4. Mai 2015

Das Nashorn: So stark – und so verwundbar

Eine Spitzmaulnashornmutter läuft gefolgt von seinem Kind durch die Savanna in Südafrika Spitzmaulnashorn mit Kind in Südafrika. (Bild: © flickr/WhatsThePointSA (CC BY-NC 2.0))

Nashörner gehören zu den größten und ältesten Landlebewesen der Erde. Vor rund 50 Millionen Jahren war ihre groß-artige Familie in Asien, Afrika, Nordamerika und sogar in Europa beheimatet. Überlebt haben nur noch fünf Arten: in Afrika und Asien. Und allen geht es schlecht, weil ihr Horn so begehrt ist. Wir müssen achtgeben, dass wir die letzten Nashörner der Erde nicht auch noch verlieren

Verstreute Verwandtschaft

Afrika ist die Heimat des größten heute noch lebenden Nashorns: Das Breitmaulnashorn ist mit bis zu vier Metern Länge und einer Schulterhöhe von zwei Metern sogar die Nummer 2 im Reich der Landtiere – größer ist nur der Afrikanische Elefant. Knapp einen Meter kürzer und in unmittelbarer Nachbarschaft des Breitmaulnashorns lebt das Spitzmaulnashorn. Beide Arten durchstreifen Savannen, Gras- und Buschland und Waldregionen in Afrika.

Die anderen drei Mitglieder der kleinen Nashornfamilie leben viele Tausend Kilometer entfernt: Indien, Pakistan, Bangladesh und Südnepal sind die Heimatländer des Panzernashorns, das nur wenig kleiner ist als sein großer Vetter in Afrika. Die Familien-„Zwerge“ sind das Java-Nashorn und das Sumatra-Nashorn, die nach den Inseln ihrer indonesischen Heimat benannt wurden. Dem Sumatra-Nashorn haben wir schon 2014 eine eigene Seite gewidmet.

Angriffslustig? Ja, aber

nur, wenn Gefahr droht oder ein Rivale zum Revierkampf herausfordert. Dann stehen sich die Bullen mit gesenkten Köpfen gegenüber und fechten mit den Hörnern. Die asiatischen Arten kämpfen eher mit ihren dolchartigen unteren Schneidezähnen. Durch die unbändige Kraft der Tiere kommt es dabei immer wieder zu schweren oder tödlichen Verletzungen. Es sei denn, der Feind sucht rechtzeitig das Weite: Ein Nashorn rennt bis zu 45 Stundenkilometer schnell und kann dabei blitzartig die Richtung wechseln.

Ansonsten sind Nashörner scheue und friedliche Geschöpfe, die tagsüber an schattigen Badetümpeln dösen und erst bei Dämmerung zur Nahrungssuche aufbrechen. Die Tiere sind überwiegend Einzelgänger – Bullen und Kühe treffen sich nur zur Paarungszeit. Das Breitmaulnashorn allerdings gilt als gesellig. Hin und wieder bilden sich kleine Gruppen aus Kühen mit ihren Jungen.

Manche mögen Gras...

Nashörner sind Vegetarier – und für ihre Lebensräume perfekt ausgerüstet: Breitmaulnashörner sind typische Grasfresser und rupfen mit ihrer breiten Oberlippe das Grasland und die Savannen ihrer afrikanischen Heimat raspelkurz. Auch das asiatische Panzernashorn liebt Gräser; es legt die Oberlippe um die zarten Spitzen der Halme und beißt sie ab. In der Regenzeit wächst das Grasland besonders hoch und ist außerdem ein idealer Schutz.

Das Spitzmaulnashorn lebt nicht nur in Steppenlandschaften oder Halbwüsten, sondern auch in dichtem Busch und in Wäldern. Dafür hat es die spitze Oberlippe, mit der es Zweige, junge Triebe, Blätter und Blüten geschickt umrollt und abreißt.

Auch die beiden kleineren asiatischen Arten, die die Regenwälder auf Java, Sumatra und Borneo bewohnen, haben bewegliche Oberlippen zum Pflücken von Zweigen, Sprossen und Früchten.

Schwere Geburt

40 bis 50 Kilo wiegt ein Nashorn-Baby bei der Geburt und steht fast sofort auf den Beinen. Schon nach fünf Wochen beginnt das Horn zu wachsen. Breitmaul-, Spitzmaul- und Sumatra-Nashorn besitzen jeweils zwei Hörner, Panzer- und Javanashorn nur eins.

Das Kalb bleibt so lange bei der Mutter, bis ein Geschwister-Junges geboren wird – das sind zweieinhalb bis drei Jahre.

„Brille“ mit Flügeln

Nashörner können hervorragend riechen und mit ihren flexiblen röhrenförmigen Ohren gut hören. Nur das Sehen macht Probleme, denn die Augen sind auch sehr klein. Hilfe kommt von oben – jedenfalls für die afrikanischen Nashörner: Eine Schar von Madenhackern reitet auf ihren Rücken, eigentlich, um Parasiten und Zecken von der zwei Zentimeter dicken Nashorn-Haut zu picken. Aber die amselgroßen Vögel haben Adleraugen und einen lärmenden Ruf. So warnen sie ihr Reittier vor Gefahren. Und das sind fast immer sich nähernde Menschen.

Nashörner können auch „sprechen“. Das hat die Biologin Sabrina Linn herausgefunden. Viele Monate lang hat sie sich mit Mikrofon und Kamera unter jungen Nashörnern umgehört und vier verschiedene Laute aufgenommen und gedeutet: Sie keuchen, schnauben, jammern und fauchen. Wie das Jammern klingt, könnt ihr sogar hören: im Steckbrief (rechts) einfach ANHÖREN klicken. Wenn ihr das junge Nashorn beim Jammern auch sehen und wissen wollt, was es bedeutet, klickt einfach hier.

Die große Gefahr: Der Mensch will das Horn

Das Horn hat keinen Knochenkern, so wie bei Rindern. Sondern es besteht vollständig aus Keratin, dem Stoff, aus dem auch Haare und Nägel sind. Und trotzdem glauben besonders Chinesen und Vietnamesen, dass das Nashorn magische und heilende Kräfte besitzt. In Pulverform soll es Fieber senken oder sogar Krebs heilen. Ein Kilogramm Horn bringt auf asiatischen Märkten bis zu 70.000 Euro – deshalb müssen Jahr für Jahr mehr als eintausend Nashörner sterben.

Noch können wir handeln und die letzen Nashörner der Erde retten.

Mehr Informationen über die Jagd auf Nashörner und Elefanten und wie sie überleben können, haben wir auf unserer Seite Wilderei zusammengetragen.

Datum: 04.05.2015

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Steckbrief

Lebensraum
Afrika südlich der Sahara, Süd- und Südostasien
Größe
2,5 bis 4 Meter
Gewicht
500 – 3.600 Kilo
Lebenserwartung
30 – 50 Jahre
Nahrung
Gras, Blätter, Zweige, Rinde, Früchte, Samen
Anzahl Junge
jeweils ein Kalb, Nachwuchs alle 3 bis 4 Jahre
Tragezeit
zwischen 15 und 18 Monaten
Wie junge Nashörner mit einem Wimmern nach ihrer Mutter rufen, hört ihr hier:

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Sie keuchen, schnauben, jammern und fauchen – was wollen Nashornkälber damit sagen? Sabrina Linn hat es herausgefunden: Mit Kamera und Mikrofon hörte sich die Biologin bei den kleinen Dickhäutern um – lasst euch überraschen.

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