Würgefeige – Angreifer aus der Luft

Würgefeige von innen Foto: www.flickr.com/photos/die-leuchtturms

Man kann sie mordlustig und gemein finden: Die Würgefeige tötet, damit sie leben kann. Doch so lautet nun mal das Gesetz des Dschungels: Wer keine guten Ideen hat, geht unter. Würgefeigen konnten gleich drei Kontinente erobern: Asien, Südamerika und Afrika – allerdings mit Unterstützung von (unfreiwilligen) Helfern…

riesige Regenwald-Baumwurzeln Foto: flickr/Allie Caulfield
(CC BY 2.0)

Helfer Nummer 1: Der Vogel

Vögel mögen Würgefeigen-Samen, die sie irgendwann auch wieder ausscheiden. Idealerweise (für die Würgefeige) passiert das an einem sonnigen Plätzchen auf dem Ast in einer Baumkrone. Dort beginnt dann der Samen zu keimen – und das Wachstum der Würgefeige nimmt seinen Lauf. Der Baum allerdings hat Pech gehabt – sein Schicksal ist besiegelt.

Helfer Nummer 2: Der Baum

Anfangs wächst die Würgefeige als Aufsitzerpflanze (ein so genannter Epiphyt) im Geäst ihre Wirtsbaumes. Weil ihr Leben aus der Luft beginnt und nicht mühsam aus dem Dickicht heraus, hat die Würgefeige einen unschlagbaren Vorteil gegenüber Pflanzen, die im Urwaldboden keimen. Denn dort herrscht Dunkelheit. Wer ans Licht will, braucht Geduld und möglichst eine Lücke: Ein junger Baum muss sich Jahr für Jahr empor kämpfen, um dort anzukommen, wo die Würgefeige schon ist.

Am Anfang ernährt sie sich noch selbstständig und fügt dem Baum, auf dem sie wächst, keinen Schaden zu. Doch schon nach kurzer Zeit bildet sie lange Luftwurzeln, die am Stamm des Wirtsbaumes entlang nach unten wachsen.

Dort angekommen, verankern sie sich im Boden und werden dicker und kräftiger. Nun kann sich die Würgefeige ihre Nahrung direkt aus dem Erdreich holen. Immer mehr Luftwurzeln verholzen zu kleinen Stämmen. Wenn sie sich berühren, verschmelzen sie miteinander – es entsteht ein dichtes Geflecht, das immer mehr zu einem eigenen Stamm wird.

Helfer Nummer 3: Die Zeit

Entstehung der Würgefeige Entstehung der Würgefeige

Im Laufe vieler Jahre wird die Würgefeige kräftiger und größer – bis sie die Krone des Wirtsbaumes überragt. Ihr immer dichter wachsendes Korsett aus Luftwurzeln schnürt seinen Stamm regelrecht ein. Der Baum hat keine Chance – er wird im wahrsten Sinn des Wortes erwürgt, seine Nährstoffversorgung und sein Wassertransport werden abgeschnürt.

Im Würgegriff der Feige stirbt der Baum einen langsamen Tod, der bis zu zehn Jahre dauern kann. Nach und nach verrottet er in ihrem Innern. Die Holzreste des einstigen Urwaldriesen werden von Insekten gefressen – und seinen Platz übernimmt nun die mächtige Würgefeige mit ihren hohlen „Stamm".

Datum: 28.1.2014