Ein Fünkchen Hoffnung für Amazonien

In den vergangenen Jahren sind Tausend Hektar Amazonas-Regenwald verbrannt (Bild: Pixabay)

Vor allem in Brasilien wüten die schlimmsten Brände seit 20 Jahren – befeuert durch die rücksichtslose Politik von Präsident Jair Bolsonaro. Jetzt haben die Staatschefs von sieben Amazonas-Ländern verhandelt, um das größte und artenreichste tropische Regenwaldgebiet der Erde besser zu schützen. Es wird Zeit zu handeln. Nicht nur in Südamerika, sondern auch bei uns.

FaultierDas Faultier gehört zu den ungewöhnlichsten Tieren am Amazonas (Bild: iStock/Damocean)

„Ein unbeschädigter Regenwald ist entscheidend für das Überleben unseres Planeten. Gemeinsam müssen wir ihn besser schützen.“ Das sagte Kolumbiens Präsident Iván Duque während des Amazonas-Gipfels, zu dem er die Regierungschefs der Amazonas-Staaten eingeladen hatte. Gekommen waren die Staatsoberhäupter aus Bolivien, Peru, Ecuador, Surinam und Guayana. Nur Venezuelas Präsident Maduro blieb außen vor – und Brasiliens Präsident Bolsonaro ließ sich durch seinen Außenminister vertreten und war nur per Video dabei.

Warum treffen sich die Staatschefs?

Anlass für dieses hochrangige Treffen sind die mehr als Hunderttausend großen Feuer im Amazonasbecken – es sind die schlimmsten seit 20 Jahren. Allein im August verbrannten 29.944 Quadratkilometer, das sind 4,2 Millionen Fußballfelder! Die Hotspots liegen vor allem in Brasilien, aber auch Bolivien vernichtet seine Amazonaswälder in großem Stil.
„In den vergangenen Jahren haben wir Tausende Hektar Regenwald verloren, weil illegal neue Weide- und Ackerflächen geschaffen werden", sagte Iván Duque, der seine Kollegen in einer traditionellen Hütte der indigenen Gemeinschaften im Dschungel empfing.
Ein klug gewählter Ort, denn die Ureinwohner leiden besonders, wenn die Regenwälder zerstört werden: Sie verlieren ihre Lebensquelle.

Waldbrände im Amazonas-Regenwald vom 24.-26.8.2019. Jeder rote Punkte steht für ein Feuer. Grün sind die Schutzgebiete
Waldbrände im Amazonas-Regenwald vom 24.-26.8.2019. Jeder rote Punkte steht für ein Feuer. Grün sind die Schutzgebiete (Bild: NASA/FIRMS)

Was wurde beschlossen?

Die Teilnehmer einigten sich auf einen Plan mit 16 Punkten. So soll zum Beispiel Bergarbeitern, Holzfällern und Farmern die illegale Brandrodung erschwert werden, unter anderem durch den Austausch von Wetterdaten. Auch ein Frühwarnsystem über Satelliten ist geplant, um die schnelle Ausbreitung der Feuer zu verhindern. Außerdem wollen die Staaten ihre abgebrannten Wälder wieder aufforsten.
Allerdings hat Brasiliens Präsident Bolsonaro per Video verkündet, dass er sich nicht von anderen Staaten in seine Politik reinreden lässt. Damit wiederholte er, was er schon den G7-Staaten mitgeteilt hat: Er wolle keine Einmischung von außen und kein Geld zur Bekämpfung der Feuer.
Mit seiner machthaberischen Haltung hat Bolsonaro auch erreicht, dass der Amazonas-Pakt keine Vereinbarung enthält, die Ausbeutung der Amazonas-Regenwälder zu beenden oder auch nur einzudämmen.

Trotz allem – der Pakt zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ist ein erster Schritt auf einem langen Weg.
„Amazonien ist unser Erbe, über das nur wir selbst bestimmen. Aber wir können es mit der Welt teilen. Es ist ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen", sagte Kolumbiens Präsident Iván Duque.
Und Ecuadors Staatschef Lenin Moreno, der alle Anwesenden mit einem bewegenden Lied über die Umweltzerstörung überraschte, fügte hinzu:
„Es bleibt nichts mehr zu sagen, denn nach den Unterschriften muss nun gehandelt werden.“

Was hat Deutschland mit der Abholzung in Brasilien zu tun?

Brasiliens Präsident Bolsonaro will immer mehr Platz schaffen für neue Sojaplantagen und Rinderweiden. Er will Bodenschätze wie Eisenerz, Bauxit und Gold fördern und Flüsse zur Stromerzeugung zu gewaltigen Seen aufstauen lassen. Und dafür müssen die Regenwälder weichen – sogar in Schutzgebieten und in den Reservaten der Ureinwohner.
Deutschland importiert sehr viele Rohstoffe aus Brasilen. Zum Beispiel Eisenerz für die Bau- und Automobilindustrie.
Aber auch für viele landwirtschaftliche Produkte wie Soja, Palmöl, Südfrüchte und Fleisch.
Die EU hat ein Freihandelsabkommen mit Südamerikas Mercosur-Staaten geschlossen,
zu denen neben Argentinien, Paraguay und Uruguay auch Brasilien gehört. Noch ist es nicht in Kraft, weil jedes EU-Land zustimmen muss.
Doch wenn es in Kraft tritt, würde noch mehr Rindfleisch nach Europa kommen – und noch mehr Regenwald und Savannen werden dafür zerstört. Denn damit sie mehr Weideland für ihre Rinder gewinnen, stecken Farmer immer wieder Regenwald in Brand. Allein in Brasilien leben 200 Millionen Rinder.

Was kann jeder von uns tun?

Zum Beispiel weniger Fleisch essen – und möglichst Fleisch, Eier, Milch und andere Tierprodukte vom Biobauern um die Ecke. Mehr dazu erfahrt ihr auf der Seite Fleisch & Soja.

Quellen: ARD, ZDF

7. September 2019
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