Die Fransenschildkröte - Unter Wasser auf der Lauer
Sehr leicht zu übersehen am Grund des Sumpfes oder langsam fließenden Gewässers und – schwupps! – schon ist ein vorbeischwimmender Fisch in Ihrem Rachen verschwunden. Die Fransenschildkröte, von den Einheimischen „Matamata“ genannt, ist die wohl merkwürdigste aller Schildkröten.
- Wer ist die Fransenschildkröte und wo lebt sie?
- Wie jagt sie ihre Beute?
- Warum ist sie gefährdet?
Ihr Steckbrief:
Die Fransenschildkröte (wissenschaftlicher Name: Chelus fimbriata) ist eine sehr ungewöhnlich aussehende Vertreterin der so genannten Schlangenhalsschildkröten. Der Name „Matamata“ kommt vermutlich aus dem Spanischen oder Portugiesischen: „Matar“ heißt töten. Der Name heißt übersetzt also „töten, töten“ und spielt damit auf den räuberischen Charakter dieser Schildkröte an.
Größe: Ihr Panzer ist bis zu 40 cm lang, sie erreicht ein Gewicht von bis zu 15 kg.
Eigentümlich: Mit ihrem langen Hals und der wie ein Schnorchel verlängerten Nase kann sie selbst vom Grund eines 20 cm tiefen Gewässers am Boden liegend locker an der Wasseroberfläche Luft holen.
Die Schildkröte kann allerdings ihren Kopf und langen Hals nicht im Panzer verstecken wie die meisten Schildkröten. Das ist aber auch gar nicht nötig mit den Fransen an Kopf, Hals und Beinen und ihrem Panzer mit den drei Reihen von Höckern, die auch noch oft mit Algen bewachsen sind. So ist sie gar nicht für andere Tiere als etwas Lebendiges zu erkennen, sondern sieht wie ein Haufen verwelkter Blätter aus.
Vorkommen: Die Fransenschildkröte lebt in Sümpfen und stillen oder langsam fließenden Gewässern und kommt im Amazonas-Gebiet und angrenzenden Bereichen vor bis Ecuador, Kolumbien, Venezuela. Sie legt Eier, 12 bis 18 an der Zahl, am Ufer im sandigen Bereich ab. Nach etwa 80 Tage schlüpfen die Jungen.
Einzigartiger Räuber unter den Schildkröten
Wie kann die Fransenschildkröte ein gefährlicher Räuber sein? Sie hat ganz kleine Augen und kann dementsprechend schlecht sehen. Dazu hat diese Schildkröte auch noch ganz schwache und dünne Kieferknochen, so dass sie nicht kräftig zubeißen kann. (Denn: die allermeisten Schildkröten haben kräftige Kiefer und können mit ihren scharfen „Schnäbeln“ ordentlich zubeißen und zerteilen so ihre Nahrung)
Die Lösung: Die Fransenschildkröte hat eine eigene Jagdtechnik entwickelt: Sie hat ein außerordentlich breites Maul und liegt die allermeiste Zeit reglos am Boden des Gewässers und wartet. Und wartet… stundenlang ohne Luft zu holen. Bis ein Fisch zu nahe kommt oder an den „Fransen“ knabbert, weil diese wie fressbare Blattreste aussehen.
Dann öffnet die Matamata ihr riesiges Maul und erzeugt einen gewaltigen Wassersog. Mit diesem Unterdruck saugt sie mit viel Wasser auch das ahnungslose Opfer ein und schluckt es ganz! Das viele geschluckte Wasser spuckt sie später wieder aus.
Übrigens: die Fransenschildkröte muss sich nicht wie die meisten Schildkröten sonnen, um sich aufzuwärmen. Sie lebt ja in warmen tropischen Gewässern und geht nur selten an Land, z.B. wenn die Weibchen Eier legen.
Gefährdet, weil ihr Typ so außergewöhnlich und daher gefragt ist
Die Einheimischen mögen die Matamata nicht als Speise, das Fleisch soll nicht gut schmecken. Das skurrile Aussehen und das besondere Verhalten der Fransenschildkröte haben aber dafür gesorgt, dass sie schon seit den 1950er Jahren ein beliebtes Terrarientier in Europa ist.
Weil ihr Typ immer noch total angesagt ist, ist die Fransenschildkröte in Teilen ihres Verbreitungsgebietes, insbesondere in Französisch-Guyana, gefährdet, obwohl sie offiziell als geschütztes Tier gilt. Es gibt keine Zuchtfarmen und trotzdem tauchen in Tierhandlungen immer wieder zahlreiche Jungtiere auf, die in den Gewässern des Regenwalds gefangen wurden.
Wesentliche Quellen:
Enzyklopädie der Schildkröten, Franck Bonin, Bernard Devaux und Alain Dupré, 2007.
The Reptiles, Archie Carr, 1977.
Hilf dem Regenwald
Deine Unterstützung zählt! Junge Menschen sind die Entscheider:innen von morgen.
Nur wenn wir sie mit Optimismus für den Erhalt der Natur stärken, können wir etwas
bewegen. Werde Unterstützer:in unserer Arbeit.
Jeder Beitrag macht einen Unterschied!
Unser Newsletter
Jetzt kostenlos anmelden: Unser Newsletter informiert Dich monatlich über neue Schulaktionen und spannende Mitmach-Angebote für Unterricht und Zuhause.
Diesen Artikel kommentieren
Wenn Du Fragen zu dieser Seite hast, schreib uns an info@abenteuer-regenwald.de.