Eine erwachsene Schimpansin mit ihrem einjährigen Baby, über ihnen hängen Zweige voller Feigenfrüchte, eine davon hat die Mutter in der Hand Ein junger Schimpanse lernt von seiner Mutter, welche Früchte essbar sind und gut schmecken. Hier sind es Feigenfrüchte in Uganda (Bild: Alain Houle/CC BY 4.0)
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Schimpansen kann man nicht täuschen

Ganz schön schlau: Schimpansen merken, ob jemand sie mit Absicht benachteiligen will, oder ob er keine andere Wahl für sein Verhalten hatte. Zu so einem Urteilsvermögen sind also nicht nur wir Menschen fähig, sondern auch unseren nächsten tierischen Verwandten. Das fand ein Forscher-Team heraus.

Wichtigste Fakten
  • Schimpansen können das Verhalten anderer beurteilen
  • Sie merken, ob sie jemand absichtlich benachteiligen will
  • Darauf reagieren sie mit Spucken

Wir Menschen erkennen normalerweise, ob sich jemand absichtlich nicht richtig verhält. Oder ob er keine andere Möglichkeit hatte. 
Ein Beispiel: Wir wollen auf dem Markt Erdbeeren kaufen. Auf dem Tisch stehen nur noch zwei Schalen mit schon ziemlich matschigen Früchten. Der Verkäufer behauptet, dass dies die letzen seien, frischere habe er nicht. Hinter ihm auf dem Boden entdecken wir aber eine Kiste mit ganz frischen Erdbeeren. Wir merken also, dass er uns absichtlich täuschen wollte. 
Anderes wäre es, wenn der Verkäufer nicht so wie wir gesehen hat, dass sein Kollege gerade die letzte Kiste mit frischen Früchten aus dem Kleinlaster geholt hat. Dann hat er uns nicht absichtlich getäuscht. 

Den Unterschied, ob sich jemand absichtlich oder unabsichtlich falsch verhält, können Menschen also einschätzen. Dieses Können gilt als Zeichen von höherer Intelligenz. 

Können Schimpansen das Verhalten anderer durchschauen?

Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich und wir wissen längst: Die Menschenaffen sind schlau, gelehrig, mitfühlend, neugierig und können sogar Werkzeuge herstellen, die ihnen das Leben erleichtern. 

Aber können sie auch beurteilen, ob jemand absichtlich einen Fehler macht und jemandem schaden will – oder ob das nur aus Versehen passiert? Das wollte ein internationales Forscher-Team herausfinden und testete Schimpansen in Gefangenschaft.

Uns täuscht ihr nicht....

Zuerst brachten sie den Tieren bei, ein Werkzeug herauszurücken, wenn sie dafür ihren Lieblingsleckerbissen bekamen. Es wurde in der Studie nicht gesagt, was es war. Wir nehmen als Beispiel eine Banane. 

Als nächstes gab es im Tausch gegen das Werkzeug einen nicht so beliebten Schimpansen-Snack (vielleicht eine Kartoffel). Dabei taten die Forscher einmal so, als hätten sie nur die Kartoffel zur Verfügung und keine Lieblingsbanane. Beim zweiten Mal sahen die Schimpansen, dass die Forscher zwar Bananen hatten, ihnen aber trotzdem die Kartoffel gaben. 

Damit wollte das Team testen, ob die Affen seine Absicht beurteilen können: Haben die Forscher ihnen absichtlich oder unabsichtlich ihre Lieblingsleckerbissen verweigert? 

Das Ergebnis der Studie war eindeutig. Die Schimpansen konnten sehr wohl beurteilen, ob ihnen die Bananen aus Bosheit vorenthalten wurden, oder ob die Forscher wirklich nicht in der Lage waren, ihnen ihren Lieblingssnack anzubieten: Als ihnen klar wurde, dass sie die weniger geliebte Kartoffel bekamen, obwohl es auch Bananen gab, spuckten sie die Forscher an. Sehr menschlich, oder?


Quelle: The Royal Society/ Fachjournal Biology Letters, Februar 2022
Letzte Aktualisierung: 14. Juni 2022
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