Baumfarne - Lebende Fossilien aus der Zeit der Dinos
Schon vor 359 – 299 Millionen Jahren, zur Zeit des Karbons, gab es die ersten großen Wälder auf der Erde. Damals herrschte auf dem Land in weiten Teilen, auch in Europa, ein feucht-warmes subtropisches bis tropisches Klima.
In den Wäldern ging es für die Pflanzen wie heute darum, durch Wachstum in die Höhe möglichst viel Sonnenlicht abzubekommen. Laub- oder Nadelbäume gab es noch nicht.
Sehr erfolgreich dabei war eine Gruppe der Farnpflanzen, die die Möglichkeit entwickelte, durch das Wachsen von Stämmen in die Höhe zu schießen und am oberen Ende des Stamms dann ihre Farnwedel zu entfalten: die Baumfarne.
Die allerersten Baumfarne traten schon vor etwa 400 Millionen Jahren im Devon auf, ihre erfolgreichste Zeit war von Karbon bis Perm (bis vor 252 Millionen Jahren). Im Karbon (=Kohlezeitalter) haben sie viel von der Steinkohle gebildet, die im Ruhrgebiet und im Saarland gefunden und abgebaut wurde. Sie haben also geholfen, die Energie für die industrielle Entwicklung in Europa zu liefern.
Was sind eigentlich Baumfarne?
Farne kennt jeder als zarte gefiederte Wedel, die aus einem Gewusel von Spross in Bodennähe entspringen. Baumfarne haben sich aus genau solchen einfachen Farnen entwickelt. Sie haben um ihre Mitte, wo die Wedel entspringen, einen Kranz von Wurzeln nach oben getrieben. Den Stamm bilden also in Wirklichkeit viele verhärtete Wurzeltriebe, aus deren Mitte am oberen Ende die Wedel sprießen. Durch die Anordnung der grünen Wedel mit ihren Fiedern an der Spitze des Baumfarnes kommt der Baumfarn näher an das Sonnenlicht und kann dann so besser wachsen.
Aber: Gefahr lauert durch zuviel Sonne!
Der Baumfarn hat keinen Stamm aus echtem Holz, und die Farnwedel sind zart und so ebenfalls relativ schlecht gegen Verdunstung geschützt. Deswegen sind die Baumfarne bis heute auf dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen, da sie sonst austrocknen. Und ihre Stämme knicken bei zu starkem Wind leicht um.
Sie kommen daher hauptsächlich an feuchten Hängen und Schluchten der Regenwälder und in so genannten Nebelwäldern vor, wo es windgeschützt ist und ständig eine so hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, dass die meiste Zeit Nebel oder Dunstschwaden die freie Sicht behindern. Sie sind an anderen Orten im Nachteil gegenüber den mit kräftigem Holz höher wachsenden und vor Verdunstung besser geschützten Laub- und Nadelbäumen.
Weltbürger in den Tropen
Auch heute sind die Baumfarne ein untrügliches Zeichen für ziemlich konstante, milde Temperaturen und gleichzeitig hohe Luftfeuchtigkeit. Sie kommen weltweit in den Tropen und Subtropen bis hin zu dem von mildem Klima bestimmten Neuseeland und Süd-Japan vor.
Steckbrief
Baumfarne sind echte Farne, vermehren sich also nicht durch Samen, denn Farne besitzen gar keine Blüten. Die erwachsenen Farne verbreiten sich durch Sporen, das sind winzige Körner, die durch die einfache Teilung von Zellen entstehen und nicht wie bei Früchten, die sich aus Blüten bilden, eine Befruchtung benötigen. Pilze vermehren sich ebenfalls durch Sporen.
Artenzahl: 500 bis 700, es werden immer noch neue im Dschungel entdeckt
Wuchs: Manche Arten werden im Urwald 15 – 20 m hoch, mit Wedeln, die einzeln über 1 m lang werden (die Baumkrone misst dadurch bis zu 5 m im Durchmesser!) Die Baumfarne sind dabei oft die mittlere Etage der Bäume im Regenwald. Dadurch bleiben sie mit ihren nicht verholzten Stämmen vor Wind und zu starker Austrocknung geschützt.
Heutige Bedeutung: Mehrere Arten der beiden Gattungen Cyathea und Dicksonia sind beliebt als Zierpflanzen, z.B. in Wintergärten und Gewächshäusern. Baumfarne wachsen aber super langsam, nur wenige Zentimeter in der Höhe pro Jahr. Als Zierpflanzen werden sie meist nur 2 - 3 m hoch.
Die weichen Haare an ihren Stämmen werden in China in der Medizin eingesetzt, um Blutungen zu stoppen. Auf Hawaii füllt man mit den zarten Haaren Kissen.
Einige Quellen:
Paleobotany and the Evolution of Plants, Wilson N. Stewart und Gar W. Rothwell, 2nd. Edition, 2009.
A History of Plants in 50 Fossils, Paul Kendrick, 2020.
Website des Botanischen Gartens München-Nymphenburg: https://botmuc.snsb.de/qr-341/
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