Paradiesvögel – ganz großes Theater

Paradiesvogel bei der Balz Ein männlicher Kragenparadiesvogel hat sich aufgeplustert, um ein Weibchen zu beeindrucken. © Cornell Lab of Ornithology

Tief in den Regenwäldern der großen Insel Neuguinea leben die „schönsten und außergewöhnlichsten gefiederten Bewohner der Erde.“ Das schrieb der berühmte britische Naturforscher Alfred Russel Wallace, als er Mitte des 19. Jahrhunderts auf seiner Südostasien-Reise zum ersten Mal Paradiesvögel beobachtete. Kein Tier der Welt veranstaltet einen so feurigen Balztanz wie das Paradiesvogel-Männchen. Kaum zu glauben, dass diese schillernden Exoten mit unseren Krähen verwandt sind.

Die Riesenshow ums Weibchen – mehr geht nicht!

 

Wer im Dschungeldickicht nicht auffällt, hat schon verloren. Und so zaubern die Männchen bei der Balz alles hervor, was in ihnen steckt: Die einen fächern ihre sattgelben Seitenfedern zum Sonnenball, andere stellen schwarzglänzende Schmuckfedern zum Tanzröckchen auf; wieder andere tragen kurzfedrige Umhänge, Halskrausen oder wippende Antennen an Kopf oder Schwanz. Dazu gibt’s Farbenfeuer vom Feinsten: Hauben, Kehlen, Kopf- und Brustbänder leuchten mal rot, grün, blau und gelb durchs Blätterwerk. Und weil das alles wohl noch nicht reicht, um Weibchen zu beeindrucken, wird getanzt, gerockt, gehüpft, gesprungen und geschwungen, gepfiffen und gesungen – bis endlich eine anbeißt.

Bei manchen Arten tanzen ein paar Männchen gemeinsam auf ausgewählten Balzplätzen um die Gunst der Weibchen, die ringsum die Zuschaueräste besetzen. Andere Arten bevorzugen den Solotanz, um ein Weibchen zu erobern.

Nur die Krähen verließen einst das „Paradies“

Paradies-, Lauben- und Krähenvögel haben einen gemeinsamen Ursprung – sie alle lebten in der heutigen Inselwelt von Neuguinea und Australien, so der bekannte Biologe Josef H. Reichholf. Damals hingen die Inseln allerdings noch mit dem australischen Kontinent zusammen, denn der Meeresspiegel lag über 100 Meter niedriger als heute. Vor Millionen Jahren teilte sich der gemeinsame Stammbaum dann in zwei Hauptäste: Die Krähenvögel schlugen einen eigenen Weg ein und eroberten die ganze Welt. Die Paradies- und Laubenvögel blieben dort, wo sie waren.

Heute sind rund 40 verschiedene Paradiesvogelarten bekannt (manche Forscher zählen 39, manche auch 42 Arten) – die meisten leben auf Neuguinea, der zweitgrößten Insel der Erde. Die Insel ist zweigeteilt: Der westliche Teil gehört zu Indonesien, der östliche ist ein eigener Staat: Papua-Neuguina. Der Paradiesvogel ist sogar sein Wappentier. Die restlichen Arten leben auf den indonesischen Molukken-Inseln und im Norden Australiens.

Er tanzt, sie arbeitet

Nach der Paarung hat er seine Schuldigkeit getan – jedenfalls bei den meisten Paradiesvogelarten. Sie leben nicht als Paar zusammen, sondern das Weibchen baut allein ein robustes Nest aus Blättern, Farnen und Zweigen in die Astgabel und brütet dort ein bis zwei Eier aus. Die Weibchen sind übrigens unscheinbar, was auch perfekte Tarnung ist. Die Jungen werden nur von der Mutter versorgt. Auf dem Speiseplan der Paradiesvögel stehen Früchte, Nüsse, Insekten und – je nach Art – auch kleine Reptilien.

Wer ist der Schönste im Regenwald?

Reine Geschmackssache. Jede Art unterscheidet sich von der anderen – in Größe, Farbe und Balztanz. Der kleinste ist der Königsparadiesvogel – er ist nur 16 cm lang, gilt aber als einer der schönsten und ist von allen am weitesten verbreitet.
Einer der größten und beeindruckendsten ist der Raggi-Paradiesvogel, der auch den Namen Göttervogel trägt. Er selbst ist mit 33 cm so groß wie eine Krähe – aber mit seinen orange-roten Schmuckfedern kommt er auf stolze 70 cm.

18 Expeditionen – und das Naturwunder war im Kasten

Die Wissenschaftler Edwin Scholes und Tim Laman hatten sich im Jahr 2003 vorgenommen, alle 39 Paradiesvogelarten ausfindig zu machen und in Ton und Bild aufzunehmen. Sie brauchten 8 Jahre und 18 Expeditionen in die Regenwälder Neuguineas, um dieses Ziel zu erreichen. Ihre Fotos, Videos und Tonaufnahmen sind einzigartig.

Hier eine Zusammenfassung der besten Paradiesvogel-Selbstdarstellungen:

 

 

Mit fremden Federn schmücken

Auf Neuguinea verehren die Naturvölker seit jeher die Paradiesvögel – dort schmücken sich die Männer mit ihren Federn.

In Europa waren es vor allem die Frauen, die sich Paradiesvogelfedern an Hüte und Kleidung steckten. Die ersten - ausgestopften - Exemplare brachten Forscher und Weltumsegler nach Europa und weckten damit das Verlangen nach den exotischen Vogelkörpern und ihren Federn. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Tiere gnadenlos gejagt und nach Europa und in die USA verschifft. Dann schlugen die Tierschützer Alarm, denn einige Arten waren fast ausgerottet.

1908 verboten die Briten die Jagd in den Teilen von Neuguinea, in denen sie regierten. Die Holländer verboten sie 1931. Heute ist die Jagd auf Paradiesvögel komplett untersagt – alle Arten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt, denn fast alle sind in ihrem Bestand gefährdet.

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