Das war unsere Dritte Regenwald-Konferenz für Kinder und Jugendliche. Dein Tag für den Planeten.
Was haben Wolken über dem Amazonas mit unserem Klima zu tun? Können Wanzen plötzlich zu wichtigen Bestäubern werden? Und warum können Frösche verraten, wie gut es einem Regenwald geht? - Mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen haben sich am 23. September 2026 rund 650 Kinder und Jugendliche bei der 3. Regenwald-Konferenz und über 1000 weitere über den Livestream zu Hause oder in ihren Klassenzimmern beschäftigt.
Vielleicht warst auch du dabei?!
Satelliten im ganzen Land
Und das Beste: Neben den 190 Teilnehmer:innen in Hamburg waren auch Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland live dabei. An unseren sieben Satellitenorten, dem Klimahaus Bremerhaven, Naturkundemuseum Bayern BIOTOPIA Lab in München, Senckenberg Museum Görlitz, Zooschule Hagenbeck in Hamburg, Ökohaus Rostock, Museum Lüneburg und dem Kindermuseum in Nürnberg hast du die Konferenz per Livestream erlebt – und dir eigene Aktionen für Regenwald und Klimeschutz überlegt. Immer wieder warst du live dazugeschaltet, hast deine Ideen eingebracht und warst Teil einer großen, gemeinsamen Bewegung für den Regenwald.
Ein Tag voller Regenwald-Wissen
Am Vormittag ging es mitten hinein in die faszinierende Welt der tropischen Regenwälder. Die Jugendlichen erfuhren, wie eng Tiere, Pflanzen, Wasser, Wolken und Klima miteinander verbunden sind – und warum Regenwälder für die Artenvielfalt und unser Klima so wichtig sind.
Am Nachmittag hieß es dann: Nicht nur zuhören, sondern selbst loslegen! In Workshops hast du eigene Ideen entwickelt und überlegten, was du an deiner Schule, zu Hause oder in deiner Umgebung verändern kannst.
Was Frösche über einen Regenwald verraten
Zunächst ging es nach Madagaskar – zu Fröschen und Chamäleons.
Dr. Julian Glos, Tropenbiologe an der Universität Hamburg, hat dich mitgenommen in die einzigartige Tierwelt der Insel. Madagaskar ist seit Millionen Jahren vom Festland getrennt. Dadurch konnten sich dort viele Arten entwickeln, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt, - wie die Lemuren. Ebenso verhält es sich mit den zahlreichen Froscharten der Insel. Zum Vergleich: Während es in Deutschland 14 Froascharten gibt, sind es auf Madagaskar ganze 443! Und es werden immer noch neue Arten entdeckt.
Frösche sind dabei nicht nur faszinierende Tiere. Sie können auch Anzeiger für den Zustand eines Regenwaldes sein. Weil sie im Wald in großer Zahl vorkommen und empfindlich auf Veränderungen reagieren, können Forschende an ihnen erkennen, wie sich ihr Lebensraum verändert.
Doch die Regenwälder Madagaskars sind durch Brandrodung stark bedroht. Trotzdem gibt es auch Grund zur Hoffnung: Forschungsergebnisse zeigen, dass die Frösche offenbar robuster gegenüber Veränderungen sind als bisher gedacht.
Wie Schädlinge zu Freunden werden
Hast du dich schon mal gefragt, wann die Evolution eigentlich passiert? Florian Etl, Tropenforscher und Duftentdecker, hat darauf eine Antwort gefunden. Er erforscht Aronstabgewächse im Regenwald Costa Ricas und wie diese mit ihren Düften Insekten als Bestäuber anlocken. „Manchmal kommen jedoch auch ungebetene Gäste vorbei, die nur den leckeren Blütennektar schlürfen und dann wieder von Dannen ziehen", erzählte Florian. Deshalb hat sich ein Aronstabgewächs eine neue Strategie überlegt: Puderzuckerblütenstaub und ein völlig neuer Duft, ganz exklusiv für diese eine Wanzenart! Der Wissenschaftler hat diese neue Freundschaft zwischen Aronstabgewächs und Wanze erforscht und dabei nicht nur einen neuen Duft, sondern sogar ein ganz neues Molekül entdeckt, das Gambanol.
Die Evolution beobachten
„So kann man Evolution sehen, wie sie auch jetzt noch passiert“, erzählt er begeistert. Bisher weiß man von ungefähr 1.000 Aronstabarten, aber tatsächlich sind nur sieben ihrer Blütendüfte bekannt. Der Grund ist, dass diese Blumen meist nur nachts blühen - und nur ein bis zweimal proi Jahr! Um die Evolution zu beobachten brauchst du also auch viel Geduld und Ausdauer, aber es lohnt sich!
Wieviele Wanzenarten es weltweit gibt, interessiert die Kinder (und möglicherweise zukünftigen Forscher:innen), denn die meisten der 20.000 Wanzenarten sind noch unbekannt und häufig nur „die Wanze auf der Pflanze“. Es ist also noch viel zu tun für Wanzenforscher:innen. Für Florian Etl ist genau das ein wichtiger Grund, warum Regenwälder geschützt werden müssen: Noch gibt es dort unglaublich viel zu entdecken.
Amazonas: Wo der Regenwald Wolken macht
Der Amazonas-Regenwald ist nicht nur ein riesiger grüner Teppich. Wie er das Wetter beeinflusst, erklärte Prof. Mira Pöhlker, Wolkenforscherin am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) und an der Universität Leipzig.
Jede Sekunde fließen Unmengen Wasser aus dem Amazonas-Regenwald in den Atlantischen Ozean, vergleichbar mit 80 Schwimmbad-Becken! Dieses Wasser verdunstet über dem Ozan und kehrt dann über den Himmel in Form von Wolken zurück in den Regenwald. Das sind die sogenannten „fliegenden Flüsse“: riesige Mengen Wasserdampf bewegen sich durch die Atmosphäre und transportieren Feuchtigkeit über weite Entfernungen.
Gute und schlechte Luftteilchen
Damit sich Wolkentröpfchen bilden, benötigen sie winzige Teilchen in der Luft – sogenannte Aerosole, wie mini-Salzteilchen aus dem Meer, Wüstenstaub oder Ruß –, an denen sie sich festhalten und wieder flüssig werden können. Das nennt man kondensieren. Das alles wird durcheinander gebracht, wenn zu viele Rußteilchen in der Luft sind, - weil Menschen den Regenwald abbrennen, um Platz für Felder zu schaffen. Wenn viele Rußteilchen in der Luft sind, bilden sich viele, aber kleinere Tropfen. Weil sie nicht schwer genug sind, regnen sie weniger ab - und versorgen deshalb den Regenwald schlechter mit Wasser. Ist die Luft sauber, entstehen dagegen größere Tropfen, die schneller als Regen zu Boden fallen.
Eine Frage bleibt offen
Diese und viele weitere Fragen untersucht Mira Pöhlker unter anderem am 324 m hohen ATTO-Turm im brasilianischen Regenwald. An diesem besonderen Ort schlafen die Forschenden in Hängematten, waten in der Regenzeit mit Gummistiefeln durch die Station und treffen schon einmal Kaimane auf den Toiletten. Was dabei auf keinen Fall fehlen darf: Klebeband und Schmiermittel – die schnellen Helfer für jede Situation. Manchmal schießt Mira sogar noch über den ATTO Tower hinaus: mit dem Forschungsflugzeug HALO kann sie ihre Proben nämlich direkt in den Wolken nehmen.
Obwohl Mira und ihre Kolleg:innen so intensiv Wolken erforschen blieb die Frage einer Teilnehmerin am Ende offen: „Wie groß ist eine Wolke eigentlich und wie viele Liter Wasser hat sie?“ – „Das weiß wohl niemand so ganz genau, jede Wolke ist individuell und ganz besonders", musste Mira zugeben.
Jetzt seid ihr dran!
Nach so viel Forschung wurde es Zeit, selbst aktiv zu werden.
In Hamburg hast du dich in zehn Workshops mit Umweltorganisationen und Initiativen wie dem Jane Goodall Institut Deutschland oder Rettet den Regenwald e.V. hast du dich mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigt:
- Was hat Fast Fashion mit dem Regenwald zu tun?
- Wie können wir Papier sparen?
- Wie sieht eine nachhaltige Stadt aus?
- Was können wir für die Artenvielfalt tun?
- Und wie können wir selbst für den Klimaschutz aktiv werden?
Du hast eigene Ideen für Schule oder Alltag entwickelt und in deiner Gruppe überlegten, wie ihr daraus echte Aktionen machen könnt.
An zwölf Mitmachstationen konntet ihr außerdem selbst experimentieren, ausprobieren und die Themen der Konferenz entdecken.
Kleine Ideen können etwas bewegen
„Wir wollten den Kindern und Jugendlichen heute nicht nur Wissen über den Regenwald vermitteln. Sie sollten erleben, dass ihre Fragen und Ideen zählen und dass sie selbst etwas anstoßen können“, sagt Kathrin Grau, Gründerin und Geschäftsführerin von Abenteuer Regenwald e.V.
In München und Nürnberg, in Görlitz und Rostock, in Bremerhaven, Lüneburg und in Hamburg habt ihr genau das gezeigt: mit Neugier, Kreativität und vielen eigenen Ideen.
Denn Klimaschutz und der Schutz der Regenwälder sind für uns alle keine Themen, die irgendwann in ferner Zukunft wichtig werden. Wir wollen schon heute etwas verändern.
„Unser Planet. Unsere Zukunft“ – eure Ideen
Zum Abschluss wurden die Ideen der Jugendlichen auf der Bühne in Hamburg und per Liveschaltung aus den Bildungsorten vorgestellt.
Und die Vorschläge waren richtig vielfältig.
Zum Beispiel:
- Wasser aus Metall-Trinkflaschen trinken und dadurch Plastikflaschen vermeiden,
- die Schulleitung mit guten Argumenten davon überzeugen, auf Recyclingpapier umzusteigen,
- oder eine Spendenaktion an der Schule organisieren und selbstgebackenen Kuchen aus palmöl- und gentechnikfreien Zutaten verkaufen.
Das sind nur einige der vielen Ideen, die während der Workshops entstanden sind.
Abenteuer Regenwald fasst die Ergebnisse der Workshops aus Hamburg, Bremerhaven, München, Nürnberg, Görlitz und Rostock in einem Abschlussdokument für dich zusammen: „Unser Planet. Unsere Zukunft“.
Das Dokument wird in Kürze auf abenteuer-regenwald.de veröffentlicht.
Denn eines hat dieser Tag gezeigt:
Wir müssen nicht darauf warten, dass andere anfangen. Wir können selbst den ersten Schritt machen.
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