Biodiesel und E10 – was macht denn Regenwald im Autotank?

Biosprit im Tank frisst den Regenwald Biokraftstoffe enthalten Palmöl – aber für den Anbau von Palmöl wird Regenwald gerodet

Autofahren und trotzdem das Klima schonen – das wollen die Regierungen in Deutschland und Europa seit gut zehn Jahren. Deshalb verpflichten sie die Mineralölfirmen, dem Benzin und Diesel einen „sauberen“ Kraftstoff beizumischen, der aus Pflanzen hergestellt wird. Seitdem sprechen wir von „Biodiesel“ und Biobenzin (z. B. E10).
Das Problem: Es gibt bei uns gar nicht genug Ackerfläche, um die geforderte Pflanzenmenge für unsere Autotanks anzubauen. Also wird der pflanzliche Rohstoff importiert – das ist außerdem billiger. Die Folge: Für den massenhaften Anbau von Palmöl oder Zuckerrohr werden in Asien und Südamerika die Regenwälder abgeholzt. Hier bekommst du wichtige Infos über Biosprit und was du selbst tun kannst.

Was ist denn eigentlich Biosprit?

Für die Herstellung von Biosprit wird herkömmlicher Treibstoff aus Erdöl mit Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen gemischt. Für Diesel und Benzin kommen aber unterschiedliche Pflanzen in Frage:

  • Raps, Ölpalmen, Soja und Sonnenblumen sind die wichtigsten Pflanzen für Biodiesel. Ihre Früchte und Samen werden ausgepresst und die gewonnenen Öle in Raffinierien zu Kraftstoff verarbeitet. Bei Biodiesel beträgt der Anteil von Pflanzenkraftstoff zurzeit bis zu 7 Prozent.
  • Gerste, Mais, Weizen, Zuckerrübe und Zuckerrohr sind der Grundstoff für Biobenzin wie E10. Diese zucker- und stärkehaltigen Pflanzen werden vergoren und destilliert. Aus dem so gewonnenen Alkohol entsteht Ethanol. So steht das E bei E10-Benzin für Ethanol, die 10 bedeutet, dass es 10 Prozent Pflanzenkraftstoff enthält. Superbenzin muss nach dem Gesetz mindestens 6,25 Prozent enthalten.

Warum gibt es Biosprit?

Erstens: Weil die Erdölvorräte abnehmen, aber immer mehr Menschen Auto fahren – weltweit gibt es schätzungsweise eine Milliarde Autos. Durch Pflanzenkraftstoff soll Erdöl immer mehr ersetzt werden.

Zweitens: Man muss dringend etwas für das Weltklima tun. Denn die Verbrennung von Erdöl setzt gewaltige Mengen an Schadstoffen und Treibhausgasen wie CO2 frei.

Deshalb fördern die Bundesregierung und die Europäische Union mit Gesetzen und sehr viel Steuergeldern die Herstellung der Pflanzenenergie für Benzin und Diesel.

Schont Biosprit wirklich das Klima?

Nein – ganz im Gegenteil. Wissenschaftler haben längst bewiesen, dass zum Beispiel Biodiesel aus Palm-, Raps- oder Sojaöl für das Klima noch schädlicher ist als Erdöl.
Der Grund: Der Anbau der Pflanzen kostet viel Energie aus Kohle oder Erdöl. Dazu gehören die Bestellung der Felder, Erntemaschinen, Transport, Lagerung und die Verarbeitung zum Kraftstoff. Außerdem müssen die Felder gedüngt werden, um viel Ertrag zu bringen. Aus chemischem Dünger entweicht aber jede Menge Lachgas – und Lachgas heizt die Atmosphäre noch 300 mal stärker auf als CO2.
Nach einer im Juli 2013 veröffentlichten Greenpeace-Studie hat sich in den letzten beiden Jahren der Anteil von Palmöl im Biodiesel leider verdreifacht. Heimischer Raps im Tank ist dagegen stark zurückgegangen:

Grafik, die zeigt welche Anteile Rapsöl (51,7%), Sojaöl (8,5%), Palmöl (25,1%) und Kokosöl (14,7%) im Biodiesel haben In den Autotanks der Erde verbrennen pro Jahr 5,6 Millionen Tonnen Palmöl. Das sind 10 Prozent des weltweiten Palmöl­verbrauchs pro Jahr. Dafür muss man etwa 2 Millionen Hektar mit Ölpalmen beflanzen – eine Fläche so groß wie ganz Hessen.

Heißt es eigentlich Biosprit oder Agrosprit?

Alle Welt sagt Biosprit, weil hier Pflanzen in den Tank kommen. Doch weil wir unter „bio" ja eher „naturverträglich" verstehen, verwenden Rettet den Regenwald und andere Umweltorganisationen den Begriff Agrosprit (oder Agrarsprit). Denn mit der sogenannten grünen Energie vom Acker fahren wir keineswegs umweltschonend Auto.
Gerade hat auch der Duden den Begriff „Agrosprit“ in die deutsche Rechtschreibung aufgenommen. Weil Biosprit aber im Moment noch gebräuchlicher ist, bleiben wir hier bei diesem Wort.

Welches sind die größten Probleme durch Biosprit?

  • 1. Landraub und Regenwaldrodung
    Weil wir immer mehr Pflanzen-Kraftstoff wollen, müssen auch immer mehr geeignete Pflanzen angebaut werden. Deshalb fressen sich die riesigen Plantagen aus Ölpalmen, Soja und Zuckerrohr immer weiter in die Tropenwälder Asiens, Südamerikas und Afrikas hinein.
    Doch nicht nur die Regenwälder werden abgeholzt, auch die Menschen, die von und mit ihnen leben, werden brutal vertrieben. Zu ihnen gehören vor allem die Ureinwohner und Kleinbauern.
  • 2. Hunger auf der Welt
    Sämtliche Pflanzen, die dem Benzin und Diesel beigemischt werden, sind Nahrungsmittel.
    Weil immer mehr davon in den Autotanks landen, müssen auch immer mehr Menschen hungern. Und wenn die Nahrungsmittel knapp werden, steigen auch die Preise.
    Wusstest du, dass ein einziger Oberklassewagen im Jahr genauso viel Getreide für sein Benzin braucht wie 26 Menschen, um ein Jahr lang satt zu werden?
  • 3. Wasserverbrauch und -Verschmutzung
    Man braucht bis zu 3.500 Liter Wasser, um einen Liter Biodiesel herzustellen – das sind 25 volle Badewannen. Es fließt häuptsächlich in die Bewässerung der riesigen Plantagen und in die Verarbeitung der Pflanzen zu Kraftstoff.
    Die Wasserversorgung ist aber eines unserer ganz großen Probleme: Noch immer haben 783 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser, so die UNO im März 2012.
    Außerdem verseuchen Dünger und Unkrautvernichter aus den Plantagen die Flüsse, Seen und Böden in der Umgebung.

Was kannst du tun?

Das Beste ist natürlich, Sprit zu sparen.

  • Sprich mit deinen Eltern darüber, ob ihr nicht lieber das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nehmen wollt.
  • Es gibt inzwischen auch überall die Möglichkeit, dass sich Menschen ein Auto teilen – sogenanntes Car-Sharing.
  • Auch ein spritarmes Auto hilft den Regenwäldern.
  • Du kannst dir auch unsere Unterschriften-Liste herunterladen – hier wird Bundeskanzlerin Angela Merkel gebeten, Importe von Palmöl zu verbieten.