14. August 2014

Der Traum vom eigenen Wald

Jadav Payeng in seinem Wald Jadav Payeng in seinem Wald. (Bild: http://tboltkid.com)

In Indien hat sich ein 16-Jähriger einen ungewöhnlichen Wunsch erfüllt: Auf einer öden Sandbank im großen Brahmaputra-Fluss pflanzte er Baumsamen und siedelte Ameisen an. Heute, nach 35 Jahren wuchert dort dichter Dschungel – als neue Heimat vieler Tiere und Pflanzen.

Es geschah im Jahr 1979 – Jadav Payeng war gerade 16 Jahre alt – als gewaltige Monsunregen den Bundesstaat Assam im Nordosten Indiens überschwemmten und den Brahmaputra über die Ufer treten ließen. Als sich das Wasser zurückzog, starben viele Hundert Schlangen in der sengenden Sonne, weil dort, wo sie hilflos an Land gespült wurden, keine  Schatten spendenden Bäume wuchsen.

„Ich dachte, dass den Menschen dasselbe Schicksal blüht, wenn es keine Bäume mehr gibt“, erzählte Jadav Payeng viele Jahre später Zeitungs-Reportern. „Deshalb beschloss ich, mein Leben dem Pflanzen von Bäumen zu widmen.“

Sein eigener Wald sollte auf einer Sandinsel im Brahmaputra heranwachsen, doch bei der Forstbehörde wurde Jadav Payeng nur belächelt – dort würden keine Bäume Wurzeln schlagen, sagten sie. Der Junge ließ sich nicht beirren und bat seine Stammesbrüder vom Volk der Mising um Hilfe. Sie schenkten Jadav für den Anfang Samen für Elefantengras und Bambus. Er selbst ruderte Dung und Rote Ameisen zur Insel, die den Boden fruchtbar machen sollten.

Im Laufe der Jahre breitete sich auf der einst öden Flussinsel eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen aus: Hirsche, Kaninchen, Schlangen, wilde Büffel und zahlreiche Vögel fanden dort einen neuen Lebensraum oder Rückzugsort, Elefanten schwammen herüber und sogar seltene Arten wie Tiger und Nashörner.

Jadav Payengs Traum vom eigenen Wald wuchs zu einem 5,5 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet heran. Und der heute 51-Jährige, den sie in Indien den „Waldmann“ nennen, will noch lange nicht aufhören mit dem Pflanzen von Bäumen. Denn „der Baum ist die Wurzel allen Lebens“, sagt der Familienvater.