Wasserschweine – die „Herren der Gräser“

Capybara-Familie am Tietê River im Bundesstaat São Paulo state, Brasilien. Familie Wasserschwein macht einen Ausflug (Bild: Clodomiro Esteves Jr./CC BY-SA 4.0)

Sie können schwimmen, tauchen, rennen und bellen. Mit Schweinen haben Wasserschweine allerdings nichts zu tun. Sie sind Nagetiere – und zwar die größten der Erde. Wegen ihrer Vorliebe fürs Gras gaben ihnen die Guarani-Indianer in Südamerika einen viel passenderen Namen: Capybara, „Herren der Gräser“. Das gilt allerdings auch für weiblichen Mitglieder der Familie. Doch das kann ihnen egal sein – größenmäßig schauen sie auf die Herren herab...

Meerschweinchen – groß wie Schafe

Es ist schon seltsam, wer alles zu einer Familie gehört: Wasserschweine sind mit Meerschweinchen verwandt. Allererdings überragen Capybaras ihre kleinen Verwandten gewaltig: Sie sind bis 1,30 Meter lang, bis 60 Zentimeter hoch und können sogar mehr als 70 Kilo wiegen.
Die Heimat der Wasserschweine ist Südamerika, wo übrigens auch die Meerschweinchen herkommen. Dort bewohnen die großen Nager fast alle Länder östlich der Anden. Getrennt von ihnen lebt noch die verwandte Art der Panama-Capybaras, und zwar etwas weiter nördlich: von Nord-Kolumbien bis Panama in Mittelamerika. Sie sind etwas kleiner und dunkler.

Männchen mit Gelbkopfkarakara, Pantanal, BrasilienMännchen mit Gelbkopfkarakara im Pantanal in Brasilien. Der Vogel frisst dem Capybara Milben und Insekten vom Kopf (Bild: Charles J Sharp/CC BY-SA 4.0)

Leben zwischen Wiese und Wasser

Capybaras sind in Sumpfgebieten, Mangrovenwäldern und überfluteten Graslandschaften zu Hause – überall dort, wo es Wasser gibt und Schlamm zum Herumwälzen. Zum Beispiel auch im Pantanal, dem größten Binnenland-Feuchtgebiet der Erde. Es liegt im Süden des Amazonas-Beckens in Brasilien.
Im Wasser fühlen sich Wasserschweine sauwohl. Dort hängen sie tagsüber ab, nagen hier und da an einer Wasserpflanze. Die Nager sind perfekt für ein Leben am und im Wasser ausgerüstet: Zwischen den Zehen wachsen kurze Schwimmhäute, und Ohren, Augen und Nase sitzen so weit oben am Kopf, dass sie fast vollständig auf Tauchstation gehen können und trotzdem alles mitkriegen.
Mit der Dämmerung steigen sie an Land, wo sie grasen und sich ein geschütztes Plätzchen zum Schlafen suchen.

Warum nur fressen sie ihren Kot?

Klingt eklig, ist aber lebenswichtig: Capybaras müssen ihren Kot fressen, um nicht zu verhungern. Denn die Gräser sind für sie schwer verdaulich, auch Wasserpflanzen, Kräuter oder junge Baumrinde, von denen sie sich sonst noch ernähren. Die Lösung: Ein Capybara muss alles zweimal verdauen. Also frisst es beim ersten Mal seinen Kot, der weich und breiig ist, wieder auf. Beim zweiten Mal ist das Ganze schon bekömmlicher, und das Wasserschwein kann die benötigten Nährstoffe richtig aufnehmen.

Gefressen und geschlafen wird an Land – immer im Schutz der HerdeGefressen und geschlafen wird an Land – immer im Schutz der Herde (Bild: Bernard DUPONT /flickr/cc-by-sa-2.0)

Bei Gefahr wird gebellt

Wasserschweine sind gesellig. Sie leben in kleinen oder größeren Gruppen mit sechs oder auch mal 20 Artgenossen zusammen: Weibchen mit ihrem Nachwuchs, jüngere Männchen – angeführt von einem gewichtigen Boss.
Wer in Gruppen lebt, muss sich natürlich verständigen. Forscher*innen haben beobachtet, dass Capybaras ganz unterschiedliche Laute von sich geben: Sie schnurren, schnalzen, pfeifen und grunzen – und wenn Gefahr droht, wird mit lautem Gebell Alarm geschlagen. Meistens durch den Chef.

Feind in Sicht? Alle sofort untertauchen!

Und dann rennen alle mit großen Sprüngen los – und sofort ins Wasser. Jedenfalls dann, wenn sie gerade friedlich grasen und ein Jäger schleicht sich an. Das kann ein Puma sein, ein Ozelot, Jaguar oder Wildhund. Im Wasser sind Capybaras vor Landjägern sicher, denn sie können supergut schwimmen und sogar tauchen – bis zu fünf Minuten lang. Lauert allerdings ein Krokodil oder eine Anakonda im Wasser, müssen die Nager schneller sein...

 

 Iberá marshes, in Corrientes, ArgentinaWasserschweine können hervorragend schwimmen und tauchen (Bild: Taragui/CC BY-SA 3.0)

Die „Kinder der Gräser“

Einmal im Jahr kommen Junge zur Welt – rund 4 bis 5 Monate nach der Paarung. Die findet übrigens im Wasser statt. Angelockt wird das Weibchen durch den extra starken Geruch des Männchens. Er entströmt der Drüse, die wie ein Höcker auf der felllosen Nase sitzt.
Schon kurz nach der Geburt sind die Jungen fit fürs Leben: Sie kommen völlig behaart zur Welt und besitzen Zähne, mit denen sie unverzüglich ins Gras beißen. Etwa zwei Monate lang versorgt die Mutter sie noch mit Milch, dann sind sie ganz auf sich gestellt. Pro Wurf gibt es meistens vier Geschwister, manchmal aber auch acht – oder ein Einzelkind wird geboren.

Wasserschweine und Menschen

Capybaras werden für ihre Haut und ihr Fleisch gejagt. Manchmal sind es Berufsjäger, die beides auf Märkten verkaufen. Meistens aber nutzen die Menschen das erlegte Tier für den Eigenbedarf. Aus dem Leder werden in Argentinien zum Beispiel Jacken gemacht oder auch Sättel und Zaumzeug für Pferde.
Capybaras stehen nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Von den Panama-Capybaras kennt man allerdings keine genauen Zahlen.

 

Letzte Aktualisierung: 6. Mai 2020
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Steckbrief

Lebensraum
Feucht- und Grasgebiete Südamerikas
Größe
1 bis 1,30 Meter lang, Schulterhöhe 60 bis 70 Zentimeter
Gewicht
50 bis 70 Kilo
Lebenserwartung
in der Wildnis ca. 10 Jahre, in Zoos bis 12 Jahre
Nahrung
vor allem Gras, auch Wasserpflanzen, Kräuter, Baumrinde
Nachwuchs
1 bis 8 Junge pro Wurf – einmal pro Jahr
Tragezeit
3 bis 4 Monate

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