Nasenaffen – Auf den richtigen Riecher kommt es an

Nasenaffe im Regenwald Nasenaffen leben hoch in den Bäumen und ernähren sich von den Früchten und Blättern. Foto: marklouisbenedict.com

In punkto Schönheit haben diese Tiere nach unserem Geschmack eher nicht die Nase vorn. Das sehen die Nasenaffen-Weibchen allerdings anders: Je größer die männliche Nase, desto attraktiver finden sie den Partner. Und auch sonst sind diese Primaten, die es nur auf Borneo gibt, bemerkenswert.

Steckbrief

Lebensraum:
ausschließlich die südostasiatische Insel Borneo
Größe:
M: bis 70 cm, W: 60 cm
Gewicht:
Männchen 16 bis 22 Kilo, Weibchen 7 bis 12 Kilo
Lebenserwartung:
nur in Gefangen-schaft bekannt: mindestens 23 Jahre
Nahrung:
Blätter, Früchte, Samen, am liebsten von Mangroven
Anzahl Junge:
ein Junges, es wird 7 Monate gesäugt
Tragezeit:
ca. 170 Tage

Die Wasserratten unter den Affen

Ihre Leidenschaft ist das Wasser. Unter allen Primaten sind Nasenaffen wohl die besten Schwimmer, können sogar 20 Meter weit tauchen und haben Schwimmhäute zwischen den Zehen. Kein Wunder, dass sie sich ihre Wohn- und Schlafbäume stets nah am Wasser suchen: In den Mangrovenwäldern entlang der Flüsse, in den Sümpfen der Tieflandregenwälder und an den Küsten. Von den Bäumen springen sie oft direkt ins Wasser – aber dort lauert das eine oder andere Krokodil auf Beute…

So trickst man Krokodile aus

Es ist später Nachmittag im Tanjung Puting Nationalpark im Süden der Insel Borneo. Um diese Zeit werden die Nasenaffen aktiv, pflücken Früchte und Blätter, am liebsten die jungen Triebe der Mangroven. Zeit für ein Bad. Doch diese Nasenaffen haben sich ausgerechnet den Sekonyer-Fluss als Lebensraum ausgesucht; die Einheimischen nennen ihn Krokodil-Fluss – völlig zu Recht. Krokodile wiederum mögen Nasenaffen – und hier kommen die Touristenboote ins Spiel: „Die Affen warten, bis das Boot an ihrem Baum vorbei ist und springen dann ins Wasser“, erzählt Bootsführer Azie. „Denn die Krokodile flüchten vor dem Lärm und Aufruhr erst mal ins Dickicht“.

Die Babys kommen blau zur Welt

Neugeborene Nasenaffen haben ein blaues Gesicht, nach zehn Wochen wechselt es zu grau, und nach neun Monaten ist es schließlich rötlich-bräunlich-gelb, so wie Gesicht und Fell der Erwachsenen. Arme, Beine und der Schwanz sind grau – der ist übrigens genauso lang wie der ganze Nasenaffen-Körper. Apropos lang: Die Nase des Männchens ist sein Markenzeichen, das niemand im Tierreich ihm streitig macht: Wie eine große schlaffe Birne baumelt sie ihm über der Oberlippe – je länger, desto größer sind seine Chancen beim anderen Geschlecht. Die Nase ist übrigens auch ein wunderbarer Resonanzkörper beim Brummen und Knurren, mit dem sich die Tiere innerhalb ihrer Gruppe verständigen. Oder bei den Warnrufen, wenn Feinde nahen.

In der Gruppe sind sie stark

Männchen halten sich meistens einen Harem von sechs bis zehn Weibchen mit ihren Jungen. Manchmal sieht man aber auch reine Männergruppen in den Bäumen hocken. Erwachsene Männchen führen die Gruppe bei der Nahrungssuche und verteidigen sie gegen Gefahren. Um die Fürsorge für den Nachwuchs kümmern sich die Mütter. Ein Weibchen bringt immer nur ein Junges zur Welt, das etwa sieben Monate gesäugt und gepflegt wird; ein Jahr lang bleibt es in der Nähe der Mutter.

Feinde? Krokodile, Bengalkatzen – und Menschen

Vor gefräßigen Reptilien und Wildkatzen können sich die Nasenaffen in Acht nehmen. Vor den Raubzügen der Menschen haben sie keine Chance: Nasenaffen stehen auf der roten Artenschutzliste als stark gefährdet, weil ihre Regen- und Mangrovenwälder auf Borneo vor allem für Palmölplantagen gerodet werden. Da hilft es diesen einzigartigen Primaten wenig, dass sie in ihrer Heimat geschützt sind und nicht gejagt werden dürfen.

Nasenaffen auf der roten Liste der bedohten Tierarten

Datum: 28.04.2014