Gorillas – Die scheuen Riesen

Ein Berggorilla mit seinem Jungem im Regenwald 4 Jahre lang sind die Berggorilla-Mutter und ihr Junges unzertrennlich. Foto: Virunga Nationalpark

„Ihre Persönlichkeit und ihr scheues Wesen haben mich am meisten gefesselt“, sagte die berühmte Forscherin Dian Fossey. Die Amerikanerin hat den Berggorillas in Afrika ihr Leben gewidmet. Was sie in den 1970er Jahren vielleicht noch nicht wusste: Jeder Gorilla ist an der einzigartigen Form und den Falten auf der Nase zu erkennen. So wie wir an unserem Fingerabdruck.

Steckbrief

Lebensraum:
West- und Zentralafrika
Größe:
1,30 bis 1,90 Meter
Gewicht:
70 bis 200 Kilo
Lebenserwartung:
35 bis 40 Jahre, im Zoo mehr als 50 Jahre
Nahrung:
Pflanzen, Sprossen, Früchte
Anzahl Junge:
jeweils ein Junges, wird 3–4 Jahre gesäugt
Tragezeit:
8,5 bis 9 Monate

„Bestien“ oder „sanfte Riesen“?

Die Furcht einflößende Filmfigur King Kong ist Schuld, dass wir Gorillas früher für gefährliche Bestien hielten. Denn 1933, als „King Kong“ in die Kinos kam, wusste in den USA und Europa kaum jemand etwas über diese größten Menschenaffen der Erde. 55 Jahre später wurde der Kinofilm „Gorillas im Nebel“ gedreht, er basiert auf der Lebensgeschichte von Dian Fossey. Spätestens seitdem wissen wir: Gorillas sind scheue, friedliebende und soziale Tiere. Und Vegetarier.

Die entfernten Verwandten

Rund eintausend Kilometer liegen zwischen den Lebensräumen der beiden unterschiedlichen Gorilla-Arten:

  1. Die graubraunen Westlichen Gorillas bewohnen die tiefliegenden Regenwälder und Sumpfgebiete von Angola, Gabun, Kamerun, Nigeria, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo (DRC).
  2. Die schwarzen Östlichen Gorillas leben in den eher hügeligen Wäldern des Kongo, in Ruanda und Uganda. Zu ihnen gehören auch die Berggorillas. Man erkennt sie an ihrem langen zotteligen Fell, das sie noch in 4.000 Meter Höhe warm hält.

Silberrücken: Ein Vater für alle

Keiner ist größer, stärker, mutiger und erfahrener: Der Silberrücken ist der absolute Chef der Gruppe. Zu ihr gehören mehrere Gorillafrauen, ihr Nachwuchs und wenige männliche Jugendliche. 20 Tiere können so einem Familienverband angehören, meistens sind es aber um die acht Mitglieder. Zum Silberrücken wird ein Gorillamann, wenn sein Rücken grau wird – mit etwa 14 Jahren. Dann gründet er eine eigene Familie.

Brüllen und Brust-Trommeln

Gorillas besitzen einen großen Vorrat an Lauten, Gesten und Gesichtsausdrücken, um sich mitzuteilen. Sind sie nervös, gähnen sie, mit Rülpslauten knüpfen sie Kontakte zu anderen Gruppenmitgliedern. Muss ein Feind vertrieben werden, bellt, brüllt und starrt der Silberrücken ihn an. Wirkt das nicht, trommelt er mit Fäusten auf seine nackte Brust und wirft mit Pflanzen. Lange Zeit hielten Forscher das Trommelfeuer für ein typisches Machogehabe. Dann bemerkten sie, dass selbst weibliche Tiere trommeln. Vermutlich ist es auch eine Art Begrüßung.

Erst 30 Kilo Grünzeug machen satt

Gorillas sind Vegetarier. Bevor so ein 200 Kilo schwerer Silberrücken satt ist, muss er mindestens 30 Kilo Blätter, Wurzeln und Stängel rupfen. Junge Triebe aus Bambus sind seine Lieblingsspeise. Auf seinem Nahrungsstreifzug legt er rund zwei Kilometer am Tag zurück. Gorilla-Frauen wiegen und fressen nur etwa die Hälfte.

Jede Nacht eine neues Nest

In der Abenddämmerung baut sich jedes Tier auf dem Waldboden sein eigenes Nest für die Nacht. Nur die Mütter schlafen mit ihrem jüngsten Kind zusammen. Manchmal platzieren sie das Nest auch in sicherer Höhe auf einem Baum. Gorillas sind übrigens gute Kletterer – auch wenn sie die meiste Zeit auf dem Boden verbringen.

Schwimmen? Nie! Ins Wasser? Vielleicht...

Kein Menschenaffe kann und will schwimmen. Allerdings durchqueren Gorillas aufrecht schon mal einen Fluss, wenn es sein muss. Woher wissen sie vorher, wie tief er ist? Sie brechen einen Ast ab und testen den Wasserstand. Diese Beobachtung hat Forscher übrigens ziemlich verblüfft. Denn Gorillas fabrizieren und nutzen normalerweise keine Werkzeuge, so wie es Schimpansen tun.

Der größte Feind

… ist der Mensch. Denn er vernichtet mit den Regenwäldern den Lebensraum der Gorillas. Immer tiefer dringen die Holzfäller in den Urwald. Und mit ihnen die Wilderer, die Gorillas und Schimpansen töten, weil Menschenaffen-Fleisch begehrt ist und viel Geld bringt. Obwohl alle Gorilla-Arten gefährdet sind oder vom Aussterben bedroht.

Gorilla auf der roten Liste

Datum: 11.7.2013