Walelefantenkuh mit Kalb im Wasser, Kongobecken Mutter mit Kalb beim Baden im Regenwald des Kongobeckens (Bild: Thomas Breuer/CC BY 2.5)

Waldelefanten: Afrikas Dschungel-Förster in Lebensgefahr

Die grauen Riesen sind ein Segen für die Regenwälder: Sie tragen Baumsamen kilometerweit durch den Urwald und pflanzen damit unermüdlich neues Grün. Doch durch Wilderei und Abholzungen sind Afrikas Waldelefanten heute vom Aussterben bedroht.

Wichtigste Fakten
  • Wie sehen Waldelefanten aus?
  • Was unterscheidet sie von den Dickhäutern in der Savanne?
  • Warum nennt man sie auch Förster des Waldes?
  • Warum sind Waldelefanten vom Aussterben bedroht?

Heimat Wald

Waldelefanten durchstreifen die tropischen Tieflandregenwälder in den zentralen und westlichen Ländern Afrikas. Dazu gehört zum Beispiel das große Kongobecken im Herzen des Kontinents. Es ist nach Amazonien das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde.
Es ist schon erstaunlich, dass so füllige Tiere ausgerechnet im dichten Dschungel zu Hause sind. Die Tiere müssen doch Baum und Strauch verwüsten, wo immer sie hintreten. Denkt man.
Doch Waldelefanten sind ein Segen für ihren Lebensraum und seine Bewohner: Auf Pfaden, die von Dickhäutern in den Dschungel getrampelt werden, durchstreifen zum Beispiel auch andere Tiere das Unterholz. Und profitieren davon, wenn Elefanten auf der Suche nach Mineralien den Boden durchwühlen. Und in aufgelockerter Erde keimen auch viele Pflanzen viel besser.

In kleinen Gruppen unterwegs

Savannen-Elefanten haben Platz für große Familien-Wanderungen. Bis zu 70 Tiere ziehen dort gemeinsam umher auf der Suche nach Nahrung und Wasser.
Den Waldelefanten aber stehen die Bäume im Weg – jedenfalls größeren Gruppen. Deshalb sind sie meist zu dritt, höchstens aber zu sechst unterwegs: verwandte Kühe mit Jungtieren. Die Bullen sind Einzelgänger. Doch auch Waldelefanten legen offensichtlich Wert auf große Familientreffen. Aber wie verabredet man sich im Dschungel, wenn man sich nicht sieht?

 

Elefantenkuh mit 2 KälbernEine Kleinfamilie unterwegs (Bild: Richard Ruggiero/USFWS)

Verabredung in tiefen Tönen

Elefanten können supergut hören. Sie nehmen sogar Töne wahr, die weit unterhalb dessen liegen, was wir Menschen hören können. Diese sogenannte Niederfrequenz liegt bei bis zu 5 Hertz (wir hören erst ab 16-24 Hertz). Mit dunklem Grollen verständigen sich Waldelefanten sogar über große Entfernungen. Damit teilen sie anderen Herdenmitgliedern mit, wann und wo das nächste Familientreffen stattfinden soll. Vorzugsweise auf einer Waldlichtung, wo alle Platz haben. Ein Grund für ein solches Treffen kann der Tod eines Familienmitglieds sein. Denn auch Waldelefanten trauern um tote Artgenossen.

 

Ellenlange Speisekarte

Waldelefanten schöpfen aus dem Vollen, wenn es ums Fressen geht. Während Savannen-Elefanten kiloweise Gras in ihre Mäuler stopfen, vertilgen die Tiere des Waldes Blätter, Früchte, Zweige und Rinden. Rund 150 Zutaten stehen auf ihrem Speiseplan. Eiweißreiche Steinfrüchte gehören zu ihren Lieblingsgerichten. Um von den Früchten des Makore-Baums zu naschen, ziehen die Tiere sogar 50 Kilometer weit durch den Busch. Der Geruch der Früchte zieht sie magisch an.
Aber auch der Baum hat etwas davon – ohne Elefanten könnte seine Art nicht überleben. Denn der Dickhäuter scheidet die Samen unversehrt wieder aus, trampelt sie in den Waldboden und düngt sie praktischerweise gleich mit seinem Kot.

 

Afrikanischer Waldelefant Wenn es ums Fressen geht, schöpfen Waldelefanten aus dem Vollen (Bild: dsg-photo.com/CC BY-SA 3.0)

Der Wald braucht die Elefanten – und sie ihn

So wie dem Makore-Baum geht es auch vielen anderen Dschungelriesen: Sie brauchen die Waldelefanten – nicht nur, damit ihre Samen weitergetragen werden. Ohne durch den Darm eines Elefanten gewandert zu sein, würden sie im Boden gar nicht erst keimen. Das fanden Forscher der Organisation Wildlife Conservation Society heraus. Und berichten noch von einer besonders bemerkenswerten Baumart in Zentralafrika: Der Omphalocarbum-Baum hat so harte und große Früchte, dass nur ein einziges Tier die Nuss knacken kann: Der Waldelefant durchbohrt sie ganz einfach mit seinem Stoßzahn.
Die Forscher glauben, dass fast 30 Prozent aller Regenwald-Riesen von Waldelefanten „gepflanzt“ werden.

Alarmstufe Rot: Wir dürfen sie nicht verlieren

Im März 2021 läuteten bei Ben Okita Ouma alle Alarmglocken. Er ist in Kenia Leiter der Elefanten-Fachgruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN), die auch die Rote Liste der gefährdeten Arten veröffentlicht. Grund seiner Besorgnis: Die Zahl der Afrikanischen Waldelefanten ist in den vergangenen 30 Jahren um 86 Prozent zurückgegangen. Deshalb setzt ihn die IUCN nun ganz oben auf die Liste der bedrohten Arten: Sie sind akut vom Aussterben bedroht.
Wilderei und der Verlust der Regenwälder sind dafür verantwortlich, dass die Tiere ums Überleben kämpfen müssen. Die Savannen-Elefanten stehen auf der zweiten Gefährdungs-Stufe – sie gelten als „stark gefährdet“.
Noch vor 50 Jahren lebten 1,5 Millionen Elefanten in Afrika. Inzwischen sind es insgsamt nur noch etwa 400.000.

„Afrikanische Elefanten spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem", sagte IUCN-Generaldirektor Bruno Oberle. „Wir müssen dringend die Wilderei beenden und sicherstellen, dass genügend geeigneter Lebensraum geschützt wird." Denn noch sei es nicht zu spät.

 

Afrikanischer Waldelfant in Gabun(Bild: Nicolas Rénac/CC BY-NC 2.0)

 

Quellen:
ARD-Tagesschau, Weltnaturschutzunion IUCN, Tagesspiegel, Wildlife Conservation Society
 

Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2021
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Steckbrief

Art
Afrikanischer Waldelefant
Lebensraum
Tropische Regenwälder in Zentral- und Westafrika
Größe
Schulterhöhe bis 2,40 Meter (Bullen), 2,10 Meter (Kühe)
Gewicht
1.700 bis 4.000 Kilo
Lebenserwartung
bis 60 Jahre
Nahrung
Früchte, Blätter, Zweige, Rinden
Anzahl Junge
Eines
Tragezeit
22 Monate

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