Amazonas-Delfine – geheimnisvolle Geister im Fluss

pinker Amazonas-Flussdelfin schaut aus dem Wasser Die Flussdelfine kommen grau zur Welt. Später sieht die Haut rosa aus, weil sie dünner und durchsichtig wird.

Sie bewohnen die großen Flussläufe, Bäche und Seen des Amazonas, bei Hochwasser durchwandern sie die überschwemmten Regenwälder und Lagunen. Amazonas-Delfine gehören zur großen Gruppe der Zahnwale, doch allzu viel weiß man nicht über sie – denn die Flussdelfine leben in sumpfigen Wassern eher im Verborgenen

Steckbrief

Art:
Amazonas-Delfin (insgesamt 3 Unterarten)
Lebensraum:
Südamerika: Flussregion von Amazonas und Orinoko in Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Guyana
Länge:
2,5 bis 3 Meter
Gewicht:
85 bis 160 Kilo
Lebenserwartung:
etwa 20 Jahre
Nahrung:
Fische, Krebse, kleine Schildkröten
Anzahl Junge:
Eines, Geburtsgröße 70 bis 80 cm
Tragezeit:
10 bis 12 Monate

Mit Echo und Barthaar auf Fischfang

Flussdelfine haben winzige Augen und sind ziemlich kurzsichtig. Um sich im schlammtrüben Gewässer zu orientieren und Futter zu finden, besitzen diese Tiere zwei geniale „Werkzeuge“: Sie senden Schallwellen aus, die als Echo zurückkommen und ausgewertet werden. Echoortung oder Biosonar wird diese Fähigkeit bei Tieren genannt, die wir auch von Fledermäusen kennen.

Einmalig sind die borstigen Haare um die lange Schnauze – von allen 5 Flussdelfin-Arten trägt nur der Amazonas-Delfin einen Bart. Mit den Haaren spürt er seine Beute im Schlamm oder Schilf auf und pflückt sie dann wie mit einer Pinzette heraus.

Panzerknacker

Alle Zahnwale haben ein Gebiss, daher ihr Name. Aber Amazonas-Delfine besitzen ein ganz besonderes, einzigartiges Modell: Mit spitzen Vorderzähnen können sie die Beute fangen und festhalten, mit den abgerundeten hinteren Zähnen zermalmen sie sogar Panzer. Denn nicht nur Fische und Weichtiere werden verspeist, sondern auch Krebse und kleine Schildkröten.

Hindernis-Schwimmer

Anders als das Meer, ist ein Fluss mit Hindernissen gespickt. Für Amazonas-Delfine kein Problem. Wie Schlangen winden sie sich an Baumstämmen vorbei, gleiten geschickt durch Geäst, Busch- und Schilfwerk. Meeresdelfine könnten das nicht. Weil bei Flussdelfinen aber die Halswirbel nicht miteinander verwachsen sind, können sie den Kopf in alle Richtungen drehen. Auch die breiten Brust- und die kleine Rückenflosse machen wendig und dynamisch.

Zum Luftholen tauchen die Delfine alle 30 Sekunden auf und atmen wie alle Wale durch das sogenannte Blasloch aus und ein. Denn als Säugetiere haben sie Lungen und keine Kiemen.

Scheue Einzelgänger

Der Amazonas-Delfin ist nur selten mit Artgenossen zu beobachten. Er lebt mehr im Verborgenen, meidet die großen Ströme und ist sehr scheu. Deshalb weiß man auch relativ wenig über sein Verhalten – und kann ihn auch nicht dressieren!

Verführung mit Wasserschlacht und Kreiseltanz

Wenn sich Männchen um ein Weibchen prügeln, sieht das ziemlich brutal aus – davon berichtete der britische Biologe Tony Martin in der Zeitschrift National Geographic. Und fügt hinzu: Von den größten Männchen mit den meisten Narben fühlen sich die Weibchen besonders angezogen. Und lassen sich aber auch noch ganz anders beeindrucken: Wenn das Männchen Pflanzenbüschel oder Holzstücke auf die Wasserfläche klatscht und sich dabei im Kreis dreht. „Kein anderes Säugetier – außer Mensch und Schimpanse – versucht, mit Gegenständen Eindruck zu machen“, so Martin.

Nur Menschen bringen Amazonas-Delfine in Gefahr

Die Waldzerstörung raubt den Delfinen Lebensräume und Jagdrevier, der Bau von Staudämmen hindert sie an ihren Wanderungen und hält sie in einer abgetrennten Flussregion gefangen. Auch die Verschmutzung der Gewässer macht den Tieren zu schaffen: Dünger und Pflanzengifte von Soja- und Palmölplantagen werden in die Flüsse gespült, ebenso Abwässer aus den Fabriken und Quecksilber vom Goldwaschen.

Der Amazonas-Delfin ist bedroht – aber er kann überleben.

Datum: 26.02.2015


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