Das Märchen vom nachhaltigen Palmöl – das RSPO-Siegel

Auf den Etiketten von Lebensmitteln müssen alle Zutaten genannt werden – so kann man Produkte mit Palmöl leicht erkennen und sie im Regal stehen lassen

Für den Anbau von Ölpalmen auf riesigen Plantagen werden Regenwälder gerodet und Menschen vertrieben – vor allem in Indonesien und Malaysia. Das wissen inzwischen auch viele Verbraucher und lehnen schädliches Palmöl ab.
Weil die Hersteller von Lebens- und Reinigungsmitteln aber nicht auf das billige und so gut zu verarbeitende Pflanzenöl verzichten wollen, musste ein Umweltsiegel her: Das Siegel des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl – kurz RSPO. Doch es ist alles andere als umwelt- und menschenfreundlich.

Wichtigste Fakten
  • Gibt es nachhaltiges Palmöl?
  • Ist Bio-Palmöl gut?
  • Was sind Alternativen?

RSPO, was ist denn das?

RSPO ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung: Round Table on Sustainable Palm Oil.

Dieser Runde Tisch wurde 2004 von Großkonzernen und dem WWF gegründet. Das offizielle Ziel: Ein Zertifikat oder Siegel an Besitzer und Betreiber von Palmölplantagen zu vergeben, die Naturschutz und Menschenrechte beachten. Sustainable heißt nachhaltig – ist also eine natur- und sozial verträgliche Wirtschaftsweise.

So sollte der Verbraucher beruhigt werden und glauben, dass bei der Produktion von Palmöl mit dem RSPO-Siegel alles „grün“ und sozial ist.

Doch das ist nicht der Fall. Davon konnten wir uns auf unseren Reisen in Indonesien immer wieder überzeugen. Und davon berichten auch unsere Partner in den Regenwaldländern.

Denn das RSPO-Siegel verbietet nicht einmal die Regenwaldrodung – sondern nur die Abholzung von Primär-, also Urwäldern, und von Gebieten mit besonderem Schutzwert.

Dieses Label findest du auf vielen Verpackungen

Die Regenwaldrodungen und der Landraub gehen also unvermindert weiter – auch mit RSPO-Siegel. Bauern und Ureinwohner werden nach wie vor von ihrem Land vertrieben, bedroht und verhaftet, wenn sie sich gegen den Landraub wehren. Und wenn sie auf den Plantagen der Konzerne Arbeit finden, bekommen sie als Tagelöhner die schlechtesten und gefährlichsten Jobs. Zum Beispiel das Versprühen von Pflanzengiften.

Hinzu kommt, dass die Palmölunternehmen die Firmen, die die Lage vor Ort prüfen und das Siegel vergeben, selbst bestimmen und bezahlen. Der RSPO ist nur sich selbst Rechenschaft schuldig. RSPO ist also ein Siegel von der Industrie für die Industrie.

Wir haben in Indonesien eine Palmölplantage gesehen, die 100 Kilometer lang und bis zu acht Kilometer breit ist. Mittendrin liegen kleine Siedlungen; nur ein winziger Wald wurde den Menschen gelassen. Die Palmölfirma besitzt für diesen Wahnsinn ein RSPO-Zertifikat. Und dies ist leider kein Einzelfall.

Diese riesigen Monokulturen sind nicht nachhaltig und werden es auch nie sein. Sie werden mit massenhaft Dünger und Pestiziden behandelt, die anschließend Böden und Gewässer verseuchen. Die Einheimischen sprechen von grünen Wüsten und kämpfen dagegen, dass sich die Plantagen immer weiter ausbreiten.

Mit dem RSPO-Label werden also die Verbraucher unserer Meinung nach getäuscht, den Firmen dienen sie zum Grünwaschen ihrer Produkte. Deshalb haben 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt bereits 2008 RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt.

Fazit: Das RSPO-Siegel für Palmöl schützt weder Regenwälder noch ihre Bewohner. Denn:

  • Die Rodung von Regenwäldern ist nicht verboten, mit Ausnahme „besonders schützenswerter" Wälder.
  • Der Einsatz hochgefährlicher Chemikalien (gegen Insekten und Unkraut) ist erlaubt.
  • Die Einhaltung der Regeln wird oft nicht kontrolliert. Auch Unternehmen mit RSPO-Siegel holzen illegal ab.
  • Menschen werden trotzdem von ihrem Land vertrieben und die Rechte von Plantagenarbeitern missachtet.

Ist Bio-Palmöl gut?

Bio klingt immer erstmal gut. Und es gibt tatsächlich einen Unterschied zum „normalen“ oder RSPO-zertifizierten Palmöl:

  • Für Bio-Palmöl dürfen keine chemischen Dünger, Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden. So werden Gewässer, Böden und auch das Klima geschont. Und auch die Arbeiter bleiben von gefährlichen Chemikalien verschont.
  • Die Plantagen, auf denen Bio-Ölpalmen angebaut werden, sind oft kleiner als die riesigen industriellen Monokulturen. Und einige Bio-Hersteller beziehen ihr Palmöl auch von Kleinbauern, also nicht von großen Konzernen.
Aber:
  • Auch die Bio-Ölpalmen stehen auf Land, das vormals von Tropenwäldern bedeckt war. Außerdem schließt das Bio-Siegel Waldrodungen nicht ausdrücklich aus und die Größe der Plantagen ist nicht begrenzt.
  • Bio-Palmöl heißt auch nicht, dass die Arbeiter fair bezahlt und behandelt werden. Und es ist auch möglich, dass Bio-Produzenten an Landkonflikten und Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind.
  • Unser Bio-Palmöl kommt überwiegend aus Kolumbien und Brasilien. Die beiden großen Hersteller Daabon und Agropalma betreiben dort vor allem Plantagen, die nicht ökologisch bewirtschaftet werden. Kleinere Hersteller bauen Bio-Palmöl in Westafrika an.
  • Palmöl schadet unserer Gesundheit. Egal ob mit oder ohne Bio- und RSPO-Siegel.

Was sind die Alternativen?

Unsere Grundnahrungsmittel können und sollten auf heimischen Äckern angebaut werden, nicht in Indonesien, Malaysia, Argentinien oder Brasilien. In Deutschland und Europa gibt es hochwertige Pflanzenöle aus Oliven, Raps und Sonnenblumen.
Unsere Tipps:

  1. Koche selbst mit frischen Zutaten aus deiner Region. Außerdem: Lebensmittel, die bei uns hergestellt werden, enthalten meistens nur heimische Öle.
  2. Kaufe möglichst wenig industriell hergestellte Lebensmittel im Supermarkt, dazu gehören vor allem Schokoaufstriche, Knabberwaren, Pizza und andere Fertiggerichte.
  3. Kaufe Fleisch, Milch und Eier vom (Bio-)Bauern aus deiner Gegend.
  4. Verzichte auf tierische Produkte aus der Massentierhaltung – rund 8 Prozent des nach Deutschland importierten Palmöls fließen in die Futtermittel für Rinder, Geflügel und Schweine in industrieller Zucht.

Hier findest du Palmöl-freie Produkte:

 

Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2020
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