Schlangen: Ziemlich benachteiligt – und doch genial

Schwarze Mamba im Regenwald Das Gift der Schwarzen Mamba kann sogar einen Menschen töten. Foto: wall.alphacoders.com

Schlangen sehen und hören schlecht, sie können nicht kauen, brauchen die Sonne zum Warmwerden und müssen sich durchs Leben schlängeln. Dennoch haben sich diese Reptilien innerhalb von 340 Millionen Jahren geniale Fähigkeiten zugelegt, mit denen sie auf allen Kontinenten außer der Antarktis überleben konnten.

Lebensweise

Die rund 3.000 bekannten Schlangenarten bewohnen so gut wie alle Ökosysteme der Erde: Manche jagen am Boden, andere im und unter Wasser, einige klettern auf Bäume. Schlangen gehören zu den so genannten wechselwarmen Tieren: Sie können keine innere Wärme erzeugen und erhöhen durch Sonnenbaden ihre Temperatur.
Schlangen legen entweder Eier oder bringen ihren Nachwuchs lebend zu Welt.

Nur etwa jede zehnte Art ist giftig – sie gehören zur Familie der Giftnattern und leben hauptsächlich in den Tropen und auf der Südhalbkugel. Zu den gefährlichsten Giftschlangen zählen Kobras, Korallenschlangen, Seeschlangen, Taipane und Mambas.

Eine Anakonda verschlingt ein Reh

Schlingen statt kauen

Weil Schlangen nicht kauen können, verschlingen sie ihre Beute im Ganzen – sogar solche, die größer ist als ihr eigener Kopf. Wie das geht? Schlangen besitzen eine äußerst elastische Haut, und ihr Kiefer ist so flexibel, dass sie ihn weit aufsperren können. Das Verschlingen dauert oft stundenlang.

Das Geheimnis der gespaltenen Zunge

Hören und Sehen gehören nicht zu den Stärken der Schlangen – aber sie haben mit ihrer gespaltenen Zunge einen perfekten Geruchssinn. Sie schießt durch eine Lücke im Maul nach draußen und nimmt Duftstoffe auf. Im Innern des Mauls werden sie dann durch das so genannte Jacobson-Organ geprüft, das sind zwei kleine Vertiefungen im Gaumen. Mit den beiden Zungenspitzen können Schlangen gleichzeitig unterschiedliche Düfte wahrnehmen, z. B. das von Beutetieren oder möglichen Partnern. Mit dem typischen Züngeln erforschen Schlangen also ihre Umgebung.

Jagen mit Gift und Würgegriff

Alle Schlangen fressen andere Tiere – von der Ameise bis zur Antilope wird so ziemlich alles verspeist. Kleinere Tiere werden mit dem Maul gepackt und verschlungen. Größere oder wehrhaftere Beute stellt die Schlange erstmal ruhig: durch Gift oder Umschlingen – beides endet tödlich.
Die Würgeschlange windet sich um ihr Opfer, bis es nicht mehr atmet. Die Giftschlange beißt zu, wobei das Gift durch eine Furche an den Zähnen rinnt.

Zwei Superlative im Schlangenreich:

Anakonda – das Schwergewicht

Anakonda. Foto: flickr/ferjflores (CC BY-SA 2.0)

Sie ist mit maximal 200 Kilo die schwerste Schlange der Welt und kann sechs bis neun Meter lang werden. Die Anakonda lebt im nördlichen Südamerika und jagt am liebsten nachts.
Untergetaucht im seichten Wasser der Flüsse lauert sie auf Tiere, die zum Trinken kommen: Wasserschweine, Hirsche, Kaimane. Fast schwerelos gleitet die riesige Würgeschlange durchs Wasser – und schlingt sich blitzschnell um den Körper des Opfers. Atmet es aus, verengt die Anakonda ihren Griff. Das Opfer erstickt und wird mit dem Kopf zuerst verschlungen.
Ihre Jungen kommen lebend zur Welt.

Schwarze Mamba – die Tödliche

Sie ist nicht nur eine der giftigsten Schlangen, sondern wohl auch die schnellste. Deshalb gehört die Schwarze Mamba zu den gefährlichsten Tieren der Welt. Auf kurzer Strecke kann sie mit ihrem stromlinienförmigen Körper und den glatten Schuppen 20 km/h erreichen – ein rennender Mensch hat da keine Chance. Das Gift der Schwarzen Mamba wirkt sehr schnell, deshalb ist ihr Biss sogar für Menschen tödlich, wenn er nicht schnell behandelt wird.
Die Giftschlange lebt ansonsten von Vögeln und kleinen Säugetieren im östlichen und südlichen Afrika. Dort bewohnt sie offene Wälder, klettert auch auf Bäume und legt ihre Eier in Felsspalten oder hohlen Bäumen ab. Die Schwarze Mamba wird 2,5 bis 3,5 Meter lang.

Datum: 21.10.2013