Kinder im brasilianischen Regenwald

Portrait eines jungen Indio neben seinem Vater, Brasilien. Foto: Wilfred Paulse/flickr Junger Indio neben seinem Vater, Brasilien. Foto: flickr.com/Wilfred Paulse (CC BY-NC-ND 2.0)

Auf die Jagd gehen, bei Festen bunten Federschmuck tragen und mit dem Kanu zur Schule paddeln – in Brasilien ist das für viele Kinder völlig normal, wenn sie im Regenwald am Amazonas leben. Die meisten von ihnen sind Indianer, Amerikas Ureinwohner.

Mehr als 240 dieser indigenen Völker leben in Brasilien. Zum größten Stamm, den Guaraní, gehören 51.000 Menschen, manche Stämme sind aber viel kleiner. Von den Akuntsu-Indianern gibt es nur noch fünf. Insgesamt schätzt man die Zahl der Indigenen in Brasilien auf 900.000 Personen. Genau weiß das niemand. Viele Gruppen haben zwar seit langem Kontakt zum modernen Brasilien, rund 80 wollen jedoch für sich bleiben und leben so wie ihre Vorfahren seit Jahrhunderten isoliert im Dschungel.

In vielen Urwalddörfern gehen die Kinder zur Schule, manchmal müssen sie mit einem Kanu dorthin fahren. Auf dem Stundenplan stehen Mathe und Portugiesisch, die Amtssprache in Brasilien. Seit einigen Jahren legen die indigenen Völker aber verstärkt Wert darauf, dass die Kinder die Sprache ihres Stammes lernen. 180 verschiedene gibt es in Brasilien.

Traditionelle Guarani-Hütte Traditionelle Guarani-Hütte
(Foto: flickr/Fernando Stankuns (CC BY-NC-SA 2.0))

Lernen für ein Leben im Regenwald

Von klein auf lernen die Kinder von ihren Eltern und Großeltern alles über die Pflanzen und Tiere im Regenwald. Die Familien leben schließlich von dem, was der Wald ihnen bietet.

Die Kayapó, einer der bekanntesten Indianerstämme Brasiliens, bringen den Jungen früh bei, wie man mit Pfeil und Bogen auf die Jagd geht und Tapire, Wildschweine und Ratten erlegt. Ihre Väter zeigen ihnen, wie aus einer Lianenart ein Saft gepresst wird, mit dem man Fische betäubt, um sie leichter zu fangen. Die Kinder erfahren, welche Früchte sie essen können, von welchen sie lieber die Finger lassen und welche Pflanzen Wunden und Krankheiten heilen. Kayapó-Mädchen lernen, wie sie die Felder rund ums Dorf bestellen, Gemüse ernten und Mais, Maniok und Bananen kochen. Die Aufgaben von Jungen und Mädchen sind also klar festgelegt.

Bunte Feste und geheimnisvolle Zeremonien

Doch nicht nur die Alltagsregeln müssen die Kayapó-Kinder beachten – Feste, Zeremonien und Rituale ihres Volkes sind genauso wichtig. Die Eltern bringen ihnen bei, wie man die Geister gefangener Tiere besänftigt und wie man sich davor schützt, dass die Geister Verstorbener ins Dorf kommen. Zu besonderen Anlässen bemalen sich die Indianer mit schwarzen Streifen und Punkten und schmücken sich mit bunten Papageien-Federn. Die Kayapó schieben sich sogar eine runde Scheibe aus Mahagoniholz in die Unterlippe, die dann aussieht wie ein Schnabel.

Hunderte Kilometer bis zum Nachbarn

Die Indianerdörfer sind eine enge Gemeinschaft. Bei den Kayapó wohnen ganze Großfamilien mit Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins unter einem Dach. Bei vielen Stämmen leben höchsten 80 Personen in einem Dorf, bei den Kayapó sind es bis zu 500. Zum Nachbarort kann der Weg dagegen ganz schön weit sein. Die Kayapó leben in 19 Siedlungen verstreut – in einem Reservat, das so groß ist wie Österreich.

Indianerland in Gefahr

Erst vor knapp 30 Jahren wurden in Brasilien die ersten Reservate abgesteckt, die den Indianern allein gehören. Heute machen sie 20 Prozent von Amazonien aus. Trotzdem müssen die Indianer oft um ihr Land kämpfen: Holzfirmen, Rinderzüchter, Goldsucher und Betreiber von Palmöl-Plantagen machen es ihnen streitig. Außerdem sollen für Staudämme große Flächen überflutet werden. Dagegen wehren sich Brasiliens Ureinwohner.

Der Kayapó-Häuptling Raoni Metuktire ist ein richtiger Profi darin, Leute auf den Kampf seines Stammes aufmerksam zu machen: Er ist auf Facebook, twittert und hat eine eigene Homepage!

Datum: 28.05.2014



Tiere im Regenwald:

Pfeilgiftfrösche
Tiger