenhaften Anbau von Palmöl oder Zuckerrohr werden in Asien und Südamerika die Regenwälder abgeholzt.

Was ist denn eigentlich Biosprit?

Für die Herstellung von Biosprit wird herkömmlicher Treibstoff aus Erdöl mit Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen gemischt. Für Diesel und Benzin kommen aber unterschiedliche Pflanzen in Frage:

  • Raps, Ölpalmen, Soja und Sonnenblumen sind die wichtigsten Pflanzen für Biodiesel. Ihre Früchte und Samen werden ausgepresst und die gewonnenen Öle in Raffinierien zu Kraftstoff verarbeitet. Bei Biodiesel beträgt der Anteil von Pflanzenkraftstoff bis zu 7 Prozent.
  • Gerste, Mais, Weizen, Zuckerrübe und Zuckerrohr sind der Grundstoff für Biobenzin wie E10. Diese zucker- und stärkehaltigen Pflanzen werden vergoren und destilliert. Aus dem so gewonnenen Alkohol entsteht Ethanol. So steht das E bei E10-Benzin für Ethanol, die 10 bedeutet, dass es 10 Prozent Pflanzenkraftstoff enthält. Superbenzin enthält bis zu 7 Prozent Pflanzenkraftstoff.

Warum gibt es Biosprit?

Erstens: Weil die Erdölvorräte abnehmen, aber weltweit immer mehr Menschen Auto fahren. In Deutschland zum Beispiel wurden 2019  47,7 Millionen Personenkraftwagen zugelassen, Platz 1 in Europa (Quelle: Statista). Durch Pflanzenkraftstoff soll Erdöl immer mehr ersetzt werden.

Zweitens: Man muss dringend etwas für das Weltklima tun. Denn die Verbrennung von Erdöl setzt gewaltige Mengen an Schadstoffen und Treibhausgasen wie CO2 frei.

Deshalb fördern die Bundesregierung und die Europäische Union mit Gesetzen und sehr viel Steuergeldern die Herstellung der Pflanzenenergie für Benzin und Diesel.

Ist Biosprit besser für das Klima?

Leider nein – ganz im Gegenteil. Wissenschaftler haben sogar bewiesen, dass zum Beispiel Biodiesel aus Palm-, Raps- oder Sojaöl für das Klima noch schädlicher ist als Erdöl.
Der Grund: Der Anbau der Pflanzen kostet viel Energie aus Kohle oder Erdöl. Dazu gehören die Bestellung der Felder, Erntemaschinen, Transport, Lagerung und die Verarbeitung zum Kraftstoff. Dadurch wird sehr viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Auch durch die (Brand-)Rodung von Regenwäldern für den Anbau von z.B. Palmöl entsteht viel CO2.
Außerdem müssen die Felder gedüngt werden, um viel Ertrag zu bringen. Aus chemischem Dünger entweicht aber jede Menge Lachgas – und Lachgas heizt die Atmosphäre noch 300 mal stärker auf als CO2.
Laut der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) ist Biodiesel mit Palmöl sogar 3 mal klimaschädlicher als rein fossiler Diesel aus Erdöl. Das ergab eine Studie, die die EU selbst in Auftrag gegeben und erstmal unter Verschluss gehalten hat.

Abholzung auf Borneo für PlantagenAuch für Bio-Diesel werden Bäume abgeholzt – wie hier auf der indonesischen Insel Borneo (Bild: SOB)

Warum heißt es eigentlich Biosprit oder Biodiesel?

Alle Welt sagt Biosprit, weil hier Pflanzen in den Tank kommen. Doch weil wir unter „bio" ja eher „naturverträglich" verstehen, verwenden viele Umweltorganisationen den Begriff Agrosprit (oder Agrarsprit). Denn mit der sogenannten grünen Energie vom Acker fahren wir keineswegs umweltschonend Auto.
Gerade hat auch der Duden den Begriff „Agrosprit“ in die deutsche Rechtschreibung aufgenommen. Weil Biosprit aber im Moment noch gebräuchlicher ist, bleiben wir hier bei diesem Wort.

Welches sind die größten Probleme durch Biosprit?

  1. Landraub und Regenwaldrodung

    Weil wir immer mehr Pflanzen-Kraftstoff wollen, müssen auch immer mehr geeignete Pflanzen angebaut werden. Deshalb fressen sich die riesigen Plantagen aus Ölpalmen, Soja und Zuckerrohr immer weiter in die Tropenwälder Asiens, Südamerikas und Afrikas hinein.
    Doch nicht nur die Regenwälder werden abgeholzt, auch die Menschen, die von und mit ihnen leben, werden brutal vertrieben. Zu ihnen gehören vor allem die Ureinwohner und Kleinbauern.

  2. Hunger auf der Welt

    Sämtliche Pflanzen, die dem Benzin und Diesel beigemischt werden, sind Nahrungsmittel.
    Weil immer mehr davon in den Autotanks landen, müssen auch immer mehr Menschen hungern. Und wenn die Nahrungsmittel knapp werden, steigen auch die Preise.
    Um einen Liter Benzin herzustellen, braucht man zum Beispiel 2,6 Kilo Weizen. Daraus könnte man auch 3 Brote zu je einem Kilo backen.

  3. Wasserverbrauch und -Verschmutzung

    Man braucht bis zu 3.500 Liter Wasser, um einen Liter Biodiesel herzustellen – das sind 25 volle Badewannen. Es fließt häuptsächlich in die Bewässerung der riesigen Plantagen und in die Verarbeitung der Pflanzen zu Kraftstoff. Die Wasserversorgung ist aber eines unserer ganz großen Probleme:
    Laut Unicef haben 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser.
    Außerdem verseuchen Dünger und Unkrautvernichter aus den Plantagen die Flüsse, Seen und Böden in der Umgebung.

 

Was tut die Politik?

Jahrelang haben Wissenschaftler, Umweltschützer und Menschenrechtler dafür gekämpft, dass weder Palmöl noch andere Nahrungsmittel als Biokraftstoff in Autotanks verbrannt werden dürfen. Und dass wir nicht auf Kosten der Regenwälder Auto fahren dürfen.
Doch alle Studien und Appelle führten nur zu einem sehr kleinen Schritt:
Im März 2019 hat die EU-Kommission ein Gesetz vorgelegt, dass die Beimischung von Palmöl im Diesel ab 2023 reduzieren und bis zum Jahr 2030 beenden soll. Denn auch sie hat mittlerweile erkannt, dass Palmöl als Kraftstoff nicht nachhaltig ist. Anders, als all die Jahre zuvor.
Nun sind die Mitgliedsstaaten am Zug. Sie können die Beimischung von Palm- und Sojaöl im Biokraftstoff schon viel früher beenden. Deutschland sollte hier dem Beispiel Frankreichs folgen. Bereits im Dezember 2018 hat die französische Nationalversammlung beschlossen, Palmöl bis 2020 aus dem Biosprit zu verbannen.

Nachhaltigkeit? Gibt es nicht

In Deutschland wollen Politiker und die Biodiesel-Industrie Palmöl weiter nutzen und berufen sich auf Nachhaltigkeitssiegel. Das sind freiwillige Siegel, mit denen die Industrie angibt, dass sie nur nachhaltig angebaute Rohstoffe verwendet hat.
Doch Nachhaltigkeit beim Anbau dieser riesigen Monokulturen gibt es nicht. Auch mit Siegel werden Regenwälder abgeholzt und Menschen für die Plantagen vertrieben. Das bezeugen nicht nur die Bewohner in den betroffenen Regenwaldländern, sondern Besuche und Studien von Umweltschützern und zahlreiche Dokumentationen wie z.B. dieser TV-Bericht im NDR-Magazin Panorama:

Sind Stroh und Altöl die Lösung?

Nun sieht also auch die EU den Anbau von Pflanzen wie Ölpalmen oder Mais zur Herstellung von Biosprit kritisch. Deshalb sollen künftig sogenannte „fortschrittliche Biokraftstoffe“ dem herkömmlichen Benzin und Diesel beigemischt werden. Dazu gehören zum Beispiel Pflanzenabfälle wie Stroh, Altholz, Restholz und auch Altöl, Fette und tierische Abfälle. Die Technik für deren Herstellung scheint allerdings noch ausgereift beziehungsweise noch zu teuer.

Was kannst du tun?

Das Beste ist natürlich, Sprit zu sparen.

  • Sprich mit deinen Eltern darüber, ob ihr nicht lieber das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nehmen wollt.
  • Es gibt auch überall die Möglichkeit, dass sich Menschen ein Auto teilen – sogenanntes Car-Sharing.
  • Auch ein spritarmes Auto hilft den Regenwäldern.

 

Quellen:

Zahlen Pamöl im Biodiesel:
Deutscher Naturschutzring

EU-Studie zur Klimabilanz:
Europäische Union, Transport & Environment (beide Quellen in englischer Sprache)

Weizenverbrauch:
Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, Bundesinformationszentrum Landwirschaft

Wasserverbrauch:
Die WeltUnicef

Nachhaltigkeit/Siegel:
Europäische UnionFernsehreportage des Magazins Panorama

„Forschrittliche Biokraftstoffe“:
Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU,  Max-Planck-GesellschaftIfeu-Studie,

 

Letzte Aktualisierung: 30. August 2021
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