Kakao – die Urwaldfrucht, die süchtig macht

Kakao und Schokolade In den 20 cm langen Früchten liegen die Bohnen, aus denen Schokolade wird

Der Kakaobaum ist ein echter Dschungel-Bewohner – er liebt es warm, feucht und schattig. Die tropischen Regenwälder Lateinamerikas sind die Heimat dieser immergrünen Bäume, die bis zu 15 Meter hoch werden. Heute wachsen Kakaobäume mit rund 20 Arten auch in Afrika und Asien. Ihr größter Schatz, die Bohnen, liegen gut verborgen in ananasgroßen ovalen Früchten. Je nach Sorte mal gelb, rot oder violett.

Die göttliche Bohne

Schon vor 3.000 Jahren genossen die Völker Mexikos Schokolade als Getränk. Der Sage nach soll Quetzalcoatl, der gefiederte Gott des Windes, die Bohnen zur Erde gebracht haben. Deshalb hielt man sie für heilig, und nur Priester, Krieger und Adlige durften sie zu sich nehmen. Besonders die großen roten Kakaobohnen waren so wertvoll, dass sie als Zahlungsmittel dienten.

Der erste Kakao segelt nach Europa

Wer ihn brachte, weiß man nicht genau. Vermutlich war es der Spanier Hernán Cortés, der 1521 das Aztekenreich eroberte. Unbestritten ist: Die erste offizielle Ladung Kakaobohnen gelangte 1585 von Veracruz in Mexiko nach Sevilla in Spanien.

Dort fand man das bittere Getränk allerdings ungenießbar – und versüßte es mit Zucker oder Honig – und erwärmte es. Von Spanien aus eroberte der heiße Kakao ganz Europa.

Ohne Mücken und Fliegen keine Schokolade

Denn sie befruchten die vielen Tausend Blüten des Kakaobaumes, aus denen sich die Früchte entwickeln. Sie hängen an kurzen dicken Stängeln direkt am Stamm und an kräftigen Ästen. Die Früchte werden bis zu 20 Zentimeter lang und 500 Gramm schwer. Wenn sie reif sind, schlagen die Bauern sie mit der Machete ab und halbieren sie. Und fördern unter der harten, ledrigen Schale das Kostbarste zu Tage: Eingebettet in glibbriger Masse liegen bis zu 50 Samenkörner – die Kakaobohnen.

Schokolade Erst seit 70 Jahren können wir Schokolade auch essen
Weltkarte der Kakao-Anbaugebiete Kakaobäume wachsen in den Tropen rund um den Äquator

Von der Bohne zum Kakao...

Die Samen werden zusammen mit der süßen Masse in Kisten oder Bottiche gefüllt und abgedeckt. Das zuckerhaltige Fruchtfleisch beginnt zu gären, es entwickelt sich Alkohol (diesen Vorgang nennt man Fermentation) und die Bohnen verlieren viel von ihrem bitteren Geschmack. Anschließend werden sie in der Sonne getrocknet und in die Verbraucherländer verschifft. Dort röstet man sie braun und zermahlt sie zu einer dicken Masse. Daraus kann man dann Öl pressen (Kakaobutter) und der Rest wird zu Kakaopulver gemahlen.

Die allererste Tafel Schokolade

wurde 1847 hergestellt – von der englischen Firma „Fry & Sons“. Bis dahin gab es nur Trinkschokolade. Die britische Schokoladenmanufaktur mischte Kakaopulver mit Zucker und geschmolzener Kakaobutter statt mit warmem Wasser und goss den zähen Teig in Formen, wo er fest wurde. Die Tafelschokolade war geboren.

Erst 28 Jahre später kam die Milchschokolade auf den Markt: Der Schweizer Daniel Peter mischte Milchpulver unter die Kakaomasse.

Die Welt liebt Schokolade...

...und zwar immer mehr: Vor allem Chinesen und Inder kommen auf den Geschmack. Doch Kakao ist ein seltener Rohstoff. Vier Millionen Tonnen werden jährlich gehandelt – bei Weizen zum Beispiel sind es 600 Millionen Tonnen. Und weil Kakao knapp ist, steigt der Preis, und Schokolade wird teurer.

Kakao ernten – in Afrika oft Familiensache

Rund 5,5 Millionen Kakaobauern gibt es weltweit. Die meisten Bohnen kommen aus den westafrikanischen Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Die Baumplantagen sind dort eher klein und werden von Familien bewirtschaftet. Das Problem: Sie verkaufen ihre Bohnen an Großkonzerne, und die drücken die Preise.

Deshalb verdienen viele Kakaobauern so wenig, dass ihre Kinder mitarbeiten müssen – mehr als zwei Millionen sollen es sein. Denn erwachsene Erntehelfer kann sich ein Bauer kaum leisten.

Natürlich gibt es auch große Konzerne, die Kakaobäume auf riesigen Plantagen anpflanzen – und dafür den Regenwald roden. Zum Beispiel in Peru am Amazonas – das haben wir dort selbst gesehen.

Schokolade essen – mit gutem Gewissen

Es ist wichtig, dass die Bauern für ihre Kakaobohnen gerecht bezahlt werden, damit ihre Kinder zur Schule gehen können und keine schweren Säcke schleppen müssen. Auch Regenwald darf nicht abgeholzt werden für immer neue Plantagen. Das passiert ja nicht nur für den Anbau von Kakaobäumen, sondern auch für Ölpalmen. Denn die meisten großen Lebensmittelhersteller mischen neben Kakaobutter das viel billigere Palmöl in die Schokolade.

Deshalb empfehlen wir Schokoladen-Artikel, die aus ökologischem Anbau und fairem Handel kommen. Zum Beispiel mit dem Siegel von Gepa, Fairtrade, Demeter, Naturland und Bioland.

Ob Palmöl drin ist, steht immer auf der Verpackung.

Datum: 29.11.2015